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"In Osteuropa gibt es auch gute Unis"

Erasmus wird 25 Jahre alt. Das Austauschprogramm gilt immer noch als Synonym für ein Semester in Spanien oder Frankreich. Ist das noch so? Ein Interview mit Siegbert Wuttig vom DAAD.
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Siegbert Wuttig ist als Direktor der Nationalen Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) Deutschlands oberster Erasmus-Beauftragter.

jetzt.de: Wie sieht der typische Erasmus-Student aus?
Siegbert Wuttig: Der typische deutsche Erasmus-Teilnehmer ist weiblich, studiert Wirtschaftswissenschaften und geht nach Spanien. In der Regel kommen die Studenten aus dem fünften Semester und bleiben für ein Semester. In den wirtschafts-, sozial- und geisteswissenschaftlichen Fächern haben wir überdurchschnittlich viele Teilnehmer, in den MINT-Fächern, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, dagegen noch zu wenig.  

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Das Studentenaustauschprogramm Erasmus wird 25 Jahre alt.

Warum ist das Interesse bei den MINT-Fächern so gering?
Zumindest für Informatiker und Ingenieure sind die guten Beschäftigungschancen – Stichwort Fachkräftemangel – sicher ein Grund für ein schnelles Studium ohne Auslandserfahrung. Allerdings dürfte sich das mit zunehmender Internationalisierung der Arbeitsteams und der Unternehmen ändern.

Welche Länder kann man generell besuchen?
Alle 27 EU-Länder sowie Island, Kroatien, Liechtenstein, Norwegen, die Schweiz  und die Türkei.  

Wie lange dauert die Teilnahme am Erasmus-Programm?
Die Studenten können drei bis zwölf Monate ins Ausland gehen, durchschnittlich bleiben sie ein Semester. Das ist auch nach der Umstellung auf Bachelor und Master nicht viel anders. Erasmus-Praktikanten bleiben in der Regel vier bis fünf Monate.  

Welche Auswirkungen hatte die Bachelor- und Master-Umstellung?
Seit der Einführung schauen die Studenten mehr darauf, ob ein Auslandsaufenthalt ins Studium integrierbar ist. Früher blieb man auch einmal ein ganzes Jahr, nun hat es sich gefestigt, dass die meisten ein Semester bleiben. Wir haben bei den Bewerbern 2007 und 2008 eine Stagnation festgestellt, es ist aber schwierig, das in Verbindung mit dem Bologna-Prozess zu bringen, weil die Umstellung auf Bachelor und Master schon Ende der neunziger Jahre begann. Wir erklären es uns mit einer kurzzeitigen Verunsicherung. Inzwischen kommen aber 70 Prozent der Erasmus-Studenten aus Bachelor- oder Master-Studiengängen und ihr Anteil steigt weiter.  

Wer bestimmt, wie viele Studenten in welches Land dürfen?
Die Hochschulen entscheiden, wie viele sie schicken und mit welchen Städten bzw. Hochschulen sie Partnerschaften eingehen. Jede Hochschule muss abwägen, wie viele sie fördert. Unsere Vorgabe ist, jedem Teilnehmer maximal 300 Euro im Monat zu zahlen. Viele zahlen weniger, um dafür mehr Studenten fördern zu können.  

Wie ist aktuell die Nachfrage bei den Erasmus-Stipendien?
In diesem Jahr haben wir zum ersten Mal mehr als 30.000 deutsche Studierende gefördert. Unser Ziel war, bis zum Ende der Programmphase 2013/14 europaweit drei Millionen Studenten zu fördern, bereits jetzt haben wir 2,5 Millionen erreicht. Zu unserer Jubiläumsfeier im Sommer werden wir den 400.000sten deutschen Erasmus-Studenten ehren können.  




Gehen die meisten immer noch nach Spanien und Frankreich?
Die beiden Länder liegen immer noch vorne. Schweden wird immer beliebter und hat sogar Italien von Platz vier verdrängt. Wir erklären es uns damit, dass es in Schweden viele englischsprachige Studiengänge gibt. Nach Großbritannien würden noch deutlich mehr deutsche Studierende wollen. Da aber der Austausch ausgewogen sein soll und weniger britische Studierende nach Deutschland gehen wollen als ihre deutschen Kommilitonen nach Großbritannien, ist das nicht so einfach.  

Wie beliebt ist Deutschland für Erasmus-Studenten aus dem Ausland?
Wir belegen momentan Platz drei. Besonders beliebt ist Deutschland seit 2007 für ausländische Praktikanten. Seit dieser Zeit kann man im Rahmen von Erasmus nicht nur im Ausland studieren, sondern auch Praktika machen. Da bemerken wir speziell in Deutschland einen Zuwachs in der Nachfrage, weil die Wirtschaft und Ausbildung hier gut sind.  

Welche Länder sind weniger gefragt?
Nach wie vor die Länder in Mittel- und Osteuropa. Darum starten wir viele Infokampagnen, um mehr Deutsche zu motivieren. Dort gibt es auch gute Unis, das wissen hier nur wenige. Meist fehlt es an Informationen, darum müssen wir da noch mehr tun.  

Bekommt ein Erasmus-Student mehr Geld, wenn er in ein osteuropäisches Land geht und nicht nach Spanien?
Nicht unbedingt. Die Hochschulen setzen die Stipendien fest, die finanzielle Förderung ist also nicht länderspezifisch festgesetzt. Der DAAD empfiehlt aber, dass Studenten, die nach Osteuropa gehen, mehr Geld bekommen sollten. Das würde mehr Anreize schaffen, dort hinzugehen. Generell bekommt ein deutscher Erasmus-Student im Ausland im Schnitt 206 Euro pro Monat, Praktikanten 352 Euro.  

Gibt es andere Fördermöglichkeiten des DAAD für Osteuropa?
Es gibt eine Reihe von DAAD-Programmen, die einen Studien- oder Praxisaufenthalt in Osteuropa unterstützen, unter anderem auch das zu Erasmus komplementäre "Promos"-Programm, das die Mobilität von deutschen Studierenden durch Studien-, Praxis- und Sprachaufenthalte mit Teilstipendien, Reisekosten- und Kurgebührenpauschalen weltweit fördert.  

Gehen inzwischen mehr Leute nach Osteuropa?
Ja, auch wegen unserer Kampagnen wie „Go EAST!“ und bilateralen Seminare in den Ländern sind die Zahlen gestiegen – das kann aber gerne noch mehr werden.  

Welche Erfahrungen machen die Teilnehmer dort?
Sie kehren begeistert zurück, haben ein neues Land, eine andere Sprache und neue fachliche Erfahrungen gemacht. Oft helfen sie nach der Rückkehr, andere Studierende für einen Aufenthalte in diesen Ländern zu motivieren. Nicht selten kehren manche der ehemaligen Erasmus-Geförderten nach dem Studium in das Gastland zurück, um Freunde wieder zu sehen oder sogar eine Zeit lang dort zu arbeiten.

Text: kathrin-hollmer - Foto: dpa

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