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"Ich will irgendwo ankommen und weiß nicht wo"

Pola Becks Film "Am Himmel der Tag" läuft ab Donnerstag im Kino. Im Interview spricht sie über das Tabuthema "stille Geburt" und die Sehnsucht nach einem richtigen Leben.
kathrin-hollmer

Pola Beck, 30, hat Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen „[link=http://www.hff-potsdam.de/" target="_blank">Konrad Wolf“ in Potsdam studiert. Ihre Kurzfilme wurden auf mehr als 60 Festivals gezeigt und mit Preisen ausgezeichnet. „[link=http://am-himmel-der-tag.de/" target="_blank">Am Himmel der Tag“ ist ihr erster Langfilm. Darin geht es um die 25-jährige Lara (Aylin Tezel), die ihren Eltern zuliebe Architektur studiert und kein wirkliches Ziel im Leben hat. Sie wird ungewollt schwanger und merkt, dass ihr Leben zum ersten Mal einen Sinn hat. Als ihr Kind im sechsten Monat stirbt, behält sie das tote Baby im Bauch und spielt ihrem Umfeld weiter die Schwangere vor.
Wir haben mit Pola Beck über ihren Film, das Tabuthema „stille Geburt“ und „Mitte-20-Dinge“ gesprochen.

jetzt.de: Pola, warum hast du dir für deinen Abschlussfilm an der Filmhochschule das Thema „stille Geburt“ ausgesucht?
Pola Beck: Ich hätte mir das so nicht ausgesucht, das Thema ist zu uns gekommen. Der Drehbuchautor Burkhardt Wunderlich ist vor vier Jahren mit einem Kurzfilmdrehbuch zu mir gekommen. Ursprünglich ging es um ein Mädchen, das ungewollt schwanger wird und dann das Kind verliert. Als eine Produktionsfirma dazukam, die meine Kurzfilme toll fand, haben wir beschlossen, daraus einen Langfilm zu entwickeln.

Wie seid ihr dann auf das Thema „stille Geburt“ gekommen?
Wir haben recherchiert, was mit Kindern passiert, die im sechsten, siebten oder achten Monat im Bauch sterben, und haben gemerkt, dass es keinen Film über dieses Thema gibt. Ich habe nur einen einzigen Film gefunden, in dem eine schwangere Frau Drogen nimmt und ihr Kind dann tot auf die Welt bringen muss.

“. Wie  kam es zu dem neuen Titel?
Der RBB, unser Co-Produzent, hat schon einen Dokumentarfilm mit diesem Titel. Ich hätte ihn nie geändert, aber die haben darauf bestanden. Wir haben viele Himmelbilder im Film und das Ende ist so hoffnungsvoll, Lara und Elvar (Tómas Lemarquis) liegen am Boden und schauen nach oben. „Am Himmel der Tag“ steht für Hoffnung, man wacht auf und die Welt dreht sich weiter.   

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                                              Pola Beck

Wie kam das Projekt auf „Startnext“ an?
Wir haben dadurch 1.000 Euro bekommen, wenn man mindestens 300.000 Euro braucht, ist das nur ein sehr kleiner Teil. Isabell Suba hat für ihr Projekt „Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste[/link]“ ein richtiges Marketing-Ding hingelegt und fast 9.000 Euro bekommen, das war aber auch so ein Kamikaze-Projekt. So ein üblicher Spielfilm ohne bekannte Darsteller funktioniert auf diesen Plattformen weniger.  Damals war auch Aylin Tezel noch nicht so bekannt. Und es gibt ja auch Förderungen, das wissen die Leute.

Wie habt ihr die Nachricht aufgenommen, dass eure Hauptdarstellerin Aylin „Tatort“-Kommissarin wird?
Das kam während der Dreharbeiten heraus, damals habe ich noch gar nicht darüber nachgedacht, was das bedeuten wird, jetzt helfen uns ihre Popularität und die Presse natürlich. Und für sie ist es toll, weil es ihre erste richtige Kinohauptrolle ist und sie als Schauspielerin ernst genommen wird.  

Wie geht’s jetzt weiter?  
Am Donnerstag läuft der Film im Kino an, danach bin ich bei einigen Festivals, in Turin, in Regensburg und auf dem „Plus Camerimage“ in Polen. Ich schreibe an einem neuen Spielfilm. Und ich habe noch einen Dokumentarfilm in der Schublade, für den ich noch recherchieren muss.

Kannst du schon verraten, worum es dabei gehen wird?
In der Doku geht’s um die Großeltern- und Enkelgeneration, wie sich das Verhältnis zur Liebe verändert hat. Im Spielfilm erfährt ein Mädchen mit 27, dass ihre Eltern seit Jahren ein Parallelleben als Drogendealer führen. Die Eltern kommen in den Knast und sie muss Verantwortung für ihre Eltern übernehmen. Das ist eine wahre Geschichte von einer Freundin von mir.

Bei der Premiere in Berlin, den Hofer Filmtagen und beim Zürich Film Festival hast du schon miterlebt, wie die Zuschauer deinen Film aufnehmen. Wie hat sich das angefühlt?
Es war komisch. Im Kino habe ich gesehen, dass viele Tränen in den Augen hatten und ihre Taschentücher herausgeholt haben, manche haben auch ein bisschen geschnieft. Ich bin froh, dass mir viele danach gesagt haben, sie haben so geweint, das war so schön, andere haben gesagt, sie sind richtig glücklich, obwohl der Film auch traurig ist, und, dass er sie total überrascht und berührt hat. Das ist für mich das Allerwichtigste an einem Film.

Würdest du die Leute lieber zum Lachen bringen?
Das Gute ist, dass sie im ersten Teil des Films lachen. Und dann weinen sie.

„Am Himmel der Tag“ läuft ab Donnerstag, 25.11., in ausgewählten Kinos, u.a. in Berlin (Babylon, Ladenkino, UCI Colosseum, Sputnik), Hamburg (UCI Mundsburg) und Köln (UCI). Weitere Kinos und mehr Infos gibt's hier[/link].

Text: kathrin-hollmer - Fotos: ALINFilmproduktion, privat

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