[object Object]

„Die Partei“-Politiker Martin Sonneborn.

Foto: Reuters/Hannibal Hanschke

Am 1. März hat das Europaparlament über das Verbot von sogenannten  „Konversionstherapien“ gegen Homosexualität abgestimmt. Die sind nämlich sowohl nach deutschem als auch nach EU-Recht noch nicht verboten. 70 Prozent der Abgeordneten im EU-Parlament stimmten für ein Verbot. Gegen ein Verbot stimmte aus Deutschland unter anderem Martin Sonneborn von der Satire-Partei „Die Partei“. Sonneborn hatte in der Vergangenheit immer wieder erklärt, dass er bei Abstimmungen im EU-Parlament grundsätzlich immer abwechselnd mit „Ja“ oder „Nein“ stimme.

Unter anderem schrieb das Magazin queer.de vorgestern, dass Sonneborn homophob sei, weil er bei der Abstimmung um die „Umpoltherapien“ daran festgehalten hat. Wer sowas sagt, hat leider das Prinzip von Satire nicht verstanden. Sonneborn ist nicht homophob, er ist Satiriker. Und Satire ist dazu da, durch Ironie und extreme Übertreibung auf ein gesellschaftliches Problem hinzuweisen.

Sonneborn macht darauf aufmerksam, dass es immer noch Europapolitiker gibt, die denken, Homosexualität sei eine Krankheit

Sonneborn ist nämlich nicht das einzige deutsche Parlamentsmitglied, das gegen ein Verbot von Umpolungs-Therapien gestimmt hat. Mit dabei waren sechs Abgeordnete aus der CDU/CSU. Dazu gehört der Spitzenkandidat der EVP, CSU-Mitglied Manfred Weber. Außerdem zwei Abgeordnete der AfD, darunter Bundessprecher Jörg Meuthen. Dann noch ein Abgeordneter aus der NPD und einer von den Liberal-konservativen Reformern, Bernd Lucke, der 2013 die AfD gegründet hat. Das alles sind richtige Politiker, die von sich sagen, dass sie ihren Job ernst nehmen. Einer davon, Manfred Weber, will EU-Kommisionspräsident werden.

Sonneborn macht durch sein Abstimmungsverhalten darauf aufmerksam, dass es immer noch Europapolitiker gibt, die denken, Homosexualität sei eine Krankheit. Dadurch bewirkt er mehr, als wenn er einfach für das Verbot dieser obskuren „Therapien“ gestimmt hätte. Wir sprechen jetzt nämlich darüber. Es ist auch nicht das erste Mal, dass Sonneborn auf diese Weise mit Homophobie umgeht. 2012 ging er in der „heute show“ mit einem CSU-Mitglied auf Anti-Homo-Ehe-Wahlkampf.

Der „Die Partei“-Landesverband Niedersachsen erklärte in einem Tweet, dass der Antrag in Brüssel auf Verbot von „Konversionstherapien“ nicht weit genug ging und Sonneborn deshalb gegen ihn gestimmt hatte. „Die Partei“ fordere nämlich eine Gefängnisstrafe für Ärzte, die Umpolungstherapien für Lesben und Schwule anbieten:

Dieser Tweet zeigt es vielleicht nochmal ein wenig deutlicher als das Abstimmungsverhalten von Martin Sonneborn: „Die Partei“ ist ein Satireprojekt. Dass sie im EU-Parlament einen Sitz hat, den auch Politiker haben könnten, die ernste Politik machen, kann man gut finden oder nicht. Ich persönlich finde das gut. Denn durch diesen Sitz in Europaparlament reden wir jetzt, mitten im EU-Wahlkampf, öffentlich über Homophobie und die Parteien, die dafür abgestimmt haben.