Greta Thunberg ist auf dem Album einer britischen Indie-Band zu hören

Der Song ist Geschmackssache. Die Message aber: on point.

Vorab: Nein, Greta Thunberg singt nicht. Und nein, sie rappt auch nicht. Das ist schon mal eine große Erleichterung für alle, die befürchtet haben, dass sich die 16-jährige Klimaaktivistin bei den Politikern und Politikerinnen einreiht, die dachten: Wie schwer kann das schon sein? Siehe Arnold Schwarzenegger mit Andreas Gabalier oder auch die ehemalige NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und ihre herzige New-York-New-Yooork-Interpretation beim Wahlabend 2012. Thunberg schlägt also eine andere Richtung ein: Es gibt keinen Refrain, keine Bridge – eher ein sechs Minuten langes Hörspiel.

The 1975 - The 1975 (Notes on a Conditional Form)

Gemacht hat den Thunberg-Track die britische Indie-Pop-Band „The 1975“, die es trotz ihres Namens erst seit 2002 gibt. Der Song, der ebenfalls „The 1975“ heißt, ist die erste Single-Auskopplung aus dem Album „Notes on a Conditional Form“, das im Februar 2020 erscheinen soll. Übrigens beginnt jede Platte der Band mit einem Song, der den Bandnamen trägt.

Und wie ist der Track? Naja, der Hammer ist er nicht. Zumindest, wenn man auf der Suche nach etwas zum Dancen oder Mitsingen ist. Im Grunde ist es eine typische Thunberg-Rede – die für den Track mit einem minimalistisch erbaulichen Beat unterlegt worden ist. „Wir müssen uns eingestehen, dass wir die Situation nicht unter Kontrolle haben“, sagt Thunberg. Und: „Wir stehen vor einem Desaster von unausprechbarem Leiden für enorm viele Menschen.“ Es ist – wie zu erwarten – ein Song über den Klimawandel.

Allerdings geht zwar um zivilen Ungehorsam und Rebellion, aber der Track fühlt sich trotzdem ein wenig nach Atem-Entspannungsübungen oder wahlweise auch Hypnose an. Immerhin kommen die Erlöse des Songs, auf Thunbergs Wunsch hin, der teilweise umstrittenen Umweltaktivistengruppe „Extinction Rebellion“ zugute.

Thunberg ist nicht die erste junge Klima-Aktivistin, die bei der Musik gelandet ist. Ihr spiritueller Vorgänger Xiuhtezcatl Martinez hat diesen Weg auch schon beschritten. Der heute 19-Jährige hat vor etwa vier Jahren eine Rede über den Klimawandel vor der UN gehalten. Momentan klagt er mit 20 anderen jungen Menschen gegen die US-Regierung, weil diese der jungen Generation das Recht auf Leben, Freiheit und Eigentum verweigere, indem sie den Klimawandel ignoriere. Und er macht eben Musik – im Gegensatz zu Thunberg singt und rappt Martinez auch.

Xiuhtezcatl - Boombox Warfare (feat. Jaden Smith)

mpu

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