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Hut auf!

Hast du schon eine Kopfbedeckung für den Winter? Wir sagen dir, was jetzt im Mützenregal blüht - und welche Haltungen du da mitkaufst. Eine Typologie
jetzt-redaktion


Das Cashmere-Beanie

Cashmere-Beanies sind ja mittlerweile so etwas wie die Chucks der Kopfbedeckungen. Das perfekte Beanie sitzt im Grunde wie eine Bademütze mit Stauraum nach hinten. Ihr Geheimnis: Das tierbabyweiche Material stattet sie mit einer irgendwie interessanten Kompaktlässigkeit aus. Richtig echt ist sie nur, wenn sie in einem gewissen skandinavischen Puristenladen gekauft wurde. Außerdem ist sie einer der wenigen Gründe, warum Jungs plötzlich gern mit in die Frauenabteilung kommen.

Was will man uns mit dieser Kopfbedeckung sagen? Eigentlich stehen mir Mützen ja gar nicht ...
Das sagt man in Wahrheit: ...aber mit der hier fühl' mich irgendwie so lässig-cool-chic wie sonst nur so Models nach der Show.
Wie kam es zum Kauf? Fand vermutlich nicht zum ersten Mal statt, denn das zarte Cashmere-Beanie leiert durch das unverhältnismäßig häufige Tragen (siehe unten) gern aus. Oder wird vom Partner geklaut. An der Kasse murmelte man seiner Shoppingbegleitung zu: „Haben ja jetzt mittlerweile echt alle, finde die aber trotzdem noch superschön und halt soooo weichhhhh!". Unbedingt wird hinterhergeschoben: „Nur, weil die gemerkt haben, dass die so gut gehen, hätten sie die halt nicht noch mal zehn Euro teurer als im letzten Jahr machen müssen, aber auch egal".
Das trägt man gern zu ihr: Das ist es ja: Alles! Immer! Das zarte Cashmere-Beanie ist nicht einfach eine Mütze, sie ist ein so genanntes, äh, Key Piece, das im Büro, auf der Party, beim Frühstück und auch bis weit in den Sommer hinein funktioniert.
Darauf freut man sich im Winter: Winter ist schon okay, muss man sich einfach so gemütlich wie möglich einrichten. Blöd ist halt, dass er sich dann gegen Ende doch immer so lange hinzieht.




Das Bart-Beanie  

Der (Schnurr)Bart-Schonlangenichtmehrtrend hat jetzt auch die Kopfbedeckungsbranche erreicht. Auf Facebook und YouTube amüsieren sich gerade alle über die Mützen mit ausklappbarem Strickmundschutz. Ja, haha, damit hat dann einen gestrickten Vollbart. Erinnert ein bisschen an die Schalmützen, die man als Kind ab -1°C tragen musste – und schrecklich gehasst hat. Weil man damit fast nichts gesehen hat. Weil man immer irgendwelche Flusen im Mund hatte. Und, weil man damit einfach scheiße aussieht.  

Was will man uns mit dieser Kopfbedeckung sagen? Hallo? Kann bitte mal wer lachen und was zu meiner Mütze sagen?
Das sagt man in Wahrheit: Ja. Ich finde dieses Moustache-Gedöns immer noch lustig.
Wie kam es zum Kauf? Der Käufer oder die Käuferin hat Beardo-Fotos auf Facebook geteilt und sich erinnert, wie lustig diese Mützen mit den orangefarbenen Kunsthaaren oben drauf waren, die man mit zwölf anhatte. Und: ab Ende November, weil man sie betrunken auf irgendeinem Weihnachtsmarkt gesehen hat.
Das trägt man gern dazu: sehr viel. Der Träger (oder auch die Trägerin – gleich noch lustiger mit Bart, haha) ist bestens auf die „kalte Jahreszeit“ (das kann er oder sie gar nicht oft sagen) vorbereitet. Eine dicke Daunenjacke, Ugg-Boots und Fäustlinge sind das Minimum. Darunter: Lagen-Look. Ab Oktober und auch bei Plusgraden.
Darauf freut man sich im Winter: tendenziell auf gar nichts (Scheiß-Wetter!), durch das Bart-Beanie aber immerhin auf ein paar Abende, an denen man alle mit Bart-Witzchen unterhalten darf.




