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Unsre Schulen werden nur besser, wenn die Lehrer besser werden

Die Berater von McKinsey haben sich das Bildungswesen in den PISA-Streberstaaten angeschaut und rausgefunden: Schüler werden nicht besser, wenn man mehr Geld ins Bildungssystem pumpt; sie werden auch nicht besser, wenn man das Bildungssystem ändert. Sie werden nur besser, wenn sie super Lehrer bekommen. Klingt als Fazit simpel, ist aber doch neu.
peter-wagner

Was ist das Geheimnis guter Bildung? Die Großbritannien-Abteilung des Beratungsunternehmens "McKinsey" hat eine Studie gemacht, in der steht, dass Bildung nur so gut ist wie die Lehrer, die sie vermitteln. Klingt wie ein Allgemeinplatz, wird aber zu einer neuen Erkenntnis, wenn man sich ein paar Dinge durch den Kopf gehen lässt. Laut dieser Studie hat Australien seit 1970 die Bildungsausgaben je Schüler nahezu verdreifacht und in den USA wurden sie seit 1980 verdoppelt - dennoch schneiden beide Länder in einschlägigen Bildungstests heute nicht besser ab als früher.

Das Titelblatt der McKinsey-Studie, die kürzlich erschien. Die zwei Verfasser der Studie – einer war früher mal Berater von Tony Blair – schauten sich also die Spitzengruppe des PISA-Tests noch einmal an und wollten wissen: Wie kommt gute Bildung zustande? Mit einer planlosen Erhöhung des Bildungsbudgets scheint es nicht getan zu sein. Hat es mit der Gliedrigkeit der Schulsysteme zu tun? Es heißt ja immer, Finnland sei so super wegen der kleinen Klassen und dem eingliedrigen Schulsystem, in dem keiner benachteiligt wird. Dann ist man aber schnell irritiert, wenn man sieht, dass Singapur ein viergliedriges Schulsystem hat und trotzdem saugut in den Tests abschneidet. An der Gliederung liegt es also vielleicht auch nicht. Vielleicht gehen die erfolgreichen Schüler länger in die Schule und lernen einfach mehr und man sollte Ganztagsschulen überall einführen? Da zucken die McKinseys mit den Schultern und weisen darauf hin, dass die Schüler in Finnland morgens später in die Schule gehen und außerdem auch früh nach Hause kommen. Der schiere Umfang der Lernzeit ist wohl auch nicht der Schlüssel zu besserer Schulbildung. Was dann? Die Berater wälzten alte wissenschaftliche Arbeiten und fanden den Hinweis auf einen Versuch, der mal in den USA gemacht wurde. Ein mittelmäßiger Schüler bekam dort einen super Lehrer, ein anderer, ebenso mittelmäßiger Schüler bekam einen schlechten Lehrer. Im Ergebnis fand sich der Schüler mit dem guten Lehrer irgendwann unter den besten 10 Prozent seines Jahrgangs wieder. Der andere hingegen rutschte in den unteren Durchschnitt. "Lehrer" muss ein begehrter Beruf werden Und da wurden die Berater hellhörig und schauten nach, ob an der Lehrerausbildung von Staaten mit guten PISA-Ergebnissen irgendetwas anders ist. In Singapur, so fanden sie heraus, werden zum Beispiel von 100 Bewerbern gleich nur die besten 20 in die Lehrerausbildung gelassen. Und in Südkorea können, sehr verkürzt ausgedrückt, nur die besten fünf Prozent der Lehramtsstudenten auch Grundschullehrer werden. Entsprechend angesehen ist man dort als Grundschullehrer. Die Studienschreiber folgern daraus, dass es für gute Bildung vor allem motivierte Lehrer braucht.

Ein Auszug aus der Studie, in der die Autoren zeigen, wie streng in Finnland und Singapur Lehrer in mehrstufigen Verfahren ausgesiebt werden, ehe sie etwa zu Grundschülern ins Klassenzimmer dürfen. Die Stude ist über den Link am Ende dieses Textes zu erreichen. Aber dann mussten sich die beiden Autoren der Studie nochmal wundern, weil sie feststellten, dass Lehrer in den PISA-Loser-Staaten sehr oft und sehr schnell sich selbst überlassen bleiben. In den Bildungsstreber-Staaten Finnland oder Singapur ist das anders. Singapur verdonnert seine Lehrer zu etwa 100 Stunden Fortbildung je Schuljahr, in Finnland müssen die Damen und Herren Pädagogen mindestens einmal in der Woche nachsitzen und sich fortbilden. In dieser Zeit werden etwa gemeinsame Unterrichtsstunden geplant oder man besucht sich gegenseitig in den Stunden. Die McKinsey-Berater zitieren aus einem älteren Artikel, wenn sie schreiben, dass ein super Lehrer in den USA, wenn er in den Ruhestand geht, seinen ganzen Erfahrungsschatz mitnimmt. In Japan sei das anders: Da hinterliessen die Lehrer ihren jüngeren Kollegen ein ganzes Erbe. Heisst: Für gute Schulausbildung braucht es gute Lehrerfortbildung. PISA-Studienleiter Andreas Schleicher von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) hat das Vorwort zu der McKinsey-Studie geschrieben und die Verfasser gelobt. Mehr noch, er sagt, dass dieser Report Bildungspolitikern in aller Welt nur eine Hilfe sein kann: Für eine bessere Bildung muss vielleicht gar nicht das bestehende Schulsystem umgeschubst werden. Für eine bessere Bildung muss man sich den Lehrern widmen. Dass das nicht zwingend teuer sein muss, zeigt wieder Singapur. Unter den 30 Ländern, die der OECD angehören liegt Singapur in Sachen „Ausgaben für das Grundschulwesen“ nur auf Platz 28. +++ Die Studie "How the world´s best-performing school systems come out on top" ist hinter diesem Link nachzulesen und, nebenbei bemerkt, für eine Studie recht attraktiv aufgemacht.

Text: peter-wagner - Fotos: Screenshots

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