Eine junge Frau findet dank Twitter den Mann, der ihr als Kind auf der Flucht ein Fahrrad schenkte

Auch andere Nutzer*innen teilen nun Geschichten kleiner großer Gesten.

Screenshot: Twitter / MeAndVan

Mevan Babakar suchte eigentlich nur den Mann, der ihr vor langer Zeit ein Geschenk gemacht hatte – und landete mit ihrer rührenden Geschichte sogar in der New York Times

Babakar ist 29 und lebt in London, wo sie in der Technologie-Branche arbeitet. Vor einiger Zeit nahm sie sich ein Sabbatical, um sich auf die Spuren ihrer eigenen Geschichte zu begeben. Denn Babakar wurde nicht in England geboren. Sie stammt aus dem Irak – und musste Anfang der 1990er Jahre als Kleinkind mit ihren Eltern fliehen, nachdem Saddam Hussein in den späten 1980er Jahren den Genozid der kurdischen Minderheit im Irak begonnen hatte. Die Flucht führte die Familie durch die Türkei, Aserbaidschan und Russland, wo ihr Vater zurückblieb, um dort für mehrere Jahre zu arbeiten.

Fünf Jahre lang waren die Babakars Flüchtlinge, bevor sie in England eine neue Heimat fanden. In dieser Zeit landete Mevan zusammen mit ihrer Mutter auch für ein Jahr in einem Flüchtlingsheim in der niederländischen Stadt Zwolle. Dort bekam sie ein Geschenk, das ihr Leben nachhaltig prägte: Ein freiwilliger Helfer, der sich mit ihrer Mutter angefreundet hatte, schenkte dem fünfjährigen Mädchen ein Fahrrad. Dieses Geschenk machte auf die kleine Mevan einen unglaublichen Eindruck. Es habe, so erzählte sie in der „New York Times“, ihre Kindheit nachhaltig beeinflusst: „Ich habe mich dadurch so besonders gefühlt. Ich erinnere mich, dass ich mich fragte, ob ich es überhaupt wert wäre, so etwas Großes geschenkt zu bekommen.“

Die erwachsene Mevan wollte wissen, wer ihr dieses besondere Geschenk gemacht hatte. Also postete sie das Foto auf Twitter, mit der Bitte, es möglichst weit zu verbreiten, damit möglicherweise jemand den Menschen auf dem Bild identifizieren kann.

Und tatsächlich fand der Tweet innerhalb weniger Stunden seinen Weg zu einem ehemaligen Kollegen des Mannes, der dann über Facebook den Kontakt zwischen Mevan Babakar und dem Mann herstellte.

Babakar und Egbert (seinen Nachnamen will der Mann, der seit den 1990er Jahren mit Flüchtlingen arbeitet, nicht veröffentlichen) trafen sich kurze Zeit später zum ersten Mal bei ihm zu Hause. Er erinnerte sich noch gut an das kleine Mädchen und sie verbrachten den Abend damit, ihre Erinnerungen an die gemeinsame Zeit aufzufrischen. Egbert erzählte auch, dass er sich gar nicht vorstellen konnte, dass die Geste des geschenkten Fahrrads so einen großen Einfluss auf das Mädchen hatte. Doch diese kleine Geste half der traumatisierten Mevan, sich wieder als Person zu fühlen.

Diese kleine, schöne Geschichte berührte viele Menschen im Netz – und brachte auch einige dazu, ihre eigenen Geschichten zu teilen: Geschichten von Menschen, die großzügig waren und ihnen so geholfen haben.

chwae

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