Die Tussi-Bommelmütze  

Die Bommelmützen in diesem Winter haben keine normalen Woll-Bommel, sondern einen extra plüschigen Fell-Bommel. Der ziert mit Vorliebe feine Cashmere-Mützen und wackelt noch lustiger hin und her. Und sieht einfach supersüß aus.  

Was will man uns mit dieser Kopfbedeckung sagen? Die hat mir meine Mütze nachgekauft. Und die auch. Und die auch! Aber an mir sieht sie viel besser aus!
Das sagt man in Wahrheit: Ist der Bommel noch da? Ja. Ja? Ja!
Wie kam es zum Kauf? Bei einem Mantelkauf kann man ja noch verstehen, dass man sich eine beratende Begleitung zum Kauf mitnimmt. Immerhin muss man in dem Teil dann den ganzen Winter rumlaufen. Bei der Fellbommelmütze erfordert der Kauf auch unbedingt Beratung - und wird darum weit im Voraus geplant, schon am August, wenn man den Trend schon auf Mode-Blogs und in den ersten Modemagazinen entdeckt hat. Schließlich gibt es viel zu entscheiden: Welche Farbe soll die Mütze haben? Welche Farbe der Bommel? Und passt das alles zu meinem Lidschatten?
Das trägt man gern dazu: den kurzen Daunenmantel. Oder den schwarzen Eggshape-Mantel mit Kapuze. Oder den geometrisch geschnittenen, puderfarbenen Wollmantel. In der Handtasche ist noch eine Ersatzmütze, falls man plötzlich doch einen anderen Farbakzent setzen will.
Darauf freut man sich im Winter: auf Schlittschuhlaufen, Crêpes auf dem Weihnachtsmarkt, und überhaupt, Weihnachten und Geschenke und Glühwein. Und aufs Herumspielen am Fellbommel. Hach, eigentlich auf alles. Nur nicht auf die Frisur unter der Mütze.




Die Skatermütze

Die Skatermütze taugt durch ihren überdicken Stretchstoff hervorragend zum ganz tief ins Gesicht ziehen und gegen die Kälte gewappnet sein. Umso fragwürdiger ist, wieso sie von Jungs und Mädchen mit senfgelben Hochkrempelhosen und Musterprintblusen trotzdem stets wie eine lose Kochmütze auf dem Kopf herumbalanciert wird. Insider der Ich-bin-so-2012-Clique wissen: Etwa ¾ der Mützenmasse muss unausgefüllt über dem Scheitel in die Luft stehen und so einen gewissen Unbeholfenheitscharme etablieren.

Was will man uns mit dieser Kopfbedeckung sagen? Huch, die Mütze is'n'bisschen groß, aber ich hab mir halt nur mal schnell was übergeworfen, Sommer ist ja vorbei und ich bin halt auch immer so verplant, du kennst mich ja.
Das sagt man in Wahrheit: Boah, das nervt, ich hab immer das Gefühl, die fliegt gleich runter.
Wie kam es zum Kauf? Der oder die Trägerin wollte eigentlich nur auschecken, was die neue Boutique um die Ecke namens „Three of a kind" so taugt, als ihm einfiel, dass er eigentlich noch keine Mütze für diesen Winter hat. „Hm" sagte er, die steif von seinem Kopf nach oben ragende Mütze im Spiegel betrachtend „sieht irgendwie ein bisschen komisch aus". „Das gehört so", näselte dann der Vollbart-Mann hinterm Tresen, „eigentlich kannst du die sogar noch ein bisschen höher ziehen, richtig up in the air damit, Skaterstyle meets scandinavian chic, weißte, Carharrt, Apparel und so, alle fahren sie jetzt wieder die Schiene."
Das trägt man dazu: Den grünen Parka, durch den es immer ein bisschen pfeift. Aber wofür hat man Strickpullis mit buntem Muster?
Darauf freut man sich im Winter: Naja "Freude" ist jetzt auch wieder so ein großes Wort. Eigentlich nur darauf, dass er wieder vorbeigeht. Der Winter ist ja immer gleich so'n Commitment.




