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Heilige Tauschbörse, Batman!

Warner Bros. startet im März einen Filme-Download-Dienst
timo-hetzel
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Warner Bros. Bisher hat sich keine der On-Demand-Videotheken wie T-Online Vision durch großen Erfolg ausgezeichnet. Es fehlte an aktuellen Inhalten und guten Benutzeroberflächen. Und vermutlich auch an der Bereitschaft für heruntergeladene Filme zu zahlen, denn im Internet lassen sich die meisten Titel ohnehin kostenlos, dafür aber illegal besorgen. Im ersten Halbjahr 2005 sind laut einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung 11,9 Millionen Filme in Deutschland heruntergeladen worden. Der Filmverleiher Warner Bros. Home Entertainment will jetzt die Filesharer mit ihren eigenen Mitteln ins kuschelige Boot der Legalität verfrachten: Im März startet ein Filme-Download-Dienst namens In2Movies, bei dem die Benutzer die Dateien offiziell tauschen dürfen - natürlich gegen Bezahlung. Gleichzeitig zum DVD-Release der Titel sollen die Filme auch online verfügbar sein. Zum Start von In2Movies sind unter anderem „Batman Begins“, „Charlie und die Schokoladenfabrik“, „Frau mit Hund sucht Mann mit Herz“, „O.C. California“, „Friends“ und „Harry Potter und der Feuerkelch“ geplant. Warner setzt auf das Windows Media Format und das damit verbundene Rechtemanagement. Das bedeutet: Nur Windows-PCs können die Filme abspielen, Mac- und Linux-Benutzer sind nicht erwünscht. Die bisherigen Video-On-Demand-Angeboten boten oft nur Briefmarken-Bildqualität und benötigten eine aktive Internetverbindung, über die die Daten live gestreamt werden. Bei Warners neuem Angebot wird die Filmdatei dauerhaft auf die Festplatte gespeichert, außerdem soll die Datenrate der einer DVD entsprechen und damit auch der Bildqualität einer DVD. Zum Vergleich: Ein Musikstück bei iTunes ist mehr als tausendmal kleiner. Damit verbunden sind erhebliche Kosten für die Übertragung und die nötige Infrastruktur in Form von Datenleitungen und Servern. Warner wälzt diese Last teilweise auf die Nutzer ab, die wie bei den bisherigen Peer-to-Peer-Diensten, die heruntergeladene Dateien häppchenweise an andere Nutzer weitergeben. Ein Teil des Films kommt z.B. vom zentralen Warner-Server, viele andere kleine Teile von Peers, also anderen Kunden. Der Computer setzt die verschiedenen Einzelteile dann wieder zum ganzen Film zusammen. Trotzdem soll die Datei kurz nach dem Start des Downloads abspielbar sein, eine entsprechende Breitband-Internet-Verbindung vorausgesetzt. Diese Tauschtechnik hört auf den schönen Namen GNAB und stammt von der Hamburger Firma Arvato Mobile. Die Filmdatei ist für jeden Nutzer gleich, allerdings in verschlüsselter Form und damit erst einmal nutzlos. Den Code zum Entschlüsseln gibt es nur gegen Bezahlung, individuell pro Nutzer, an den jeweiligen PC gebunden. In einer späteren Ausbaustufe des Dienstes kann man die Filme auch auf bestimmte mobile Player übertragen und auf DVDs brennen. Die Benutzer sollen eine Community bilden, können innerhalb des Warner-Angebots eigene Filmlisten erstellen, Filme bewerten und eben automatisiert tauschen. Für das Dateientauschen bekommen die Nutzer Credits, also Gratifikationen, die gegen Geld oder kostenlose Titel eingetauscht werden können. Das Angebot ist noch nicht fertig geplant, die Details zur Gratifikation und den Preisen stehen noch nicht fest, die Titel sollen aber auf jeden Fall billiger sein als die entsprechende DVD. Auch die genaue Ausstattung mit Tonspuren und Bonusmaterial scheint noch nicht endgültig entschieden zu sein. Die Frage ist jetzt, ob die Kunden diesen Dienst annehmen werden. Erinnerungen an den Online-Musikverkauf werden wach: Anfangs krankten die Dienste an der Technik und an der Auswahl, im letzten Jahr wurden in Deutschland aber schon über 21 Millionen Singles online verkauft. Apple und Google verkaufen in den USA bereits Fernsehsendungen für 1,99$. Alleine im iTunes Store gingen im letzten Quartal 2005 acht Millionen Videos über die virtuelle Theke. Hierzulande gibt es bislang nur Musikvideos zu kaufen. Bis In2Movies startet, kann man sich die Langeweile aber weiterhin mit DVDs und Video-Podcasts vertreiben.

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