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Jana wirft Hustensaft Jüngling in einem Video vor, sie beleidigt und sexuell belästigt zu haben. Er streitet das ab.

Foto: Privat/Screenshot/Instagram

„Du bist fett. Du bist hässlich. Deine Mutter hätte lieber einen Sohn gebären sollen. Du kannst nichts, weil du eine Frau bist. Weil du ein kleines Mädchen bist, hast du nichts zu sagen.“ Jana sagt: Diese und andere Sprüche musste sie sich vom Rapper Hustensaft Jüngling anhören. Ein Jahr lang hat sie für den 21-Jährigen, der mit bürgerlichem Namen Ole Finsterbusch heißt, Merchandise verkauft, war mit ihm und seinem Team auf Tour. Über das, was sie im vergangenen Jahr dabei erlebt hat, wie sie erzählt, will sie nicht länger schweigen. Deswegen hat die 20-jährige Auszubildende auf Instagram ein Video veröffentlicht.

„Ole war von Anfang an gemein, fies, beleidigend und sexistisch“, sagt Jana bei einem Treffen in der Münchner Innenstadt. Sie wirft ihm nicht nur verbale, sondern auch körperliche sexuelle Belästigung vor. „Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie er mich angegrabscht hat. Das war in Stuttgart. Ich stand auf der Bühne und habe nur von hinten gemerkt, wie jemand meinen Hintern anfasst. Als ich mich umgedreht habe, habe ich gesehen, dass es Ole war. Ich hab ihn nur weggeschubst“, erzählt sie.

Braucht der Deutschrap eine MeToo-Bewegung?

Die Vorwürfe sind auch vor dem musikalischen Hintergrund des Rappers diskussionswürdig. Der 21-jährige Berliner gehört zu der von Money Boy gegründeten „GloUpDineroGang“ (GUDG). In seinen Texten werden Frauen vor allem als „Bitches“ oder „Nutten“ bezeichnet. „Ich bin Musiker und überspitze als Künstler, um zu provozieren. Ich nutze Beleidigungen als Stilmittel. Und nur, weil ich das rappe, bedeutet das nicht, dass ich privat Menschen beleidige“, sagt Hustensaft Jüngling im Gespräch mit jetzt. In seinen Youtube-Videos spielt auch seine Freundin, die Influencerin Celina aka „neverbaby_26“, eine große Rolle. Um seine 180 000 Follower zu feiern, „verloste“ er sie für einen Tag. Es gibt Videos, in denen er Noten für ihre Jeans vergibt. Viel Wut seiner Fans zog er auf sich, als er ankündigte, einen Porno mit Celina zu veröffentlichen – der sich dann Track mit dem Titel „P*RN*“ herausstellte.  Während der Schulzeit gründete Hustensaft Jüngling das Hip-Hop-Duo „Hustensaft Jüngling & Medikamenten Manfred“, mittlerweile hat er zwei Alben veröffentlicht. Auf Youtube folgen ihm 168 600 Menschen.  

Auf die Sexismus-Vorwürfe von Jana angesprochen, sagt Hustensaft Jüngling gegenüber jetzt: „Ich finde es schade, dass unbewiesene Behauptungen so schnell die Runde machen.“ Er bezeichnet das Video als „Rufmord“. Rechtliche Schritte seien bereits eingeleitet. Dass er Jana an den Hintern gefasst haben soll, streitet er ab. „Ich will nicht arrogant klingen, aber ich habe viele Verehrerinnen und außerdem eine Freundin. Ich hab das nicht nötig. Sie ist nicht mein Typ.“ Dann fügt er hinzu: „Das ist nicht abwertend gemeint.“ Als durchaus abwertend könnte man allerdings eine Instagram-Story des Rappers bezeichnen, die nicht mehr online ist, von Jana aber durch einen Screenshot festgehalten wurde. „Diese fette Hure belästigt mich. Lass mich in Ruhe. Ich steh nicht auf Schweine. Guckt euch dieses ekelhafte, fette Mannsweib an“, stand da über einem Bild von Jana. Darauf angesprochen sagt der 21-Jährige, die Story tue ihm Leid. Er habe im Affekt gehandelt, da auch Janas Freund, ein ehemaliger Producer der „GlowUpDineroGang“, sich in einem Video mit öffentlicher Kritik an ihn gewandt habe. Auch Jana habe ihn beleidigt. „Die beiden wollen nur Aufmerksamkeit“, sagt Hustensaft Jüngling. Er vermutet eine Intrige.

Jana sieht das anders. Sie sagt, sie habe diese Beleidigungen ein Jahr lang ertragen: „Ich war oft kurz vorm Weinen. Und ich bin keine Person, die leicht weint.“ Die Münchnerin findet auch: „In einem privaten Kontext haben Beleidigungen und Sexismus mit künstlerischer Freiheit nichts zu tun.“ Sie wolle endlich gegen Sexismus aufstehen. „Ich habe lange gebraucht, um das Video aufzunehmen, weil ich zwischendurch immer wieder zusammengebrochen bin. Das hat wirklich wehgetan, wie er mich behandelt hat. Ich will in die Welt tragen, dass man sich dagegen wehren muss, auch, wenn das schon eine Weile her ist.“ Als Jana das sagt, wird ihre Stimme brüchig, die Wut ist ihr anzumerken. Doch das Video gebe ihr auch Kraft: „Sexismus ist ein wichtiges Thema und ich habe das Gefühl, dass das immer ein bisschen runtergespielt wird, vor allem in der deutschen Hip-Hop-Szene.“ Sie wolle zeigen: „Nicht mit mir und auch nicht mit anderen Frauen.“

Tatsächlich liefert Jana mit ihrem Statement einen weiteren Beitrag zu einer gerade laufenden Debatte im Deutschrap, wo derzeit auch ein anderer Fall Schlagzeilen macht: Die Exfreundin des Rappers Gzuz wirft ihm häusliche Gewalt gegen sie vor. Sein Kumpel Bonez MC machte sich auf Instagram darüber lustig. Erst vor wenigen Tagen erschien auf rap.de ein Kommentar mit der Essenz: Deutschrap braucht eine #MeToo-Bewegung. Der Autor bemängelt in seinem Text „handfeste, männlich dominierte Machtstrukturen“ und schreibt: „Die gesellschaftlichen Strukturen, die es Männern ermöglichen, Frauen sexistisch abzuwerten und/oder ihnen Gewalt anzutun, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, müssen sichtbar gemacht werden.“ Und dafür sei in einem ersten Schritt genau das wichtig, was Jana macht: den Mund aufmachen.

In einem privaten Chat wollte Jana Hustensaft Jüngling noch einmal die Möglichkeit geben, sich zu entschuldigen – bevor sie das Video veröffentlichte, sagt sie. Er meint dagegen: Vor der Veröffentlichung des Videos habe es zwischen den beiden keinen Kontakt gegeben. Jana zeigt beim Interview einen Chat auf ihrem Handy. Die Nachrichten des Rappers sind im Verlauf wieder gelöscht worden, aber die 20-Jährige hat Screenshots gemacht. „Dass du fett, dumm und hässlich bist, ist nicht sexistisch“, schreibt auf den Fotos ein Kontakt mit dem Namen Ole Finsterbusch. Vor einem eventuell folgenden Prozess hat Jana keine Angst. Sie sagt: „Ich weiß, dass ich Recht habe. Damit wird er nicht durchkommen. Ich habe keine Angst vor ihm.“