Das Strick-Stirnband

Hier präsentiert sich ein totgeglaubter Sommertrend, der Hausfrauenknoten, in wintertauglichem Gewand. Er ermöglicht modebewussten jungen Damen die Konservierung des heißgeliebten Dutts und verhindert dabei kalte Ohren. Oft selbstgestrickt oder zumindest (!) Second-Hand erworben, verziert das dicke Strickstirnband besonders alternativen Großstädterinnen den Kopf. Zugezogenen dient es als Trendindikator für angesagte Stadtviertel.

Was will man uns mit dieser Kopfbedeckung sagen? Mein Haarknoten gehört mir! Da lass ich mir von Minusgraden erst recht nichts vorschreiben.
Das sagt man in Wahrheit: Viel zu Mainstream, so ne olle Wintermütze. Aber kalt ist mir ja irgendwie schon...
Wie kam es zum Kauf?: Zum Kauf?! Ihr gestricktes Winterglück fand die Trägerin beim Durchstöbern von Etsy und hat es dann natürlich selbst gestrickt. Im Idealfall half Oma bei der Kreation.
Das trägt man gern dazu: Röhrenhosen, kurze Stiefel. Oversize-Mantel von Mama, dicker Schal.
Darauf freut man sich im Winter: Endlich wieder Deerhunter und Bon Iver hören und dabei warmen Club-Mate trinken.




Die Norwegermütze

Die Norwegermütze ist eigentlich eher eine Jungsmütze, die jedes Jahr wieder als Kapitän unter den Mützen im Regal liegt und so was grummelt wie: „Ich war zuerst da und werde überdauern, kauft mich oder kauft mich nicht." Es gibt sie mit oder ohne norwegischer Flagge am Rand, man findet sie im Edelkaufhaus, in der Fußgängerzone, auf dem Flohmarkt, bei Opa im Gartenschrank und sogar in der Straßenarbeiterabteilung des Baumarkts neben den gelben Gummistiefeln.

Was will man uns mit dieser Kopfbedeckung sagen? Habe eine Mütze auf. Dunkelblau, mittelgrober Strick, ist doch ein okayes Ding, oder?
Das sagt man in Wahrheit: Irgendeine Mütze braucht man ja. Die behalt' ich jetzt gleich erstmal ein paar Jahre.
Wie kam es zum Kauf? Unterwegs gewesen, irgendwie kalt um die Ohren geworden, in den nächsten Laden, der nach Mützen aussah rein und zack, nach dem tiefblauen Klassiker gegriffen. Falls Begleitung, dann vielleicht noch ein paar andere angezogen und schließlich bei der Norwegermütze hängen geblieben. Mit den Worten: "Tja, da sieht man mal wieder: Klassiker bewähren sich"
Das trägt man dazu: Jeans oder Cordhose, Wollmantel oder zerknitterte Wachsjacke.
Darauf freut man sich im Winter: Vielleicht einfach mal wieder Schlittenfahren.




Die Russen-Pelzmütze  

Bis vor zwei Jahren ist man mit diesen Pelzdingern vielleicht noch aufgefallen. Und das schon nicht positiv (außer, man ist 82). Inzwischen findet man die Ivan-Rebroff-Gedächtnismützen einfach überall. Was sie auch nicht hübscher macht.  

Was will man uns mit dieser Kopfbedeckung sagen? Die rätseln bestimmt alle, auf welchem Flohmarkt ich dieses Teil gefunden habe. Dabei ist sie von H&M, hihi.
Das sagt man in Wahrheit: Wenn ich mich unauffällig bücke, verlier ich sie dann einfach?
Wie kam es zum Kauf: Im besten Fall ist die Pelzmütze wirklich ein Erbstück. Viel wahrscheinlicher ist, dass der Kauf spontan war. Weil es schweinekalt war und es die einzige Kopfbedeckung war, die die nette Frau am Weihnachtsmarktstand im Angebot hatte. Aus gutem Grund.
Das trägt man dazu: den khakifarbenen Parka, mit dem er oder sie ebenso auffällt wie mit der Fellmütze.
Darauf freut man sich im Winter: Glühwein! Ab der dritten Tasse braucht man nämlich keine Mütze mehr.

Text: jetzt-redaktion - Texte: Kathrin Hollmer, Sina Pousset, Mercedes Lauenstein; Illustrationen: Vi Pham

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