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Die dunklen Seiten der Mode

Zur nahenden Fashionweek gibt es hier für Modehasser und Lästermäuler eine Übersicht der Anti-Modeblogs, Branchenparodien und Gerüchteküchen im Netz.
mercedes-lauenstein

Wenn man sich Kunst und Kultur jetzt mal als Dorf vorstellt, in dem jedes Spezialgebiet ein eigenes Grundstück hat, dann wäre die Mode mit ziemlicher Sicherheit die Villa, deren makelloser Glanz die Passanten neidisch machte, hinter deren Fassade es aber gewaltig bröckelte: Psychosen, Neid, Gier, Missgunst und Ausbeute.

Spätestens seit dem Film

oder der Dokumentation

dürfte klar sein, dass die Modewelt nichts für zarte Gemüter ist. Welche Ausmaße des Irrsinns sie nun tatsächlich birgt oder nicht birgt, ist ein weites Feld, das hier nicht weiter diskutiert werden soll - Fakt ist jedenfalls: Glitzernde Branchen faszinieren, machen aber auch misstrauisch. Jeder Bruch in der Fassade ist willkommen. Und eh klar: Je mehr man etwas verteufelt, desto besser lästert es sich eben auch darüber. Und Lästern macht Spaß.

Am 15. beginnt in Berlin wieder für einige Tage die Modewoche. Wer von der glatten Fassade hübscher Modemagazine und -blogs jetzt schon gelangweilt ist, kann sich dem Thema auch auf anderem Wege nähern: Nämlich durch die Hintertür, direkt rein in den besagten Irrsinn hinter den Kulissen. Da wäre zum Beispiel das derzeitige Nummer Eins Gossip Girl der Modewelt, das tumblr-Blog Fashion Industry Confessions, auf dem angebliches Insiderwissen und gehässige Anekdoten aus dem Reich der Mode veröffentlicht werden. Hier erfährt man unter anderem: My family owns of the major factories in China that produce women's undergarments. You'll be surprised to know that the only difference between a Marks&Spencer Bra or a Victoria Secret Bra is the tag at the end of production.", oder: I read a lot of controversies about Karlie K.'s weight, she doesn't suffer from an eating disorder. I'm really close to the person who takes care her during Paris Fashion Week and thanks to her family support she stayed really positive, she just exercises a lot and rarely forgets to eat. Shes the healthiest model in the industry. Unlike Cara D."  Wer diese angeblichen Tatsachen eingereicht hat, ob sie stimmen oder ob der oder die Autorin des Blogs einfach nur aus einer immensen Langeweile heraus sich alle paar Tage ein neues Märchen ausdenkt, bleibt dabei ungeklärt. Die Antwort liegt vermutlich, wie so oft, irgendwo dazwischen. Sicher ist, dass das Blog eine Kollaboration zwischen H&M und Givenchy ankündigte und sich diese Information mittlerweile als unwahr herausstellte. Trotzdem ist das Blog mittlerweile zu großer Berühmtheit herangewachsen und hat bereits unzählige Fans, aber auch "Hater" gefunden, die Kommentare hinterlassen wie: You have gone incredibly and ridiculously stuck up with all your new found fame, being featured on well known fashion websites. If anything, you could wreck the fashion industry, there is a reason why their plans are PRIVATE. And don't give me any of your sassy shit. Just fucking grow up and accept the fact, that you have the power to wreck something important to me and my family. Fuck you."



Auf Twitter hingegen tauschen sich Models mittlerweile ganz offen und unter dem Hashtag #modelproblems über die Luxusprobleme, aber auch über wirkliche Probleme des Modelbusiness aus. Das Blog Fashion PR Girl Problems parodiert den Alltag von Beschäftigen in der PR-Branche und parodiert anhand kleiner .gif-Bildchen aus den unterschiedlichsten Kontexten, wie man sich in den unzähligen Arbeitssituationen des PR-Lebens fühlt. In Deutschland ist derweil gerade ein Blog entstanden, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Berliner Modeblogszene ins Lächerliche zu ziehen. Auf therealfaceofberlinblogging.tumblr.com  finden sich instagram-Bilder oder Blogfotos der bekanntesten Berliner Modeblogger wie Jessie von journelles.com, Frank von iheartberlin, Ari von primerandlaquer, Sarah und Nike von ThisisJaneWayne oder Katja Hentschel, die jeweils mit quatschigen Unterschriften untertitelt wurden.

Am 17. Januar erscheint zudem das Buch Confessions of a fashionista, in dem die Kolumnistin Angela Clarke von ihrer Zeit im Modebusiness erzählt, und davon, wie ihre Karriere zu bröckeln begann, als sie eines Tages aus gesundheitlichen Gründen keine High-Heels mehr tragen konnte: To begin with it wasn't an issue, I styled-out ballet shoes in the office. But soon people began to comment on my flat footwear at social events. It wasn't their fault, working in fashion conditions you to think (and dress) a certain way. It's part of your job."

Geschichten wie die letztere machen deutlich, dass Lästerblogs oder -kolumnen auch einen tatsächlichen Nutzen haben können. Einige ihrer Inhalte mögen übertrieben sein - aber sie stellen zumindest eines klar: Dass, je glänzender eine Sache ist, ihre Abgründe meist umso schmutziger sind. Auf dem in Seriösitätshinsicht zwar sonst eher zweifelhaften Blog Fashion Industry Confessions stehen neben Notizen der Sorte "Eine Freundin von meinem Freund hat xy beim Sex gesehen" beispielsweise auch kleine Gedankenstücke wie diese: "In our fashion company we get in-house PR statements that our brand was not involved in the fire in the tazreen fashion factory in bangladesh that killed more than 100 people. I know that we produce in the same kind of sweat shops and the same thing could happen to the workers that sew our products. It makes me sad that almost no big fashion blog cares and writes about the topic."

Was die Autorin oder der Autor hier schreibt, ist, egal von wie viel anderem Stuss umgeben, traurig, wahr und regt zum Nachdenken an. Und damit hat das Blog immerhin geleistet, was auch die besten Modeblogs immer noch nicht schaffen: Es sorgt für Irritation.

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