By Eve - das Modelabel aus dem Kinderzimmer

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

Was darf es denn sein: Samt oder Pelz, blaue Perlen oder braune, Spitze oder Blümchen? Eva Wickerath hat alles im Angebot. Seit einem Jahr verkauft sie selbst gestaltete Sweatshirts – und geht nebenbei zur Schule. Denn die Jungdesignerin aus Mönchengladbach ist erst 17 und macht in eineinhalb Jahren ihr Abitur.

Angefangen hat alles damit, dass ihr gekaufte Pullover und Jacken oft zu langweilig aussahen. Sie besorgte sich Borten und Perlen, um sie zu verzieren, und ungewöhnliche Stoffe, mit denen sie die Kapuzen fütterte. „Dabei kann ich selbst gar nicht nähen“, gesteht sie. „Das musste immer meine Mutter für mich machen.“ Ihre einzigartigen Kleidungsstücke kamen gut an bei Evas Bekannten. Sie hörte so viele Komplimente, dass sie vor etwa einem Jahr beschloss, ein Geschäft daraus zu machen. Seitdem tragen auch andere ihre Modelle, die „Elegance“ oder „Reverence“ heißen. „Ohne meine Mutter hätte ich das nie geschafft“, sagt Eva. „Sie ist Modejournalistin und kennt sich damit aus, wie man so eine Firma aufziehen und vermarkten muss.“ Gemeinsam suchten die beiden nach professionellen Schneiderinnen, die Evas Ideen so umsetzten, wie sie es sich vorstellte. By Eve ist inzwischen eine geschützte Marke – und kommt viel besser an, als die Chefin gedacht hätte. „Ich hatte meine Zielgruppe klar vor Augen: Junge Frauen wie ich, die nach individueller Mode suchen. Dann stellte sich heraus, dass auch ältere Frauen meine Sachen kaufen und sogar Männer, die sie ihren Freundinnen schenken“, sagt Eva. „Im Grunde habe ich also gar keine Zielgruppe.“ Einen Großteil ihrer Ware verkauft sie über ihre Internetseite. „Wer möchte schon in die ganzen Läden rennen, wenn er im Netz auf einen Blick eine viel größere Auswahl haben kann?“, sagt Eva. Sie ist in mehreren Mode-Communities angemeldet und liest Weblogs, in denen „ganz normale Menschen“ regelmäßig Fotos von ihren Outfits präsentieren. „Das ist nicht so affektiert wie in den Hochglanzzeitschriften“, findet Eva. „Dort bekomme ich die meisten Ideen.“

Die Authentizität der Fashionblogs versucht sie zu übernehmen, indem sie für ihre Werbefotos auf professionelle Models verzichtet. Stattdessen lichtet sie lieber sich selbst ab. Die Bilder von ihrer Sweatshirtlinie entstanden zuhause im Schlafzimmer, mithilfe von „Trittleiter, Selbstauslöser und einem Scheinwerfer aus dem Keller, mit dem man eigentlich unter Autos leuchtet.“ Das alles steht für Evas klares Verständnis von Mode. „Sie soll nicht verkleiden oder irgendeinem Trend hinterher hecheln“, sagt sie. „Es ist vielmehr wichtig, seinen eigenen Trend zu finden.“ Dafür reist Eva zu Stoffmessen in Deutschland, nach Paris und Mailand, um ihre „Zutaten“ zu besorgen. „Wenn man das alles sieht, kombinieren die sich ganz von allein“, sagt sie. Natürlich seien nicht all ihre Einfälle umsetzbar. „Manchmal entwickelt man super extravagante Ideen. Ich wollte zum Beispiel schon mal eine Jacke komplett von außen füttern – da muss man sich dann selbst stoppen.“

Inzwischen hat sie ihr Label sogar schon auf zwei Modemessen vorgestellt. „Ich war früher mit meiner Mutter auf solchen Messen und habe immer davon geträumt, einmal meine eigenen Entwürfe dort auszustellen. Dass das so schnell geht, hätte ich aber nicht mal im Traum gedacht“, erinnert sich Eva. Sie musste jedoch auch erkennen, dass nicht alles traumhaft ist, was mit Mode zu tun hat. „Das Business ist knallhart. Auf den Messen laufen Trendscouts herum, die heimlich fotografieren. Da kann man leicht auf die Nase fallen.“ Trotzdem ist ihr Ziel, eines Tages eine professionelle Designerin zu werden. Nach dem Abitur würde Eva am liebsten am renommierten Saint Martin’s College of Art and Design in London studieren. Vorher sind aber noch ein paar neue Klamotten für ihr Label geplant: „Als nächstes wird es T-Shirts geben. Ich experimentiere gerade mit Graffiti und die Farben halten viel besser als ich dachte.“ Auch eine eigene Kinderkollektion würde Eva gern irgendwann herausbringen, weil man da „noch verspielter sein kann“, wie sie sagt. Nur vor einer Herrenlinie drücke sie sich noch. „Als Mädchen weiß ich, was man bei weiblicher Mode riskieren kann“, erklärt sie. „Aber Spitze und Blümchenmuster würden bei Jungs bestimmt nicht so gut ankommen.“

Text: eva-schulz - Bilder: privat

  • teilen
  • schließen