Künstler leiden unter der Zensur durch Instagram und Facebook

Zum Beispiel Emanuel Mooner aus München, dessen Werke regelmäßig gelöscht werden – wegen Nacktheit.
Von Charlotte Bastam
Foto: Creative Commons / Collage: jetzt.de

Instagram und Facebook sind schon länger dem Vorwurf ausgesetzt, prüde zu sein: Bilder, die Nacktheit zeigen, insbesondere Genitalien oder sekundäre Geschlechtsmerkmale, werden entfernt – auch, wenn es sich bei den Bildern um Kunstwerke handelt. Für Facebook und Instagram sind nackte Körperteile obszön, egal, ob sie einen pornographischen oder einen künstlerischen Hintergrund haben.

Eigentlich sind Facebook und Instagram die idealen Plattformen für Emanuels „Kunst für alle“. Sie sind umsonst, nicht elitär und jeder hat zu ihnen Zugang. Doch die Kunstfreiheit auf Social Media ist eingeschränkt. Insbesondere, wenn es um nackte Haut geht. Der Münchner Künstler ärgert sich über die standardisierte Auswahl der Bilder, die gelöscht werden. Er versteht zwar, dass Pornographie im Internet für Minderjährige unzugänglich gemacht werden soll und dass Kinderpornographie entfernt werden muss.  Aber Kunst zu zensieren, weil man Nippel sieht? Diese allgemeine Ablehnung von nackten Körperteilen findet er falsch. Denn Nacktheit an sich sei etwas Natürliches. Vor allem die automatische Assoziation der weiblichen Brust mit Pornographie kritisiert er. Immerhin seien die meisten Menschen von einer gesäugt worden. 

Die weibliche Brust ist besonders prominent in der Diskussion darüber, was man auf Facebook und Instagram zeigen darf, und was nicht. Auf Instagram zum Beispiel gilt die Richtlinie, dass weibliche Nippel nur gezeigt werden dürfen, wenn es um Statuen, stillende Frauen oder Narben geht. Eine sexistische Ungleichbehandlung, die viele stört. Es sind bereits Onlinebewegungen entstanden, um den weiblichen Nippel zu befreien. Auf dem Instagram-Account  „Free the nipples“, der über 300.000 Abonnenten hat, wird mit der Sichtbarkeit von weiblichen Nippeln gespielt.

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Andere Künstler protestieren, indem sie Brüste bemalen, bis man zum Teil nicht mehr erkennt, ob weibliche oder männliche Nippel zu sehen sind. Eine ähnliche Idee steckt hinter dem Instagram-Account „genderless nipple art“. Hier werden Nippel so fotografiert, dass es so gut wie unmöglich ist, sie einem eindeutigen Geschlecht zuzuordnen.

Aber warum ist ein weiblicher Nippel so viel problematischer als ein männlicher? Das hat wahrscheinlich viel mit der übersexualisierten gesellschaftlichen Wahrnehmung des weiblichen Körpers zu tun. Denn eine weibliche Brust wird schneller mit dem Wort „Porno“ und „Scham“ in Verbindung gebracht als eine männliche. Auch ist ein nackter weiblicher Oberkörper in der Öffentlichkeit wesentlich weniger oft zu sehen als das männliche Pendant.

Als amerikanisches Unternehmen führt Instagram somit lediglich die prüden Vorstellungen einer amerikanischen Mainstream-Gesellschaft aus. Zwar wird auch in Europa Nacktheit sexualisiert, doch bei weitem nicht so stark wie in den USA. Instagram überträgt durch die Anwendung dieser Regeln das Konzept einer „negativen Sexualität“ auf die europäische Gesellschaft.

Emanuel wurde auf Facebook sogar schon mehrmals komplett gesperrt: einmal 24 Stunden lang, dann drei Tage, dann sieben. Zwar konnte er sich noch einloggen, aber weder Bilder posten, noch kommentieren oder Nachrichten schreiben. Emanuel macht für die Zensur seiner Bilder vor allem die von diesen Plattformen verwendeten Algorithmen verantwortlich, durch die Bilder nach bestimmten Merkmalen selektiert werden. Daher fordert er auch eine Diskussion darüber, was künstliche Intelligenz eigentlich darf und wie weit wir sie für uns arbeiten lassen wollen.

Auf Nachfrage antwortet eine Sprecherin von Instagram, dass es durchaus menschliche Selektierer gebe, die sich um gemeldete Bilder kümmern und die Plattform nach Bildern durchforsten, die gegen ihre Richtlinien verstoßen. Dabei gelten für alle die gleichen Regeln, egal ob private Nutzer oder Künstler – wodurch dann eben auch künstlerische Freiheit eingeschränkt werden könne.

 

Der Sprecherin zufolge fällt die Entscheidung nicht immer leicht: „Für uns ist es unglaublich wichtig, dass sich unsere globale Community auf der Plattform wohlfühlt und frei ausdrücken kann.“ Diese Balance zu halten sei nicht immer einfach, denn natürlich treffen auf Instagram die unterschiedlichsten Altersgruppen, kulturellen Hintergründe und Glaubensrichtungen zusammen. „Um diesen ganz unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, grenzen wir Nacktheit auf Instagram ein und sind uns aber gleichermaßen bewusst, dass wir nicht in jedem Fall sofort die richtige Entscheidung treffen.“ Emanuel würde das wahrscheinlich als Ausrede sehen.

 

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