Partner von

Das "Kommando Tito von Hardenberg" infiltriert Polylux

Der Protagonist eines Beitrags der ARD-Sendung am Donnerstag war angeblich erfunden. Das Kommando "Tito von Hardenberg" behauptet, damit Fehler im Journalismus benennen zu wollen.
sascha-chaimowicz

Es klingt ein bisschen wie im Krimi. Die RBB-Sendung Polylux ist gestern Abend angeblich vom „Kommando Tito von Hardenberg“ infiltriert worden. Im Dienste der Aufklärung schleuste das Kommando einen V-Mann als Interviewpartner in die Sendung. Der V-Mann namens „Tim“ war im Beitrag zur „Alltagsdroge Speed“ der Hauptdarsteller. „Tim“ war ein übergewichtiger Speed-Junkie, der mithilfe der Droge abnehmen wollte. Den drogenabhängigen Speed-Junkie spielte „Tim“ allerdings nur, in Wirklichkeit sei er eine Erfindung gewesen, so jedenfalls behauptet es das „Kommando Tito von Hardenberg“. „Wir haben die plumpe Internetrecherche von Polylux zum Anlass genommen, die Legende des Speed-Patienten „Tim“ zu erfinden und zum Drehtermin ein kleines Schauspiel vorzuführen“, heißt es auf der Homepage des Kommandos. Dass ausgerechnet Polylux für die Rolle des Bösen herhalten muss, war wohl keine Absicht des Kommandos. „Polylux war zwar Ziel der Aktion, steht aber stellvertretend für weite Teile der Medienlandschaft, für die Recherche in erster Linie einen Kostenfaktor darstellt. Zentrale Bereiche des Journalismus werden an unterbezahlte Praktikanten ausgelagert, denen es aufgrund prekärer Arbeitsverhältnisse und des daraus resultierenden Drucks schwer möglich ist, ausreichend Zeit und Ressourcen in ihre Arbeit zu investieren“, so das Hardenberg-Kommando. Der Sprecher des RBB, Ralph Kotsch, hält es für möglich, dass die Begründung von „Tim“ und seinem Kommando nachgeschoben ist, um auf eine im Rausch entstandene Idee einen höheren, moralischen Impetus draufzusatteln. Nach Angaben des Sprechers habe „Tim“ auch hinter der Kamera Drogen genommen: „Er hat gekokst“, sagt Kotsch. Außerdem halte er es für möglich, dass die Meldung auf der Kommando-Webseite Teil des Fakes ist. Im Bekenner-Video äußert das Kommando Eckpunkte seines Manifests gegen den „boulevard-medialen Komplex“: Es geht unter anderem gegen Praktikantenausbeutung, schlechtes Fernsehprogramm und „die ganze andere Kacke“. Das Kommando gehört zu einer Gruppe, die sich „Hedonistische Internationale“ nennt. Kernsatz der Gruppe: Hedonismus ist kein Motor einer dumpfen, materialistischen Spaßgesellschaft, sondern eine Chance zur Überwindung des Bestehenden. Im Flashmob-Stil tourte die Gruppe tanzend durch Einkaufspassagen oder organisierte zu Beginn des Irakkriegs Pro-Krieg-Demos, um der Provokation willen.

Während Polylux die Videos zu sämtlichen Beiträgen der gestrigen Sendung online gestellt hat, nahm die Redaktion das „Speed“-Video aus dem Netz. Es ist nicht einmal mehr als Thema auf der Seite zu finden. Die Redaktion wird in einem Beitrag in der nächsten Sendung Stellung zu den Vorfällen nehmen. Hier findest du das Blog der Gruppe "Tito von Hardenberg". Hier kommst du zur Homepage der ARD-Sendung Polylux. Und hier wurde das Thema bereits im jetzt-Kosmos erwähnt.

Zur Startseite

Die besten Geschichten von jetzt -

täglichen Newsletter bestellen

oder auf WhatsApp abonnieren