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500 bis 8000 Euro für den freien Grafiker

Felix hat mehr Zeit und Geld als in Festanstellung. Doch mit der Planbarkeit ist es oft zum Haareraufen.
Protokoll von Lena Jakat
  • job kolumne grafiker
    Foto: Felix Wetzel

Felix Wetzel, 30, hat am Bauhaus in Weimar Visuelle Kommunikation studiert und war nach seinem Bachelor-Abschluss zunächst fest angestellt. Seit gut einem Jahr arbeitet er freiberuflich als Grafiker und Illustrator. Ihn nervt es, wenn Leute in ihm den „Hipstertyp“ mit dem „Trallalaberuf“ sehen, „der den ganzen Tag im Café rumhängt“.

 

 

Die Frage, die auf Parties immer gestellt wird

"Und was machst du da so genau?": Vielen fehlt das Bewusstsein, dass Bücher nicht einfach fertig gestaltet vom Himmel fallen, sondern, dass sie professionell designt werden. Sie können sich nicht vorstellen, dass Grafiker ein richtiger Job ist und kein "Trallalaberuf". Das merkt man an reservierten Reaktionen und an Fragen wie: "Und dafür muss man studieren?". Viele Leute sind aber auch sehr interessiert. Manchmal treffe ich Menschen, die selbst gern etwas Künstlerisches studiert hätten und sich dann nicht getraut haben. Die reagieren dann sogar mit einer Art Bewunderung.

Das Geld

Früher dachte ich: Nach dem Studium verdiene ich Geld, baue ein Haus, hab einen Hund. Jetzt weiß ich: So einfach ist das nicht. Ich verdiene in manchen Monaten 500 Euro, in anderen 7000 oder 8000 Euro. Und ich muss dabei nicht für die Porschesammlung anderer Leute arbeiten. Als Freiberufler verdiene ich mehr als als Angestellter, und ich habe mehr Zeit. Ich fange allerdings immer wieder an, mich für ‘n Appel und ‘n Ei zu verkaufen - weil ich das Projekt gut finde, oder weil ich so schlecht nein sagen kann - und ärgere mich dann. In meinem Job wird viel Idealismus erwartet: „Dieses Projekt ist doch toll für dein Portfolio!“, hört man oft. Das stört mich.

 

Der Tagesablauf

Etwa 20 Prozent meines Jobs macht Verwaltungskram aus - Angebote, Rechnungen schreiben und so. Vielleicht zehn Prozent gehen für Besprechungen mit Kunden drauf. Meistes haben sie schon eine grobe Vorstellung davon, was sie wollen. Dann mache ich denen drei Vorschläge, man einigt sich auf einen und dann arbeite ich daran weiter. Manchmal bringe ich auch ein Moodboard mit, das ist eine Collage, die Stimmungen, Farben und Formen sammelt, und helfen soll, die grundsätzliche Richtung eines Designs zu finden. Als Grafiker steht dir quasi die Welt offen, du kannst immer von überall aus arbeiten. Was auch blöd ist, weil du das dann natürlich auch tust: Abends noch schnell ein paar Mails beantworten, direkt nach dem Aufstehen das Handy in die Hand nehmen. Mich rufen gelegentlich um 21.30 Uhr Kunden an und schreiben wütende E-Mails, wenn ich nicht drangehe. Manchmal beneide ich Menschen mit geregelten Arbeitszeiten.

 

Das Privatleben

Ich kann mir meine Zeit frei einteilen – in der Regel arbeite ich acht, neun Stunden am Tag. Wenn ich ein Projekt fertigmachen muss, kommt es auch vor, dass ich bis in die Nacht hinein dasitze. Dass meine Arbeitszeiten flexibel sind, heißt aber nicht, dass ich meine Freunde öfter sehe, denn die sind tagsüber ja im Büro; da muss man sich halt die Zeit nehmen. Richtig schwierig ist es, Urlaub zu planen, denn man weiß ja nie, welcher Auftrag noch kommen könnte. Und wenn ich Urlaub mache, verdiene ich kein Geld.

 

Die Wirklichkeit

Wie die Realität aussieht, habe ich erst im Berufsleben kapiert. Als ich aus der Uni kam, war ich noch idealistisch. Geld war mir nicht so wichtig, ich wollte vor allem dazulernen. Ich habe bei einer Agentur angefangen, erst als Praktikant, dann für ein popliges Pauschalhonorar von 1500 Euro im Monat. 1500 Euro für zehn, elf Arbeitsstunden, jeden Tag! Den Druck habe ich total unterschätzt – den finanziellen Druck, den Leistungsdruck von außen, aber auch den Druck, den man sich selbst macht, weil man seine Arbeit gut und schön erledigen will. Als Freiberufler muss ich immer schauen, wo ich bleibe, wo der nächste Auftrag herkommt. Hätte mir das jemand vorher gesagt, ich wäre vielleicht Ingenieur geworden.

 

Aber ich bereue es nicht, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Mir macht die Arbeit Spaß, sie ist total abwechslungsreich, ich bin in vielen verschiedenen Sparten tätig. Am liebsten mache ich Lifestyle-Sachen, Mode, Design oder Kunst. Richtig cool ist es, wenn der eigene Lieblingsvorschlag genauso umgesetzt wird und man am Ende das fertige Produkt in der Hand hält.

 

Der Weg

Die Aufnahmeprüfungen für die Kunsthochschulen finden immer total weit im Voraus statt. Weil ich nach dem Abi nicht ein Jahr lang rumsitzen und nur an meiner Mappe arbeiten wollte, habe ich eine Kochlehre angefangen und den Weg in die Sternegastronomie gewagt. Als ich ein paar Jahre später dann mein Kunststudium begonnen habe, wusste ich: Grafiker machen was mit Schrift. Aber so richtig viel konnte ich mir unter der Berufsbezeichnung nicht vorstellen. Ich habe erst an der Uni entdeckt, welche Sparten es da alle gibt. Man kann als Grafiker in total viele Richtungen gehen, was gut ist. Was allerdings weniger gut ist, wenn man sich schlecht entscheiden kann.  

 

Was an Kunden am meisten nervt

Viele wissen die Arbeit eines professionellen Grafikers nicht zu schätzen. Es gibt auch viele, die das hobbymäßig betreiben und dann nicht verstehen können, warum ich für einen Auftrag länger als drei Stunden brauche. Und wenn sie dann auch noch auf etwas beharren, das total doof aussieht, macht das nicht so viel Spaß.

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