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I fought the law

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Bilder: Pepsi Spricht man über den Superbowl, sollte folgende Anekdote nicht fehlen: In amerikanischen Großstädten bricht in der Halbzeitpause des Football-Finales beinahe gewohnheitsmäßig das Kanalisationssystem zusammen, weil zu viele der 90 Millionen Zuschauer synchron das WC aufsuchen. In Wahrheit sind die Folgen des Superbowls natürlich global: Eine Milliarde Menschen sitzen auf der ganzen Welt vor dem Fernseher, eine Milliarde Menschen gehen am Super-Sonntag zwischen 1.45 Uhr und 2.15 Uhr MEZ auf die Toilette - ein gleichgeschalteter Welt-Stoffwechsel. The World comes together. Wunderbar. Football ist der perfekte Fernsehsport. Nie dauert eine Spielszene länger als zehn Sekunden. Dann kommt eine Pause. Genug Zeit für Werbung. 130 Spots werden im amerikanischen Fernsehen während der Übertragung gesendet. Und das Football-Finale dient auch als Leistungsschau der Werbebranche. Großkonzerne wie AT&T, Coca-Cola oder General Motors produzieren spezielle Werbespots für den Super-Sonntag. (Einer Studie des Bostoner Umfrageinstituts Eisner Communications zufolge sitzen elf Prozent der Zuschauer nur wegen der Werbung vor dem Fernseher.) Und am nächsten Tag lässt die Tageszeitung USAToday dann abstimmen, welcher Spot am besten gefallen hat. Wer gewinnt? New England oder Carolina? Pepsi oder Cola? Es sind alles gute Mannschaften. Großer Favorit in diesem Jahr ist Pepsi. Der Getränkekonzern castete für einen Werbespot sechzehn vorbestrafte Jugendliche. Zum Beispiel Annie Leith, 14, aus Santa Barbara, Kalifornien, die 950 Songs aus dem Internet herunter lud, dafür von der RIAA verklagt wurde und 3000 Dollar Strafe zahlen musste. Kein pickeliger Nerd, sondern Cheerleader-Material. Am Ende des Werbespots hält Annie die Dose in die Kamera und sagt: „Man kann immer noch Musik umsonst runterladen.“ Und dazu spielt Greenday eine Coverversion des Bobby Fuller Four Hits „I Fought the Law”. Hinter dieser Fassade aus zivilem Ungehorsam versteckt sich eine virtuelle Fusion der größten US-Konzerne. Pepsi verteilt 100 Millionen Gutscheine, mit welchen man auf der Internet-Plattform iTunes (Apple) kostenlos einen Song runterladen kann, und stellt sich damit auf die Seite des von der Industrie vergewaltigten Konsumenten. Rekapitulieren wir: Die Industrie verklagt Minderjährige, lässt sie Strafe zahlen und macht die Teenager dadurch und danach zu Werbestars, im Dienste der guten Sache und der schwarzen Zahlen. Dazu zerdudeln ein paar Pop-Punker einen Klassiker der Bürgerrechtsbewegung. „I fought the law”, heißt der Song. Wie geht es noch einmal weiter? „And the Law won.”

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