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Wer hat Schuld am Hunger?

In einem Kurzfilm über Nahrungsmittelspekulationen fällt der Pressesprecher der Deutschen Bank mit einer zynischen Bemerkung auf. Die Bank droht nun mit Straftantrag.
juliane-frisse

Die Hungersnot am Horn von Afrika ist inzwischen wieder aus den Nachrichten verschwunden, was leider nicht bedeutet, dass niemand mehr Hunger leidet. Die Ursachen der laut UNO größten Hungersnot seit 20 Jahren sind vielfältig: Eine lang anhaltende Dürre führte zu Ernteausfällen, der Bürgerkrieg in Somalia verschärfte die Situation.

Wenn Menschen Hunger leiden, sind allerdings auch Spekulationen an Terminbörsen mit Schuld, durch welche die Preise für Nahrungsmittel und Agrarrohstoffe immer wieder in die Höhe getrieben werden. Das [link=http://www.politicalbeauty.de/center/Aktionskunst_Politische_Schoenheit.html" target="_blank">"Zentrum für politische Schönheit", eine Gruppe von Aktionskünstlern, hat einen Film gedreht, in dem die Künstler sich mit der Verantwortung für die Nahrungsmittelspekulationen auseinandersetzen:

, der Pressesprecher habe ein "vertrauliches Hintergrundgespräch zu Ihrer persönlichen Information" geführt, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen sei.  

Das Zentrum für politische Schönheit hat inzwischen wiederum erklärt, dass der interviewte Pressesprecher über die Aufzeichnung des Telefonats sehr wohl informiert gewesen sei. In einer Presseerklärung der Organisation heißt es: 

"Der Kameramann des Films erklärt: ‚Der Deutschen Bank ist peinlich, was ihr Pressesprecher gegenüber dem Zentrum für Politische Schönheit öffentlich erklärt hat. Frank Hartmann wurde darüber aufgeklärt, dass das Gespräch aufgezeichnet wird.’"  

Und wenn es nicht so wäre? Das unangekündigte Mitschneiden eines Telefonats ist schließlich verboten. Der Anwalt Thomas Stadler hat in seinem Blog bereits eine juristische Einschätzung[/link] gegeben – und glaubt, dass die Argumentation der Bank auf "schwachen Beinen" steht:  

"Bereits die strafrechtliche Kommentarliteratur geht davon aus, dass bei Telefongesprächen im Geschäfts- und Behördenverkehr oftmals eine mutmaßliche Einwilligung in Betracht kommt. Das gilt m.E. in besonderem Maße für den Pressesprecher eines großen Unternehmens, der telefonische Auskünfte erteilt bzw. Fragen beantwortet. Nachdem gerade ein Pressesprecher immer damit rechnen muss, dass seine Aussagen veröffentlicht werden, ist schon die Frage, ob überhaupt von einer 'Vertraulichkeit des Wortes' ausgegangen werden kann."  

Nun ist die Aufregung groß, der Film verbreitet sich schnell im Netz. Durch ihre Androhung strafrechtlicher Konsequenzen hat die Deutsche Bank den eigenen Imageschaden also wahrscheinlich eher vergrößert als eingegrenzt. 


UPDATE: Ein Sprecher der Deutschen Bank hat uns folgendes Statement zu dem Fall zukommen lassen:

"Wir werden nicht gegen Herrn Ruch klagen. Damit würden wir ihm zu viel Ehre erweisen, denn es geht ihm offenbar vor allem um eine möglichst öffentlichkeitswirksame Auseinandersetzung mit der Bank. Wir halten jedoch daran fest, dass Herr Ruch nach unserer Auffassung rechtswidrig gehandelt hat, indem er ein Telefonat mit einem Pressesprecher der Bank, das nach dessen Erinnerung als Hintergrundgespräch, also nicht zum Zitieren, deklariert war, nicht nur aufgezeichnet, sondern auch Passagen daraus veröffentlicht hat, in denen sich der Sprecher nicht korrekt wiedergegeben sieht. Seine in dem Film wiedergegebenen Ansichten entsprechen jedenfalls nicht der Position der Deutschen Bank"

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