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Sprechblasen-Pop: Interview trifft auf Comic

Interviews müssen nicht immer im bekannten Frage-Antwort Spiel ablaufen. Der Comicband „Inter View - Pop Comics“ bringt das Beste aus zwei Welten auf einen gemeinsamen Nenner: Skurrile Anekdoten von Musikern und ordentliche Comic-Kunst zum Anschauen.
markus-koebnik

Musik und Comics können irgendwie gut miteinander. Egal ob bei der Gestaltung von Plattencovern, bei abgedrehten Filmprojekten wie dem Beatles-Streifen „Yellow Submarine“, bei Musikvideos der Gorillaz oder bei eigenen Heftreihen wie dem Comic der Band „Kiss“. Der Zeichenstift klemmt sich eben gerne an die Gitarre ran. Und umgekehrt: Die vielleicht schönste Begleiterscheinung des Pop, das Interview, wird jetzt auch mit Hilfe von Bildern und Sprechblasen abgebildet und bekommt so einen ganz eigenen Charme.

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Der Band „Inter View - Pop Comics“ erscheint jetzt zum zweiten Mal und beruht auf einer einfachen wie genialen Idee, wie Comiczeichner Christopher Tauber weiß: “Die Idee stammt von meinem Freund Helge Arnold, der viele Musiker interviewt hat und dabei den visuellen Aspekt vermisst hat. Fotos waren ihm einfach zu wenig.“ Deshalb nahm er Tauber eines Tages spontan zu einem Interview mit den Sportfreunden Stiller mit. Beim Gespräch zockten alle am Tischkicker. Christopher Tauber sollte daraus dann einen Comic machen: „Das hat funktioniert und war für mich aufregend und inspirierend.“ Die Idee war geboren und der erste Band „Inter View - Pop Comics“ entstand. Für die zweite Ausgabe musste Christopher Tauber einen neuen Partner finden, der möglichst viel aus den Musikern rausquetschen sollte. Er wurde beim Musikjournalisten Jörg Scheller fündig und bewaffnet mit Skizzenblock und Aufnahmegerät gingen die beiden an die Arbeit.

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Die 22 Comic-Geschichten, die aus dieser Zusammenarbeit entstanden sind und jetzt in „Inter View - Pop Comics“ zusammengefasst wurden, sind so unterschiedlich wie die 22 Bands und Musiker, die darin vorkommen. Das musikalische Spektrum ist weit. Es reicht von der Mediengruppe Telekommander bis zu Lemmy von Motörhead. Im Vorwort heißt es „Ob Überpop oder Underground, hier zählen weder Szenegrenzen noch Pole Positions. Hier geht es vielmehr darum Interviews auf ungewohnte Weise zu inszenieren.“ Und das werden sie auch. Die Geschichten behandeln Szenen, Rückblicke und Abgründe. Schlicht gesagt ist in den kurzen Episoden alles möglich. Während viele Geschichten dem klassischen Interview verhaftet bleiben, nehmen sich andere die Freiheit, eigene Plots daraus zu spinnen. Eine Geschichte führt die Quarks nach Hochiminh-City, wo Frontfrau Jovanka von Willsdorf einen surrealen Auftritt als erste deutsche Sängerin in der vietnamesischen Fernseh-Show „Friendship Melody“ hat. Farin Urlaub von den Ärzten hingegen verwandelt sich ein paar Seiten weiter in einen Zombi, der nur mit Hilfe von krachenden Powerchords zurückverwandelt werden kann. Matthew Caws von Nada Surf erzählt von einer sehr persönlichen und bewegenden Familiengeschichte im verregneten London. Christopher Taubers cartoonhafter Zeichenstil passt gut zur Klischee-Vorstellung von Pop, ohne ihn dabei lächerlich zu machen. Einige Geschichten im Heft sind aber auch von Gastzeichnern verfasst, was „Inter View - Pop Comics“ einen zusätzlichen Reiz gibt. Zeichner wie Jule K. oder Mawil interpretieren die Musiker-Anekdoten in ihrem eigenen Stil. Und das ist gut so. Egal ob in Farbe oder schwarzweiß - die fertigen Comicgeschichten kommen auch bei den porträtierten Bands gut an, erzählt Tauber: „Henry Rollins hat seine Geschichte nach einem Spoken Word Auftritt zu sehen bekommen. Sein Kommentar: "That seems to be pretty good work." Die Begeisterung für das ungewöhnliche Projekt endet aber nicht mit den gezeichneten Geschichten. Das Elektro-Duo Saalschutz hat es sich nicht nehmen lassen, für die Release-Party des Heftes aus der Schweiz einzufliegen und einen exklusiven Gig in Frankfurt zu spielen.

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„Inter View - Pop Comics“ traut sich was. Zwar können nicht alle Geschichten ausnahmslos überzeugen, aber können das etwa alle vorgestellten Bands? Comic-Fans können sich auf jeden Fall über eine Neuerscheinung freuen, die zusätzlich noch mit einer beiliegenden CD ausgestattet ist, auf der einige Bands aus dem Album in einem spannend zusammengestellten Sampler zu hören sind. Musikfreunde bekommen im Gegenzug eine Pop- CD mit einem etwas anderem Booklet. Für beide Lager ist auf jeden Fall etwas dabei, wenn Gitarre und Zeichenstift mal wieder gemeinsame Sache machen. „Inter View – Pop Comics“ von Jörg Scheller und Christopher Tauber, 128 Seiten, erscheint bei der Ehapa Comic Collection mit einer beiliegenden Audio-CD und kostet 13 Euro. Cover: Ehapa

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