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Weihnachtssong 2009: Killing in the Name

Eine Facebook-Gruppe hat die britischen Charts gekapert. Ausgerechnet kurz vor Weihnachten. Die Geschichte eines groß angelegten musikalischen Hacker-Angriffs
dirk-vongehlen

Es gibt vermutlich keinen Ort, an dem sich heute so viel gute Laune sammelt wie im Gästebuch der Facebook-Gruppe RAGE AGAINST THE MACHINE FOR CHRISTMAS NO.1. Hier nahm die ungewöhnliche Idee ihren Anfang und hier treffen sich jetzt - da die Meldung offiziell ist - alle, die sich mit den Initiatoren freuen. Es ist tatsächlich geglückt, der Song "Killing in the name" aus dem Jahr 1992 ist der britische Weihnachts-Hit 2009.

Screenshot des Facebook-Gästebuchs der Weihnachts-Hacker. In Großbritannien gilt es als etwas Besonderes, zum Fest die Charts anzuführen. In den vergangenen Jahren schien dieser Platz aber fest in der Hand von "X-Factor"-Gewinnern. Die Castingshow, die Deutschland sucht den Superstar entspricht, schickte Leona Lewis, Leon Jackson und Alexandra Burke an die Spitze der Weihnachtscharts und alle Hörer, die keine Lust auf Casting hatten, in den Wahnsinn.

Das Cover des Rage Against The Machine-Albums aus dem Jahr 1992, auf dem auch "Killing in the Name" zu finden ist. Vor allem Jon Morter aus Essex im Südosten Englands ärgerte sich über die Casting-Dauerpräsenz. Er startete die Kampagne und glaubte es erst nicht, als der britische Guardian anrief, um ihn nach seiner Reaktion auf den positiven Ausgang zu befragen: "Wenn genug Leute mitmachen, kannst du die Machtverhältnisse umdrehen", sagte der 35-Jährige, der gelegentlich als DJ arbeitet. Schon im vergangenen Jahr hatte er gemeinsam mit seiner Frau versucht, die Weihnachts-Charts zu beeinflußen. Damals probierte Jon den Chart-Hack mit dem 80er Jahre Song "Never Gonna Give You Up" von Rick Astley. Dass er in diesem Jahr mehr Erfolg hatte, lag unter anderem am britischen Komiker Peter Serafinowicz. Der hatte in seinem Twitter-Account seine fast 300.000 Leser aufgefordert, den Rage Against The Machine-Song runterzuladen. Das ist nämlich das Besondere an diesem Weihnachts-Erfolg: Die Rage Against The Machine-Single erreichte die Spitze der Charts ohne eine einzige verkaufte CD. Der Song brachte es auf rund 500.000 Verkäufe - über Downloads.

Die Band "Rage Against The Machine" bei der Grammy Verleihung 1997. Zack de la Rocha steht ganz rechts. (Foto: AP) Nicht nur die Fans der Facebook-Gruppe freuen sich jetzt. Auch Zack de la Rocha reagiert überrascht. Zack ist der Mann, der in dem Song so unweihnachtlich "Fuck you, I won't do what you tell me" ins Mikrofon brüllt. Der Rage Against The Machine-Frontmann ist jetzt auch der Sänger des Weihnachtshits 2009. Der 39-Jährige, der mittlerweile (auch) in der Band One Day as a Lion spielt, lobte im Gespräch mit der BBC die "unglaubliche Graswurzelkampagne" und bestätigte: "Wir sind absolut begeistert." Man kann es verstehen, denn nebem dem Spaß, den diese Aktion den Menschen bringt, die keine Lust auf Castingshows und deren Chart-Präsenz haben: Zack und Rage Against The Machine bringt der Spitzenplatz öffentliche Aufmerksamkeit und jede Menge Geld. Davon profitiert übrigens auch Zacks Plattenfirma. Die hat - und das ist die Ironie an der Geschichte - auch [link=http://www.joemcelderry.org.uk/" target="_blank">Joe McElderry unter Vertrag. Das ist der Mann, der heute als einziger nicht ganz so gute Laune hat. Der 18-Jährige aus South Shields ist der diesjährige Gewinner der X-Factor-Staffel und war eigentlich vorgesehen für die Chart-Spitze an Weihnachten. Doch sein Song

(übrigens ein Miley Cyrus Cover) verkaufte sich rund 50.000 mal weniger als der neuen Nummer-1-Hit ]Gruppe[/link] begrüßt werden, an die bei der Erstveröffentlichung des Songs sicher niemand gedacht hatte. Rage Against The Machine haben jetzt einen Weihnachts-Hit - genau wie die Spice Girls (1996, 97, 98), Robbie Wiliams (gemeinsam mit Nicole Kidman 2001), die Pet Shop Boys (1987), Michael Jackson (1995), Queen (1991) und die Beatles (1963, 64, 65). Herzlichen Glückwunsch!

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