„Frauen gehen arbeiten und schmeißen danach den Haushalt“

Auf dem Münchner Marienplatz streiken Frauen für mehr Gleichberechtigung in der Care-Arbeit.

Aktivist*innen streiken auf dem Marienplatz.

Foto: Katharina Steinhäuser

„Das bisschen Haushalt macht sich doch allein …“ schallt es aus den Lautsprecherboxen, die Aktivistinnen tragen Schürzen und sitzen auf Picknickdecken und Campingstühlen auf dem Marienplatz. Es ist kalt und immer wieder schneit es. „Geschlechterrollen in die Tonne“ oder „Sorgearbeit aufwerten“ steht auf ihren Plakaten. Der kleine Sitzstreik der Initiative Frauenstreik soll auf die ungerechte Verteilung von unbezahlter Haus- und Familienarbeit zwischen Männern und Frauen aufmerksam machen. Weltweit erledigen Frauen noch immer 76,2 Prozent der unbezahlten Sorgearbeit. Diese Unausgewogenheit wird als „Gender Care Gap“ bezeichnet.

Die 28-jährige Anja streikt heute, weil sie die ungleiche Aufgabenverteilung schon selbst erfahren hat. „Ich komme vom Land, da heißt es, Frauen sind zum Babysitten da, denn das können sie ja gut. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, mir solche Sprüche anzuhören“, sagt sie. Anja glaubt, dass die Gesellschaft ohne die Fürsorgearbeit, die Frauen leisten, nicht funktionieren würde. Viele Menschen würden diese jedoch nicht als Arbeit anerkennen.

Michaela, 32, steht ein paar Meter weiter. Sie fordert eine grundsätzliche Veränderung in der Gesellschaft. Ihrer Meinung nach sollte der allgemeine Fokus nicht mehr nur auf der Lohnarbeit liegen, sondern Sorgearbeit sollte gleichwertig anerkannt sein. Die ungleiche Verteilung bestimmter Aufgaben hat sie im Bekanntenkreis selbst beobachten können. Freundinnen, die schwanger wurden, sagt sie, rutschten mehr oder weniger automatisch in die Rolle der Organisatorin. Sie planten Termine oder den Einkauf von Babysachen – egal wie gleichberechtigt die Beziehung sonst lief.

Der Sitzstreik am Marienplatz soll nur ein kleiner Auftakt für den Frauenkampftag am Sonntag sein. Dann ruft das „Münchner Aktionsbündnis 8. März“, das von verschiedenen feministischen  Organisationen und Gewerkschaften unterstützt wird, zu einer Kundgebung und Demonstration auf.

kste

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