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Das Jahr der Vergewaltigungsdebatten

Selten wurde über sexuelle Gewalt an Unis so intensiv diskutiert wie 2014. Seit Januar tauchten immer wieder neue Vorwürfe und Skandale in den Medien auf. Eine Chronologie.
franziska-deller
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Emma Sulkowicz trägt die Matratze mit sich, auf der sie ihren Angaben nach von einem Kommilitonen vergewaltigt wurde.

Wenn man zurückdenkt an das Jahr und seine Debatten, fällt etwas auf: 2014 wurde sehr viel mehr als sonst über sexuelle Übergriffe diskutiert . Vor allem in den USA, und vor allem, weil dort wieder und wieder Fälle sexueller Gewalt an Unis an die Öffentlichkeit kamen, landesweite Resonanz fanden und sogar die Gesetzgeber zum Handeln brachten. Um da den Überblick zu behalten, haben wir die Ereignisse noch mal chronologisch geordnet.

Januar
In den USA protestieren immer mehr Studentinnen gegen sexuelle Gewalt an Universitäten. Präsident Obama beruft einen Spezialausschuss ein, der Verbesserungsmöglichkeiten ausarbeiten soll. Die Vorschläge des Ausschusses umfassen den Ausbau von Präventionsprogrammen und das Veröffentlichen der Vorfälle durch die Universitäten. Immer mehr Fälle von Vergewaltigungen oder sexueller Nötigung im universitären Umfeld werden bekannt. März
Im März wird eine Großstudie der EU-Grundrechte-Agentur (FRA) zu Gewalt gegen Frauen in Europa veröffentlicht. Das Ergebnis der Studie: 33 Prozent der Frauen in der ganzen EU gaben an, schon einmal körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren zu habe. In Deutschland waren es 35 Prozent der Befragten. Die meisten Vorfälle ereignen sich demnach zu Hause und am Arbeitsplatz. April
„Not-All-Man“ heißt ein ironischer Comic von Matt Lubchansky, der im April erscheint und vor allem bei (Internet-)Feministinnen viel Zuspruch findet. Der Held Not-All-Man, „der Verteidiger der Verteidigten, Beschützer der Beschützten, die Stimme der Stimmgewaltigen“, kommt allen zu Unrecht beschuldigten Männern mit einem Hinweis zu Hilfe: Man muss schon differenzieren - nicht alle Männer sind Vergewaltiger. Mai
Der 22-jährige Elliot Rodger tötet am 23. Mai 2014 in Santa Barbara sechs Menschen, verletzt 13 weitere und bringt sich danach um. Hintergrund des Amoklaufs ist sein aus sexueller Zurückweisung gewachsener Hass auf Frauen, den er in einem 140-seitigen Manifest und mehreren YouTube-Videos vor seiner Tat dargelegt hat. Vor allem in den USA und Großbritannien bricht daraufhin eine Debatte über Frauenhass und Sexismus aus. Unter dem Hashtag #YesAllWomen – nicht alle Männer tun es, aber es kann alle Frauen treffen - berichten Frauen von ihren Erfahrungen mit sexueller Gewalt im Alltag. Juni
Ein Zeichen für die gestiegene Sensibilität in Bezug auf sexuelle Gewalt gegen Frauen: Am 19. Juni 2014 wird American-Apparel-Chef Dov Charney gefeuert,  weil gegen ihn zum wiederholten Mal Ermittlungen wegen sexueller Belästigung aufgenommen wurden. September
Gegen Ende des Jahres wird in den USA verstärkt darüber diskutiert, wie mit Vergewaltigungsvorwürfen umgegangen werden soll - sowohl an Universitäten als auch generell. Angeheizt wird die Debatte durch mehrere prominente Fälle von sexueller Gewalt. Die Studentin Emma Sulkowicz erreicht große mediale Aufmerksamkeit. Sie trägt die Matratze mit sich, auf der sie ihren Angaben nach von einem Kommilitonen vergewaltigt wurde, auf dem Campus der Columbia University. Solange der Täter noch nicht bestraft wurde, will sie ihre Aktion mit dem Titel „Carry that weight“ fortsetzen. Andere schließen sich ihrer Aktion an. Ein Resultat dieser Proteste: In Kalifornien wird das „Yes means yes“- Gesetz verabschiedet. Es besagt, dass Studenten an staatlichen Universitäten dem Sex eindeutig, also durch ein „Ja“, ein Nicken oder durch Näherkommen, zustimmen müssen - bisher wurde fehlender Widerstand bereits als Zustimmung gedeutet. Die Regierung will damit gegen sexuelle Gewalt an Universitäten vorgehen. Am 30. September 2014 veröffentlicht Lena Dunham ihr autobiographisches Buch „Not that kind of girl“. Darin beschreibt sie, wie sie als 19-Jährige von einem Mitstudenten sexuell missbraucht wurde. 
Oktober
Verbale sexuelle Belästigung steht aufgrund eines im Fokus der Medien. Ein Video zeigt Shoshana Roberts, die zehn Stunden durch die Straßen New Yorks geht und dabei mehr als 100 Mal in Form von Sprüchen sexuell belästigt wird. Das Video wird auf YouTube über 38 Millionen mal angeklickt. Mehrere Folgeclips zeigen ähnliche Versuche in anderen Städten. In , Neuseeland wird Model Nicola Simpson innerhalb von zehn Stunden nur zwei Mal von einem Mann angesprochen, wobei einer der beiden sie lediglich nach dem Weg fragt. Sängerin Kesha zeigt ihren Produzenten Lukasz Gottwald (Dr. Luke) wegen jahrelangen sexuellen Missbrauchs an. November
Ein Artikel des „Rolling Stone“ ruft im November weitere Kontroversen hervor. Er handelt von „Jackie“, einer Studentin der Universität von Virginia, die angibt, auf der Party einer Studentenverbindung von sieben ihrer Kommilitonen brutal vergewaltigt worden zu sein. Nach der Veröffentlichung des Artikels kommen Zweifel an Jackies Glaubwürdigkeit auf. Recherchen der „Washington Post“ und anderer Zeitungen stellen heraus, dass ihre Schilderungen Widersprüche enthalten. Außerdem werden seit November Vorwürfe gegen US-Fernsehstar Bill Cosby publik. Er soll mehrere Frauen vergewaltigt oder sexuell missbraucht haben. Dezember
Lady Gaga erzählte in einem Radiointerview, dass sie mit 19 Jahren von einem 20 Jahre älteren Mann, einem Musikproduzenten, vergewaltigt worden sei.

Text: franziska-deller - Foto: Screenshot

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