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Künstler im Zuchthaus ihres Genres: K.I.Z. in der Rap-Hölle, Hölle, Hölle

An dümmlichen, bisweilen falschen Krisenberichten und Skandalfindereien rund um Problemgegenden, Parallelgesellschaften und vermeintlichen, deutschsprachigen Ghettorap mangelte es in den letzten Jahren nun wirklich nicht. K.I.Z., den Künstlern Im Zuchthaus, dem neuesten Wurf des Berliner Labels Royal Bunker, wird es nicht viel anders ergehen.
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Auch hier findet sich das leidige, aber notorische thematische Spektrum rund um Analsex und Hurensöhne. Wenn man das aber schlicht als lästige Grundausstattung des Genres begreifen kann und sich dem, was K.I.Z. darüber hinaus bieten, en Detail widmet, eröffnet sich einem ein bizarrer, bis weilen sehr komischer, vor allem aber irre schräger Kosmos an Referenzen, Ideen und Kalauern.

Tarek, Maxim, €8000 und DJ Sil-Yan, deren „Böhse Enkelz“-Sticker mittlerweile an jeder Berliner Ampel kleben, sampeln von den Beatles bis Swing, von 80er-Jahre-Hits bis zur Bloodhound Gang, den Absoluten Beginnern, den Ärzten und Wolfgang Petri alles, was das durchschnittliche kulturelle Gedächtnis eines Mittzwanzigers bereit hält. Musikalisch ist das einwandfrei, amüsant, vielfältig und so bunt, wie man es lange nicht mehr zu hören bekommen hat. Der Knackpunkt an K.I.Z. ist vielmehr der Humor. Dass dieses Spielchen mit ziemlich grober Ironie, ja: sexistischer Absurdität, billigen Kalauern und pubertären Ferkeleien für Missverständnisse sorgt, ist nun wirklich kein Wunder. Schließlich ist der Witz an dem allen ja gerade, dass es provoziert. Aber: Was soll man auch von einem Lied wie Hurensohn halten? Andererseits ist die Wolfgang-Petri-Hommage Hölle ein ziemlicher Spaß – und spätestens bei Was willst du machen (einer Abrechnung mit den Kleinstadt- und Kiezgangstern, mit den 12-jährigen Jungs und ihren aus Rapvideos gelernten Posen) wird es sehr schwer, sich dem pubertären Charme und Spaß von K.I.Z. zu entziehen. Wer sich bei der Bloodhound Gang, den Kassierern, den ja mindestens ebenso derben früher Ärzten und den anzüglichen Pointen von Otto auf die Schenkel klopft, dürfte sich bei K.I.Z. bestens amüsieren. Andere werden den Arschfickkram nicht lustig finden, auch vollkommen verständlich. Trotzdem hören sich alle anderen erst mal an, was da überhaupt gemacht wird (hier die Snippets zum Debüt und zu Böhse Enkels), bevor die Schubladendebatten und die Fragen nach gut und böse mit drei Sätzen, vier Schimpfwörtern und einem Emoticon angepackt werden. Speichern Unter: Hundepunk mit den Mitteln des Rap PS: Nicht von K.I.Z. aber ebenfalls aus dem Hause Royal Bunkler: das extrem lustige "Wer? Fler?", die Antwort auf Flers Rap-Attacken gegen "die Eierköppe ausm Bunker".

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