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Die Anführerin der 150.000

Camila Vallejo tourt durch Deutschland. Die 23-Jährige ist das Gesicht der chilenischen Studentenproteste. Jetzt sollen auch wir von ihr lernen, wie man ein Land umkrempelt.
peter-wagner

Ist es für einen Protest hilfreich, wenn es eine Figur an der Spitze gibt, der alle von den Lippen lesen? Oder ist es für einen Protest der sichere Tod, wenn alles nur an einer Figur und deren Reiz hängt? Das sind schon mal zwei Fragen, die man bis zum 8. Februar Camila Vallejo stellen kann.

 

Camila Vallejo?

 

Und die hier:

Im vergangenen Jahr wurde nicht nur in den arabischen Ländern und in Russland und in der Wall Street demonstriert. In Santiago de Chile gab es Demonstrationsmärsche mit mehr als 150.000 Teilnehmern, zu denen sich Studenten zusammengefunden hatten. Sie forderten vor allem eine Reform des Hochschulsystems. Eine gute Universitätsausbildung bekommt seit der Diktatur von Augusto Pinochet in Chile nur, wer viel Geld investiert: Die Studiengebühren in dem südamerikanischen Land zählen angeblich zu den höchsten weltweit. Der Staat gibt verglichen mit anderen Ländern nur wenig Geld für das Bildungssystem aus. Die Studenten fordern deshalb unter anderem ein Recht auf kostenfreie höhere Bildung. Ein sehr aufschlussreicher Kurzfilm von Al Jazeera erklärt die Zusammenhänge Guardian erklärte Vallejo Anfang Januar, warum der Protest gerade von den Studenten ausgehe:

 

„It is always the youth that make the first move … we don't have family commitments, this allows us to be freer. We took the first step, but we are no longer alone, the older generations are now joining this fight.“

 

Sieht man sich die Auftritte der 23-Jährigen an, staunt man über die Souveränität und Sortiertheit. Hier zum Beispiel ein Auftritt bei einer Rede im Oktober:

Camila Vallejo wurde zum Covermädchen des Protests. Die Wochenzeitung DIE ZEIT zeigte sie auf dem Titel, die Leser des ]wählten sie kürzlich zur Person des Jahres 2011. Von einer „Kultfigur“, von der „Jeanne d’Arc der Anden“ undsoweiter war die Rede. Auch der „Che“-Vergleich fehlte nicht. Immerhin: Viele Lobeshymnen waren durchaus angebracht. Der Protest bewegte bald nicht nur die Studenten sondern das ganze Land: Die Bevölkerung war entsetzt, als Staatspräsident Sebastián Piñera Wasserwerfer und Tränengas gegen die Demonstranten einsetzen ließ. So bekamen die Studenten immer mehr Zustimmung und Unterstützung aus der Bevölkerung. Außerdem war der Protest immer wieder sehr kreativ und bediente sich ungewöhnlicher Mittel. Einmal tanzte eine ganze Demo zu Michael Jacksons Thriller:

Ein andermal  Die chilenische Regierung will angeblich nun mehr Geld in die Hochschulbildung stecken, mehr Studenten als früher sollen kostenfrei studieren dürfen. Die Studentenführer sind mit diesen Zugeständnissen freilich noch nicht zufrieden. Man müsse weiterprotestieren, heißt es. Die Chancen, dass zumindest ein ordentlicher Kompromiss erreicht wird, stehen aber nicht schlecht. Das Land, sagt Camila Vallejo, habe sich im vergangenen Jahr verändert. Ob es an ihr lag? Das kann man sie gerade selbst fragen. Auf Einladung der Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft und der Rosa Luxemburg Stiftung tourt Vallejo gerade durch Deutschland und erklärt, wie man einen Protest macht. Am Dienstag, 31. Januar, spricht sie an der Hamburger Universität. Am Mittwoch ist sie in Dortmund, am Donnerstag in Braunschweig, am Freitag in Bremen und später noch in München und Berlin. Alle Termine und das Programm der Rundreise finden sich hier.  

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