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2750 Euro brutto für den Drogisten

Simon (25) arbeitet festangestellt bei dm - und merkt meistens gar nicht, dass er damit als Mann ziemlich alleine ist.
Protokoll von Lara Thiede
  • job kolumne dm
    Foto: privat

Der Spruch auf der Party 

 

Die Leute haben keine Ahnung, was ein Drogist eigentlich macht. Das merkt man auch an der Frage, die mir oft auf Partys gestellt wird: „Uh, krass... Hast du gerade auch was dabei?“ Ich erkläre in solchen Situationen immer wieder brav, dass ich bei dm arbeite und bei uns mit „Drogen“ Heilpflanzen gemeint sind. Dann will ich eigentlich noch sagen, dass Drogisten sich auch gut mit Chemie und Biologie auskennen müssen – aber die meisten Mädels stürzen sich thematisch sofort auf die Kosmetik. Als ob ein Drogist nichts anderes verkaufen würde.

 

Was ich wirklich tue

 

Seit etwa einem Jahr bin ich stellvertretender Filialleiter in einem großen Münchner Drogeriemarkt – und liebe meinen Job. Ich arbeite im Schichtdienst und meine Arbeitstage laufen immer wieder ähnlich ab: Die erste Schicht beginnt um 6 Uhr morgens. Da nehmen wir Warenlieferungen an, verräumen sie und bestellen Neues. Ich kümmere mich aber auch um alles, was am PC erledigt werden muss. Unter anderem bearbeite ich E-Mails und erstelle einen Tagesplan, in dem ich zum Beispiel die Kassenschichten auf die Mitarbeiter verteile. Außerdem bilde ich inzwischen selbst Drogisten aus.

 

Nachmittags kommen schließlich die meisten Kunden in den Laden. Zu dieser Zeit sind alle Mitarbeiter, mich eingeschlossen, hauptsächlich mit Beratung beschäftigt. Wer zwischendurch Zeit hat, tauscht in den Regalen neue Produkte gegen alte, die aus dem Sortiment genommen werden, oder baut um und dekoriert. Das sind Aufgaben, bei denen man kreativ sein kann, was mir persönlich am meisten Spaß macht. Und natürlich muss auch ich immer mal wieder an die Kasse.

 

Wie ich dazu gekommen bin

 

Nach dem Abitur war ich planlos – ich hatte keine Ahnung, welcher Job mir gefallen könnte. Also saß ich erst einmal eine ganze Weile nichtstuend im Haus meiner Eltern herum – bis die das nicht mehr tolerieren wollten. Ich jobbte dann im Baumarkt, was unfassbar langweilig war. Als sich die Möglichkeit ergab, stattdessen im Drogeriemarkt, in dem meine Mutter arbeitete, auszuhelfen, entschied ich mich, lieber das zu tun.

 

Aus dem Nebenjob wurde eine Ausbildung. Begeistert war ich davon anfangs nicht, aber irgendetwas musste ich machen. Erst, als ich erste Erfolge erlebt hatte, begann ich mich wirklich mit dem Beruf des Drogisten auseinander zu setzen. Ab dann war der Job eine Leidenschaft und ich hatte viel Freude an der Ausbildung. Ich beendete sie schließlich mit dem besten Drogistenabschluss in ganz Bayern. Außerdem machte ich noch eine Weiterbildung zum Handelsfachwirt, was vom Ausbildungsniveau einem Bachelor-Studium entspricht und mir gute Aufstiegschancen ermöglicht. Danach bekam ich sofort eine Festanstellung als Drogist bei dm und wurde stellvertretender Filialleiter. Inzwischen fühlt es sich an, als wäre der Markt mein eigenes Unternehmen. Das ist ein schönes Gefühl.

 

Was mein Beruf mit meinem Privatleben macht

 

Eigentlich hat mein Privatleben meinen Beruf gemacht. Denn meine Mutter arbeitet schon lange bei dm, mein Bruder ist inzwischen Filialleiter in meiner Filiale und meine Freundin ebenfalls Drogistin. Aber natürlich funktioniert es auch andersherum zu sagen, dass mein Beruf mein Privatleben gestaltet. Wenn die wichtigsten Menschen deines Lebens den gleichen Job haben wie du, ist das wahrscheinlich sowieso die logische Konsequenz: dass man sich auch Zuhause viel über die Arbeit austauscht.

Mit meinem Bruder – und Chef – spreche ich sogar auch spätnachts noch über Dinge, die in der Arbeit geplant oder erledigt werden müssen.

 

Mein Berufs- und mein Privatleben sind also sehr eng miteinander verknüpft. Meine Freundin ist manchmal auch genervt davon. Am Schlimmsten ist es aber wahrscheinlich für Bekannte, die überhaupt nichts mit unserem Job zu tun haben. Die können dann gar nicht mehr mitreden und sind oft schnell genervt von dem Thema.

 

Aber für mich ist die Arbeit eben eine Herzensangelegenheit. Ehrlich gesagt stört mich deshalb auch nicht, wenn meine alten Schulfreunde (die meisten von ihnen sind Studenten) unter der Woche weggehen und ich mal wieder nicht mitkommen kann.

 

Wie es ist, ständig von Frauen umgeben zu sein

 

Klar fällt auf, dass in den meisten Filialen kaum Männer zu finden sind – sowohl als Kunden als auch als Mitarbeiter sind wir deutlich in der Unterzahl. In den ersten drei Filialen, in denen ich gearbeitet habe, gab es außer mir zum Beispiel überhaupt keine männlichen Mitarbeiter. Wo ich jetzt arbeite, sind wir mit etwa einem Dutzend deutlich mehr Männer als gewöhnlich.

 

Ich hatte vorher und hätte auch in Zukunft aber kein Problem damit, hauptsächlich mit Frauen zu tun zu haben. Ich bin es nicht anders gewohnt und irgendwie ist es ja auch total egal, welches Geschlecht jetzt wie oft vertreten ist. Die Arbeit macht mit Kolleginnen genauso viel Spaß wie mit Kollegen.

 

Was ich verdiene

 

Ein festangestellter Drogist verdient bei dm etwa 2500 Euro brutto im Monat für eine Vollzeitstelle. Ich dagegen bekomme 2750 Euro, weil ich schließlich auch die Stellvertretung der Filialleitung übernehme. Davon bleiben netto etwa 1700 übrig. Ich kann damit eine Menge indisches Essen bestellen, zwei Mal im Jahr Urlaub machen und am Ende des Monats meistens sogar noch etwas beiseite legen. Natürlich liegt das auch daran, dass ich mir eine Wohnung mit meinem Bruder teile und zum Beispiel eher selten Geld für Klamotten ausgebe.

 

Was ich mir wünschen würde

 

Ich fände es schön, wenn die Arbeit im Handel mehr Anerkennung in der Gesellschaft bekäme. Denn Drogist ist ein wirklich toller Beruf, mit abwechslungsreichen Aufgaben, viel Kontakt zu Menschen und guten Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. So erlebe zumindest ich es. Noch mehr positives Kunden-Feedback im Alltag wäre auch schön, das motiviert unheimlich. Und für meine Karriere wünsche ich mir natürlich, dass ich immer weiterkomme. Ich glaube, ein realistisches Ziel wäre, irgendwann Gebietsverantwortlicher zu werden, also für etwa 25 Filialen zuständig zu sein. Im nächsten Monat werde ich dem schon einen Schritt näher kommen: Ich werde dann nämlich Filialleiter in einem anderen Markt."

 

 

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