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Schöner onanieren

Illustration: karen-ernst Es gibt eine schöne Geschichte in dem Kinderbuch „Von Pechvögeln und Unglücksraben“ von Martin Auer.
moritz-baumstieger
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Illustration: karen-ernst Es gibt eine schöne Geschichte in dem Kinderbuch „Von Pechvögeln und Unglücksraben“ von Martin Auer. Ein Junge, der so langsam ins Erwachsenen-Alter kommt, macht da jeden Abend etwas. Etwas, das ihm viel Spaß macht. Etwas, über das er aber mit niemanden reden kann. Schließlich kann er ja morgens am Frühstückstisch schlecht seinen Eltern sagen: „Gestern vorm Einschlafen, da habe ich noch so richtig schön ge... “. Das wäre ihm peinlich. Der Junge vermutet zwar, dass nicht nur er dieses „Etwas“ vor dem Einschlafen macht. Aber sicher weiß er das auch nicht, deshalb kommt er sich komisch vor. Der Autor kann den Jungen dann aber beruhigen: Opa macht es, Mama macht es, Papa macht es, die Schwester, die Nachbarn und selbst die Lehrer machen es auch. Um was es geht? Na darum, Abends den Dreck zwischen den Zehen heraus zu popeln und aus ihm Kügelchen zu drehen. Natürlich denkt der Leser die ganze Zeit an ein anderes „Etwas“. Und natürlich machen das auch alle. Aber woher weiß man eigentlich, wie das geht? Man bringt sich das eben selbst bei. Irgendwie. Intuitives sensorisches Lernen, sozusagen. Schlüpfriges im Skilager, Beruhigung in der BRAVO Bestenfalls gibt es im Zelt- oder Skilager in der Unterstufe ein paar schlüpfrige Gespräche, in denen die einen mit ihrem Halbwissen prahlen und die anderen ein paar drängende Fragen loswerden können. Dazwischen viel Gekicher. Aber sonst ist wenig zu erfahren. Über nur zum Teil kontrollierbare körperliche Regungen wird ähnlich viel gesprochen, wie über eine nur zum Teil kontrollierbare Blase: Gar nicht. Und auch das Gewissen verhält sich beim Thema „Etwas“ in jungen Jahren ähnlich wie bei unkontrollierbaren Blasen: Man schämt sich, wenn es jemand mitkriegt. Zum Glück beruhigt dann Dr. Sommer das Gewissen. Onanieren macht nicht blind, schädigt nicht das Rückenmark, ist keine Ursache von Haarausfall. Nach 1000 Schuss ist auch nicht Schluss. Im Gegenteil, wer onaniert, lernt seinen Körper kennen. Hat deshalb besseren Sex, weil er seinem Partner mitteilen kann, was genau ihm Spaß macht. So weit, so gut. Doch eine „Gebrauchsanleitung Unterleib“ legt Herr Sommer seiner Zeitschrift auch nicht bei. Bleibt also das Ausprobieren. Eine prima Beschäftigung, wenn es langweilig ist. Wie ist es am schönsten? Auf dem Bauch, auf der Seite oder auf dem Rücken liegend? Im Sitzen, im Stehen, kopfüber? Mit einem, zwei, drei oder Fingern? Einhändig oder zweihändig? Laut, leise, mit Musik? Mit Gleitmittel, Creme oder Spielsachen? Läuft der animierende Film im Fernsehen oder nur im eigenen Kopf? Es gibt viel auszuprobieren, wenn die Nächte lang und einsam sind. Lange einsame Oldenburger Nächte In Oldenburg scheinen die Nächte sehr lang und sehr einsam zu sein. Hier wohnt ein Mensch, dem Onanieren gar kein bisschen peinlich ist. Der im Gegenteil viel Spaß mit sich und in Folge dessen auch sehr viel Wissen über Möglichkeiten und Techniken der Selbstbefriedigung zu haben scheint. Und mit seiner Internetseite schoener-onanieren.de ein lustig bebildertes „Do it yourself“-Handbuch fürs „do it your self“ geschaffen hat. Welcher Junge kennt schon den Stuhlsex? Den Badewannenreiber? Die Eierschaukel und den Trekki-Gruß? Welche Frau kennt den Flug? Den Whirlpool? Den Oberschenkel-Orgasmus und den Klitoris-Klopfer? Eben. Das und noch viel mehr präsentiert dieser selbstlose Mensch in anschaulichen Strich-Zeichnungen und Handlungsanweisungen, auf dass jeder seinen Höhepunkt auf verschiedenerlei Arten und Weisen erlangen kann. Wer ist eigentlich der Bestimmer? Stellt sich nur die Frage: Braucht man das? Soll man sich wirklich zehn Minuten auf seine Hand setzen? Damit es sich dann für einige Minuten so anfühlt, als wäre es eine fremde Hand, die da herumspielt? Soll man sich wirklich Honig auf die Eichel schmieren, um intensivere Gefühle zu erleben? Wem es Spaß macht, dem soll es Spaß machen, solange kein Anderer davon beeinträchtigt wird. Auch wenn Autoren von Standardwerken wie „Joy of Sex“ oder unserer Online-Onanier-Fibel beanspruchen, darüber besser bescheid zu wissen, als jeder Normalsterbliche: Wie genau guter Sex geht – ob mit einem Partner oder halt nur mit sich selbst – die Definitionshoheit sollte jedem selbst überlassen sein. Ob eingeschlafene Hände und von Honig verklebte Schamhaare das Höchste der Gefühle bedeuten, findet wohl jeder für sich selbst raus. Ohne Gebrauchsanleitung, ohne Packungsbeilage. Denn wie das geht, das bringt man sich ja selbst bei. Intuitives sensorisches Lernen, eben.

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