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Wenn du Harvard mit einem Rap-Album abschließt

Für die erste Rap-Dissertation überhaupt bekommt Obasi Shaw den Bachelor mit Auszeichnung.

Was Obasi Shaw als Dissertation abgegeben hat, hat es in der fast 400-jährigen Geschichte von Harvard noch nie gegeben: Obasi Shaws Abschluss-Arbeit ist ein Rap-Album. 

 

In den USA ist es nicht so einfach, nach dem Bachelor-Abschluss einen Master-Platz zu bekommen. Viele Unis und Colleges bieten deswegen ihren Studenten die Möglichkeit an, eine Dissertation anzufertigen, um mit Auszeichnung ("Honors") abzuschließen. In Harvard, einer der renommiertesten Unis weltweit, ist es nicht unüblich, dass sich die Studenten kreative Themen für ihre Dissertation suchen. Wer zum Beispiel Englisch im Hauptfach studiert, kann Theaterstücke, Novellen, Gedichte oder Kurzgeschichten einreichen – alles schon passiert. Eigentlich ist es da ja fast schon verwunderlich, dass bislang keiner drauf kam, ein Rap-Album abzugeben. 

"Manche Menschen betrachten Rap nicht als eine Kunstform", sagte Shaw der Harvard Gazette. "Aber Poesie und Rap sind sich sehr ähnlich. Reimende Verse waren weit verbreitet in alter englischer Poesie." 

 

Shaw hat die geschichtliche Komponente mit einer modernen vereint. Sein Album, das er in Anlehnung an den englischen Ausdruck "Criminal Minds" in "Liminal Minds" benannt hat, kombiniert Elemente von Poesie aus dem englischen Mittelalter mit Problemen in den USA des 21. Jahrhunderts. Seine Songs behandeln Sklaverei, Polizeigewalt, Segregation bis zur "Black Lives Matter"-Bewegung und Barack Obama.

 

Vor zwei Jahren habe Shaw angefangen, Kendrick Lamar und Chance the Rapper zu hören, die mit ihren kritischen Songs über die Probleme der Schwarzen in Amerika großen Mainstream-Erfolg feierten. Shaw bewundert die beiden – sowohl für ihre Kreativität, als auch für ihren Willen, in die "Fragen von Rasse, Religion und schwarzer Identität" einzutauchen, sagt er. 

 

Diese Bewunderung habe ihn zu seiner Abschlussarbeit inspiriert. Ein Jahr lang habe der 20-Jährige an den zehn Songs für sein Album gearbeitet. "Es ist ein sehr interessantes Album, weil es Geoffrey Chaucers 'Canterbury Tales' als intellektuellen Rahmen verwendet", sagte Shaws Betreuer Josh Bell vom Englisch-Institut in Harvard. Sein Student "erzählt Geschichten in jedem Lied aus verschiedenen Sichtweisen, er befasst sich kritisch mit der amerikanischen Gesellschaft und Rassenpolitik. Aber über all dem ist es zusätzlich ein Album, das Spaß macht."

So sieht es aus, wenn Obasi Shaw rappt: 

Die "Canterbury Tales" sind Geschichten aus England, aus dem 14. Jahrhundert. Verfasst in Prosa und Versen. Rap-Songs zu schreiben sei vergleichbar mit dem Schreiben von Geschichten, Essays oder sogar Programmiersprache, sagt Shaw. Aber im Rap habe er das richtige Werkzeug gefunden, um seine "Blackness" auszudrücken, "im Rap kann ich alles rüberbringen, was ich rüberbringen möchte". 

 

Die Idee, eine Rap-Thesis zu schreiben, sei dann zufällig entstanden. Shaw hatte angefangen, in einem Bibel-Camp in Tennesse zu rappen. Aber nur einfach so, aus Spaß. Dann sei die Deadline für die Einreichung seiner Thesis immer näher gerückt – und Shaw hatte keinen Plan, womit er dissertieren soll. Seine Mutter habe ihm dann vorgeschlagen, eine Rap-Thesis zu schreiben.

 

Am Ende bekam er für sein Album eine 1-, eine Auszeichnung mit Minus. Und als nächstes beginnt Shaw ein Praktikum als Software-Ingenieur bei Google. Hat sich also offensichtlich gelohnt, für seinen Abschluss kreativ zu werden. Hören kann man sein Album übrigens hier:

max 

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