Partner von

„Es reicht jetzt“: Richard Joos kämpft für ein Recht auf Privatkopie

Richard Joos möchte online Musik kaufen – aber billiger und ohne Kopierschutz. Deshalb hat er eine Webaktion gestartet. „Es reicht jetzt“ hat der Online-Redakteur von gulli.com seine Forderungen überschrieben. Der 33-jährige Bochumer hat Ende Juli die Seite wirhabenbezahlt.de ins Netz gestellt, um seinem Ärger über die Musikindustrie Luft zu machen. Die Macher von gulli.com fordern: Online-Musik muss billiger werden, digitale Musik muss überall laufen können und der Kopierschutz auf CDs soll abgeschafft werden. Denn: Musikfans seien Kunden und keine Verbrecher. Wir sprachen mit Richard, der unter dem Namen „korrupt“ auch im Gulli-Board aktiv ist, über seine Forderungen.
dirk-vongehlen

Seit Ende Juli gibt es die Seite wirhabenbezahlt.de. Worum geht es euch mit der Aktion? Uns ärgert, dass es die Industrie nicht zustande kriegt, vernünftige Angebote für Musikfreunde zu entwickeln. Stattdessen gibt es schlechte Angebote, verkrüppelte Downloads und Beschneidung der Rechte der Musiknutzer. Darauf wollen wir mit der Info-Seite wirhabenbezahlt.de hinweisen.

  • 332117

Das musst du erklären. Es gibt doch mittlerweile einige Angebote im Netz. Stimmt, aber bei all diesen Anbietern ist die Musik einfach zu teuer. Schließlich sind die Distributionswege im Internet bei weitem günstiger als bei einer CD, die man in einem Geschäft kauft – trotzdem sind die Preise etwa gleich. Außerdem ist das Endergebnis, das man sich online runterladen kann, nicht mit dem physischen Gut vergleichbar, das man im Laden kauft: Das ist etwas zum Anfassen und in den Schrank stellen, mit Booklet und Hülle und Texten und Extras. Fans mögen solche Dinge. Die nackte Datei hat das alles nicht und spielt obendrein nur da, wo der Shop es erlaubt. Du beziehst dich dabei auf die Diskussion um das DRM, das so genannte Digital Rights Management . . . . . . ja, das sind Kopierschutztechniken, die verhindern, dass man mit nicht-autorisierten Playern entsprechende Musikstücke abspielen, kopieren oder gar brennen kann. Das bekannteste Beispiel ist der itunes Musicstore von Apple. Songs, die man dort gekauft hat, kann man nur auf dem iPod von Apple abspielen.

  • 332490

Was ist der Sinn von DRM? Die Industrie hofft, dass so Kopien in Tauschbörsen verhindert werden können. Dabei übersehen die Verantwortlichen aber, dass oft schon bevor das Album in den Läden steht Kopien in den Tauschbörsen vorliegen. Diese Dateien sind ungeschützt, also ohne DRM, und somit dem Angebot der Online-Plattenläden qualitativ weit überlegen. Dazu kommt, dass man die meisten DRM-Maßnahmen problemlos umgehen kann. Deshalb halten wir die ganze Aktion für sinnlos. Ich habe aber das Gefühl, dass einige Entscheidungsträger bei den Labels nicht das technische Hintergrundwissen haben, um das einschätzen zu können. Nochmal zu DRM: Das bedeutet, wenn ich für 99 Cent einen Song kaufe, gehört er mir eigentlich gar nicht? Nein, man erwirbt ein begrenztes Nutzungsrecht. Apple behält sich auch vor, dies nachträglich zu ändern und wurde dafür übrigens auch schon von der Verbraucherzentrale Bundesverband abgemahnt. Im Vergleich zu einer CD, die man einfach überall in einen Player schieben kann, ist das natürlich eine bedenkliche Entwicklung. Bei CDs gibt es aber Kopierschutz. Der Grund dafür ist der gleiche wie bei DRM, es ist aber genauso unlogisch. Den Kopierschutz kann man meist auch umgehen – wie das DRM. Deshalb sollte man den Kopierschutz ganz einfach abschaffen. Der Nutzer soll ein Recht auf Privatkopie haben, weil es inzwischen überall Abspielgeräte gibt – mobile Player, Autoradios, der Rechner, die Anlage – die eben nicht alle mit denselben Medien umgehen können. Wer sich eine CD kauft, will die gekaufte Musik aber auch überall hören können, und dafür muss er kopieren dürfen. Die Musikindustrie argumentiert, dass durch diese Kopien ihre Umsätze einbrechen. Daran glauben wir nicht. Wir gehen im Gegenteil davon aus, dass eine Kopie Werbung für das Produkt macht. Wenn Musik also unter Freunden und Bekannten verteilt wird, steigt die Popularität der Musik. Man kauft sich auch Songs von den Bands, geht auf Konzerte, kauft T-Shirts, die nächste CD der Band und so weiter. Glaubt Ihr, Eure Aktion wird Erfolg haben? Wir fassen nur Dinge in Worte, die eh der Realität entsprechen. Wir fordern ja nichts, was unrealistisch ist, sondern Dinge, die täglich stattfinden. Es ist ein völlig normales Vorgehen von Millionen von Usern, dass sie ihren Kumpels CDs brennen. Das passiert jeden Tag und das wird sich auch nicht ändern. Die Industrie versucht gerade, an verlorenen Fronten irgendwelche Schlachten zu schlagen. Viele der Forderungen, die Ihr stellt, werden im Ausland von so genannten Piratenparteien vertreten. In Deutschland ist eine solche Partei in Gründung. Wie politisch sind Eure Forderungen? Wir berichten natürlich über die Parteigründungen und befürworten ihre Ziele. Im konkreten Fall ist unser Vertrauen in die Politik aber sehr gering. Bisher wurden seitens der Politik die Nutzerinteressen weitgehend ignoriert und die Forderungen der Industrielobbyisten zu Urheberrecht, Überwachung, Kriminalisierung sehr bereitwillig umgesetzt. Wir wollen auch keine fairen Musikangebote, zu denen die Industrie wider Willen gesetzlich verpflichtet wird. Wir wollen, dass die Musikindustrie einsieht, dass sie gerade gegen ihre Kunden und gegen ihre eigenen Interessen agiert. Das musst du erklären. Wir wollen, dass die Labels ihre Fans als Kunden begreifen und nicht länger als Verbrecher. Wenn ich mir Musik von meiner Lieblingsband kaufe, ist das zum einen teuer und zum zweiten wird mir durch das Format klar gemacht: ,wir trauen dir nicht’. Das ist kein gutes Verhältnis.

Mehr über die Themen Urheberrecht, Digital Rights Management und Kopierschutz sowie über die Pläne der so genannten Piratenparteien gibt es in der Übersicht Urheberrecht

Zur Startseite

Die besten Geschichten von jetzt -

täglichen Newsletter bestellen

oder auf WhatsApp abonnieren