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Studie: Kommunikation in sozialen Medien macht nicht einsam, sondern geselliger

Das behaupten Forscher der Uni Stuttgart-Hohenheim – und widerlegen damit vermeintlich ein altes Klischee.
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    criene / photocase.de

Wenn der anstrengende Onkel auf der Familienfeier, der nostalgie-versessene Zeitungsredakteur oder dein neugeborener esoterischer Mitbewohner über soziale Netzwerke und Messenger wie Whatsapp sprechen, sind sie sich in einer Sache absolut einig: Die ständige Kommunikation auf dem Smartphone zieht jeden sofort in ein schwarzes Loch der Einsamkeit. Sie kappt die Seile zur realen Welt und zwingt zu einem traurigen Dasein in selbstgewählter Facebook-Isolationshaft, fernab von realen Menschen und Freunden. Forscher der Universität Stuttgart-Hohenheim haben nun das Gegenteil herausgefunden: Wer sich viel in sozialen Medien und Messengern unterhält, wird nicht einsam, sondern geselliger. 

Befragt wurden dazu 460 Frauen und Männer, die an zwei Zeitpunkten im Abstand von einem halben Jahr Auskunft zu ihrem Kommunikationsverhalten in sozialen Medien, Messengern und von Angesicht zu Angesicht geben mussten. Außerdem wurden sie zu ihrer allgemeinen Zufriedenheit und Einsamkeitsgefühlen befragt.

Der Medienpsychologe Dr. Tobias Dienlin ist einer der drei Hauptverantwortlichen der Studie. Er sagt: „Unsere Ergebnisse zeigen: Die ,echte' Kommunikation von Angesicht zu Angesicht leidet nicht unter Messengern und Social Media. Im Gegenteil: Wer diese Mittel nutzt, um mit seinem Umfeld in Kontakt zu bleiben, spricht mit Freunden und Bekannten langfristig auch im echten Leben öfter.“

 

Und die Einsamkeit, die unendliche Tristesse der ins Digitale entrückten Jugend? Dass Nutzer sozialer Medien sich weniger von Angesicht zu Angesicht austauschen oder eine erhöhte Einsamkeit empfinden, konnten die Forscher nicht feststellen. Und: „Im Vergleich der zwei Zeitpunkte haben wir bemerkt, dass die aktiven Nutzer von sozialen Medien zufriedener werden und Aussagen wie ,Ich bin mit meinem Leben zufrieden' oder ,In den meisten Bereichen entspricht mein Leben meinen Idealvorstellungen' sogar eher zustimmen“, sagt Dienlin.

 

Klingt ja alles ganz hervorragend. Aber haben nicht andere Studien das Gegenteil belegt? Erst im März berichteten wir an dieser Stelle von einer US-Studie, die den Zusammenhang von Isolation und sozialen Medien belegen soll. „Die Forschungsergebnisse in diesem Feld sind bisher tatsächlich sehr unterschiedlich ausgefallen, je nach Forschungsschwerpunkt“, sagt Dienlin.

 

Die angesprochene US-Studie habe sich allerdings mit der auf sozialen Medien verbrachten Zeit insgesamt befasst, nicht mit der dort stattfindenden Kommunikation. Das passive Durchklicken von anderen Profilen könne natürlich Neid, Missgunst und auch Einsamkeit auslösen. Aber andere Studien hätten eben auch gezeigt, dass soziale Medien oft auch ein Weg aus der Einsamkeit sein können – zum Beispiel, um Anschluss in einer neuen Stadt zu finden, oder Gleichgesinnte für einen gemeinsamen Studiengang oder Freizeitaktivitäten.

 

„Natürlich sollen unsere Forschungsergebnisse nun nicht dazu anregen, sich täglich 24 Stunden auf Facebook aufzuhalten, um glücklicher zu werden“, sagt Dienlin. Es sei bei sozialen Medien letztendlich wie mit allen anderen Dingen auch: Je exzessiver man etwas betreibe, desto potentiell gefährlicher werde es.

 

qli

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