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Feldzug gegen Facebook

Zwei Italiener haben Daten und Bilder von Facebook-Profilen auf eine Dating-Website übertragen. Sie wollten damit zeigen, wie gefährlich es ist, persönliche Daten im Internet preis zu geben.
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„Natürlich war es eine große Provokation“, sagt Paolo Cirio im Gespräch mit jetzt.de. „In unserem Fall war das nur für künstlerische Zwecke, ein soziales Experiment. Wir wollen die Menschen darauf aufmerksam machen, nicht leichtfertig mit ihren Informationen umzugegen, denn genauso gut können Kriminelle die Daten stehlen und benutzen.“  


Auf Verlangen von Facebook abgeschaltet: Die Datingwebsite lovely-faces.com.

Was für Cirio und Ludovico Kunst ist, ist für Facebook illegaler Datenklau. Das Unternehmen hat einen Anwalt eingeschaltet, der den beiden Italienern eine Frist gesetzt hat: Bis spätestens 7. Februar sollte lovely-faces.com abgeschaltet werden. „Wir wussten zuerst nicht, wie wir reagieren sollten und haben mit einem Anwalt gesprochen. Seit 9. Februar ist die Seite offline“, erzählt Ludovico. „Das ist aber nicht unser Problem. Facebook möchte jetzt, dass wir auch die Seite abschalten, in der wir unser Projekt beschreiben. Dabei sind auf dieser Seite gar keine Daten von Facebook-Nutzern!“ Gemeint ist die Website face-to-facebook.com. Dort beschreiben die beiden Italiener, wie und warum sie die Nutzerdaten von Facebook gestohlen haben. „Das ist die Dokumentation unseres Projekts. Sie ist absolut legal. Wenn Facebook verlangt, dass wir diese Seite abschalten, ist das ein Angriff auf die Meinungsfreiheit “, empört sich Ludovico.  

Nicht nur Facebook ist sauer auf die beiden Italiener. Auch viele Facebook-Nutzer, deren Daten unwissentlich auf der Datingwebsite veröffentlicht wurden, beschwerten sich. Zwar handelte es sich bei lovely-faces nicht um eine wirkliche Partnervermittlung, aber ein Klick auf eine bestimmte Person führte direkt zu deren Facebook-Profil. „Wir wollten mit unserem Projekt niemandem schaden“, wiegelt Cirio ab. „Unsere Datingseite war bewusst nicht bei Google gelistet. Die Leute konnten sich nur finden, wenn sie das Projekt kannten. Und wenn ein Nutzer uns angeschrieben hat, weil wir sein Profil veröffentlicht haben, dann haben wir es innerhalb von einer Stunde aus dem Netz genommen.“  

Grund für das Projekt war vor allem, dass – wie Cirio findet – Facebook vorgibt, die Informationen von 500 Millionen Nutzern zu besitzen. „Ein einziges Unternehmen konzentriert damit so viel Macht. Das finden wir undemokratisch“, erklärt Cirio. „Wir wollen den Leuten klar machen, dass sie sorgsamer mit ihren privaten Informationen umgehen müssen und nicht alles veröffentlichen sollten.“ Dabei ist Facebook nicht der erste große Konzern, den Cirio und Ludovico ins Visier nehmen. Sie haben sich schon mit Google und Amazon künstlerisch befasst. Allerdings reagierten die beiden Unternehmen gelassener als Facebook. „Amazon hat gar nichts unternommen und Google hat uns zwar einen Brief geschrieben, ging aber nicht gegen das Projekt vor“, sagt Cirio.  

Die beiden Italiener prüfen jetzt, welche Möglichkeiten sie haben, sich gegen Facebook zur Wehr zu setzen. Nicht nur, damit sie ihre Seite nicht abschalten müssen, sondern auch, um wieder Zugriff auf ihre eigenen Facebook-Profile zu bekommen. „Es ist ja verständlich, dass sie unseren Account gesperrt haben“, räumt Ludovico ein. „Aber sie haben unsere Daten nicht gelöscht. Die Leute können uns jetzt weiterhin Nachrichten schreiben, auf die wir aber nicht mehr zugreifen können. Facebook denkt anscheindend, die Daten der Leute gehören auch Facebook, aber es sind unsere Daten und wir wollen selbst darüber bestimmen.“ Ob die beiden ihre Accounts löschen werden, falls sie wieder Zugriff bekommen, wissen sie noch nicht, sagt Ludovic. Schließlich wollten sie nur vor Facebook warnen und nicht zum Boykott aufrufen.

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