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Basishelden: Daniel will Darfur retten

Macht kommt von machen. Deshalb stellen wir in unserer Macht-Kolumne "Basishelden" Menschen vor, die ihre Trägheit überwunden haben und sich politisch engagieren, um an der Basis etwas zu verändern. Daniel Fallenstein macht gerade ein Urlaubssemester und arbeitet bei Fairplanet als Social Media Manager. Die Firma betreibt zusammen mit der Gesellschaft für bedrohte Völker das Projekt RettetDarfur.de. Auf der Homepage berichtet Daniel in einem Blog über den Konflikt im Westsudan und den Genozid an der dortigen Bevölkerung, der hierzulande - anders als in den USA, wo Stars wie Angelina Jolie und George Clooney auf den Konflikt aufmerksam machen - in den klassischen Medien nur selten auftaucht. Viel zu tun also, weshalb es wohl auch in den nächsten Semestern nichts mit dem Studium wird. jetzt.de sprach mit Daniel über den Konflikt, sein Blog und das Anliegen von rettetDarfur.de
christoph-gurk
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Hast du den Eindruck, dass deutsche Medien genug über den Darfur Konflikt berichten? Nein, gar nicht. Vor allem wenn man bedenkt, dass dort gezielt gemordet wird und der Konflikt von der dortigen Regierung ständig angefacht wird. Für deutsche Medien ist Darfur dennoch uninteressant. In England ist das anders: Dort wird viel mehr berichtet und es werden neue Hintergründe gebracht – die dortige Regierung wird so viel mehr unter Druck gesetzt. Woran liegt das? Da bin ich ehrlich gesagt selbst ratlos. Der Libanon-Krieg mit wenigen hundert Toten hat Schlagzeilen gefüllt, aber die Hunderttausenden im Sudan haben keine Katze hinterm Ofen vorgelockt. Meinst du, die Leute wollen nichts mehr über den Darfur Konflikt hören? Nein, denn den meisten muss man erstmal erklären, was Darfur eigentlich ist und wo es liegt. Viele wissen also gar nichts über den Konflikt. Es gibt aber auf jeden Fall Interesse. Das merkt man auch, wenn man mit den Leuten spricht. Hast du deshalb dein Blog auf RettetDarfur.de angefangen? Wir wollten uns an den Erfolgen ähnlicher Kampagnen in den USA orientieren. Ihnen ist es durch Blogs und verschiedene Aktionen gelungen, die amerikanische Regierung auch gegen andere Interessen dazu zu zwingen, das Regime in Karthum unter Druck zu setzen. In dem Blog wollen wir vor allem über den Konflikt informieren, dazu gibt es auch Gastbeiträge von Experten und Wissenschaftlern. Außerdem soll unsere Arbeit dokumentiert und dargestellt werden. Das Tolle an einem Blog ist ja, dass er an kein Thema gebunden ist. Nachrichten und Informationen bekommen so eine viel persönlichere Note.

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Screenshot einer Google Earth-Aufnahme von Darfur. Google hat zusammen mit dem Holocaust-Museum in Washington ein Projekt gestartet, um den Bürgerkrieg in der sudanesischen Krisenregion mehr ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit zu rücken. Was wollt ihr mit RettetDarfur.de erreichen? Wir wollen über Öffentlichkeit gezielt Druck auf die Politik ausüben. Wir machen das aber nicht mit Protestmärschen, sondern mit Videoclips auf Veranstaltungen oder im Fernsehen. Mit den Clips wollen wir den Menschen zeigen, wie es wäre, wenn ihnen so etwas wie der Bevölkerung in Darfur zustoßen würde - allerdings ohne dabei die bewaffnete, brutale Reitermiliz Janjaweed, blutende Opfer oder andere Schockbilder zu zeigen. Daneben gibt es seit zwei Monaten das Blog, in dem ich über die momentane Situation informiere. Wie ist denn die aktuelle Situation im Sudan? So schlecht wie immer, man kann es leider nicht anders nennen. Das Problem ist, dass die Konflikte sich auf die Nachbarländer des Sudans ausweiten. In den Flüchtlingslagern der Zentralafrikanischen Republik und des Tschad kommt es deshalb immer wieder zu Massakern. Wer sind die Bösen? Die Bösen sind die Rebellenführer oder Personen in Karthum, die wissentlich und mit böser Absicht dafür sorgen, dass die Janjaweed ganze Dörfer massakrieren können. Oft lassen sie diese Angriffe dann auch noch mit Flächenbombardements begleiten.

  • 454335

Foto des Jahres 2006: Kämpfer der Sudanese Liberation Army während einer Militär-Übung 2006 China unterstützt den Sudan politisch und finanziell, um dafür die reichen Ölreserven des Landes ausbeuten zu können. Ist es nicht frustrierend, wenn die politische Arbeit erfolglos bleibt, weil ein Land gerade Öl braucht und eben doch mit der Regierung in Karthum zusammenarbeitet? Einerseits ist China ein Land, dem solche Dinge mächtig egal sind. Andererseits sind die Olympischen Spiele in Peking ein extrem wunder Punkt. Und den kann man mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit sehr gut treffen. Mia Farrow hat Steven Spielberg zum Beispiel wegen seines offiziellen Olympia-Films als Leni Riefenstahl der Pekinger Spiele bezeichnet. Spielberg hat daraufhin Druck auf die Chinesische Regierung ausgeübt. Letztendlich folgte eine Ermahnung Chinas an die Regierung des Sudans. Aber was kann man tun, wenn man nicht Steven Spielberg oder Mia Farrow ist? Man kann einfach die Petitionen auf unserer Homepage unterschreiben und an Frau Merkel beziehungsweise an Herrn Steinmeier senden. Was für Aktionen habt ihr für die Zukunft geplant? Wir werden an einer internationalen „Divestment Kampagne“ teilnehmen. Divestment ist das Gegenteil von Investitionen, dabei sollen Fonds und große Finanzhändler, die mit Ölförderern im Sudan oder mit Waffenhändlern Geschäfte machen, öffentlich bloßgestellt werden und aufgefordert werden damit aufzuhören. Und wann könnt ihr nach Hause gehen? Wenn die Bundesregierung ihren Worten Taten folgen lässt und es so macht wie andere Staaten, die persönliche Sanktionen gegen Verantwortliche in Karthum verhängen. Wichtig ist dabei, dass es keine Kollektivstrafen gibt. Viel mehr muss man die Täter gezielt treffen, also zum Beispiel ihre Konten einfrieren und sie in Den Haag anklagen. Was habt ihr bisher erreicht? Schwer zu sagen. Angela Merkel redet neuerdings über Darfur. Wieviel das mit uns zu tun hat, wissen wir natürlich nicht. Doch zumindest steht der Konflikt auf der Agenda. Und wir machen so lange weiter, bis dort auch konkrete Maßnahmen stehen. Amnesty International zeigt im Internet Satellitenaufnahmen aus Darfur, auf denen Vorher-Nachher-Bilder von überfallenen und zerstörten Dörfern zu sehen sind. Fotos: privat, dpa, Reuters

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