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Das ist: Schwester Mirjam, die Business-Nonne

Neben der Bibel studierte sie Business Law – mit dem besten Abschluss, den es an ihrer Uni je gab.
Von Max Sprick
  • schwester mirjam
    Foto: Hans-Günther Kaufmann

Das ist...

Schwester Mirjam, 35, Nonne und beste Absolventin der Wiesbaden Business School an der Hochschule RheinMain. 2009 ist sie ins Benediktinerinnen-Kloster St. Hildegard eingetreten, jetzt hat sie ihr Bachelor-Studium in Business & Law mit 1,0 abgeschlossen. Einem Misch-Studiengang aus BWL und Jura. Nach neun Semestern – eins über der Regelstudienzeit, weil sie ihr Pflichtpraktikum verlängert hatte. Bei der Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft KPMG in Frankfurt. Doch statt mit ihrem Top-Abschluss einen Job anzunehmen wie ihre Kommilitonen, die klassisch Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater werden, arbeitet sie künftig in der Verwaltung ihres mehr als 800 Jahre alten Klosters. Dort kümmert sie sich um Finanzen und Steuerangelegenheiten. „Jede Schwester hier muss ja ihren Teil dazu beitragen, dass es mit der langen Tradition unserer Abtei weitergeht“, sagt Mirjam. 

Die kann...

Geistiges und Weltliches perfekt kombinieren. "Unser Tagesrhytmus im Kloster ist immer gleich", sagt sie. Um 5:30 Uhr wird die Morgenhore Laudes gesungen, nach etwas Freizeit folgt die Morgenmesse, um 12 dann die Mittags-Hore und das Mittagessen. Um 17:30 Uhr wird wieder gebetet, nach dem Abendessen um 19:20 Uhr noch einmal. "Dieser Rhytmus war für mein Studium eine große Hilfe", sagt Mirjam – der geregelte Tagesablauf sei für sie ein optimaler Rahmen gewesen, um kontinuierlich für die Prüfungen zu lernen. In denen hat sie übrigens schon auch mal eine 1,3 oder 1,7 geschrieben. Auf die Bachelor-Thesis gab es aber die glatte 1,0. Darin beschäftigte Mirjam sich mit dem Controlling einer Non-Profit-Organisation – sie spielte einmal durch, wie das Controlling-Model für ein Kloster aussehen könnte. "Jedes Kloster hat typische Business-Strukturen und ist so in die weltliche Wirtschaft integriert", sagt sie. Für ihre Prüfer war das alles andere als alltäglich. "Sie haben mich aber super dabei betreut."

Die kommt... 

Eigentlich aus der Nähe von Bremerhaven. Ursprünglich hatte sie an der Uni Göttingen Geschichte studiert, verbrachte dann ein Jahr im französischen Dijon und kaufte dort eine CD des Kloster-Chors vom Hildegardis Kloster. "Da habe ich mich in Choral und Kloster verliebt." Als ihr Entschluss dann feststand, Nonne zu werden, sei es ihr nicht schwer gefallen, den auch umzusetzen. 2009 trat sie den Benediktinerinnen bei. "Einige in meinem Umfeld hatten das schon erwartet, andere waren sehr überrascht", sagt sie. Heute fühlt Mirjam sich angekommen. "Ich hatte vorher immer das Gefühl, dass noch etwas fehlt, dass es noch mehr geben muss und ich auf etwas antworten muss", sagt sie. Außerdem seien die Herausforderungen des Klosterlebens viel umfassender, als ihr Leben anderswo wäre.

Die geht... 

Offen mit ihrem Glauben um. Gut, es bleibt ihr auch wenig anderes übrig, mit ihrer Ordenstracht sticht sie ja unter den normal gekleideten Studenten an der Hochschule raus. "Einige dachten am Anfang, ich sei eine Seelsorgerin und zur psychischen Unterstützung da." Viele ihrer Kommilitonen habe das Thema Religion interessiert – auch die muslimischen. "Im Gespräch mit ihnen haben wir oft festgestellt, dass Christentum und Islam viele Gemeinsamkeiten haben", sagt Mirjam.

Wir lernen daraus... 

Dass Geistliche alles andere als weltfremd leben und nicht nur die Bibel studieren. "Für jeden Bereich in unserem Kloster braucht es ja jemanden, der sich damit auskennt", sagt Mirjam. Zwei ihrer Mit-Schwestern habe deswegen auch eine ganz klassische Ausbildung zur Winzerin gemacht, um im Kloster-eigenen Weingut zu arbeiten.

Nur Google weiß... 

Dass die Benediktinerinnenabtei einen eigenen Facebook-Auftritt pflegt, auf dem sie regelmäßig vom Kloster-Leben berichtet. Und mehr als 4000 Followern gefällt das.

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