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Die meisten Flüchtlinge in Deutschland haben keinen Zugang zu schnellem Internet. Chu Eben will das ändern. Er schließt Internetverträge mit Asylbewerberheimen und richtet dort Computerräume ein.
pia-rauschenberger
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Für die meisten Menschen in Deutschland ist Internetzugang eine Selbstverständlichkeit. Für Flüchtlinge nicht. In den meisten Flüchtlingsheimen gibt es kein Wlan. Rechtlich sind die Landkreise dafür zuständig, die finden allerdings oft Ausreden, warum es nicht nötig sei, dass Flüchtlinge in Übergangsheimen Zugang zum Internet haben. Die Initiative Refugees Emancipation engagiert sich für eine bessere Internetversorgung von Flüchtlingen in Brandenburg. Wir haben mit dem Gründer der Initiative, Chu Eben, 47, gesprochen.

jetzt.de: Warum ist Internetzugang für Flüchtlinge so wichtig?
Chu Eben: Die Frage muss eigentlich lauten: Warum ist Internet für die Menschen so wichtig? Heute ist Internetzugang eben wichtig. Flüchtlinge bilden da keine Ausnahme, für sie ist es sogar noch wichtiger als für andere Menschen. Weil sie gerade erst hier angekommen sind, noch niemanden kennen, um mit ihrer Familie in Kontakt zu bleiben, um sich über das Asylrecht zu informieren und auch über das Land, in dem sie jetzt sind. Außerdem kann man online auch Deutsch lernen.  

Viele sagen, dass Flüchtlinge auch in Internetcafés, öffentlichen Bibliotheken oder bei McDonald’s im Internet surfen könnten.
Viele Heime liegen einfach zu weit weg von Orten mit Internetcafés und Bibliotheken. Sehr oft sind die Heime sehr weit abgelegen vom Ortskern, die Fahrt bis zum nächsten Internetcafé können sich viele nicht leisten.    

Du warst selbst ein Flüchtling und hast in dieser Zeit deine Initiative gegründet. Wie kamst du dazu?
Ich habe sieben Jahre in einem Heim gewohnt und in dieser Zeit das Projekt mit der Internetversorgung angefangen. 2004 habe ich eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Es war damals teuer, über das Handy mit der Familie zu telefonieren, ich hatte keine Mail-Adresse. Ich habe mich in dieser Zeit sehr isoliert gefühlt. Studenten haben mir ermöglicht, das Internet zu nutzen, das war eine große Erleichterung.  

Wie ist die Situation in den Heimen?
Die meisten Menschen wohnen da ja nur übergangsweise. Das heißt, sie können keinen normalen DSL-Anschluss beantragen. Mit den mobilen Geräten, die die meisten Flüchtlinge haben und nutzen, kommt man nicht so weit. Man braucht einen soliden Internetanschluss, das sollte nicht als Luxus, sondern als Notwendigkeit angesehen werden. Wir arbeiten ja nur in Brandenburg, aber deutschlandweit haben weniger als fünf Prozent der Flüchtlinge Zugang zum Internet. Es ist wichtig, dass wir alle Flüchtlinge mit einem Internetanschluss versorgen. Wir wollen Verträge mit den Heimen abschließen und dort Computerräume einrichten. Wir sammeln Spenden für die Computer und installieren Linux darauf. Der Internetverbindung, die wir dort aufbauen, können wir vertrauen. Dem Heim oft nicht.

Wie meinst du das?
Weil sie dem Amt Informationen weitergeben. Die Heimleitungen vertrauen den Flüchtlingen nicht, deshalb erlauben sie den Flüchtlingen oft nicht mal, kurz das Internet in ihrem Büro zu benutzen. Sie sagen: „Du könntest ja ein Salafist sein!“.  

Welche Probleme gibt es noch?
Grundsätzlich merke ich, dass die Politik das Problem der Internetversorgung von Flüchtlingen nicht wirklich beheben will. Vielleicht haben die Leute Angst, dass sich die Flüchtlinge im Internet zu einem politischen Widerstand organisieren könnten. Viele Heime wollen nicht, dass wir das umsetzen. Manche sagen, sie hätten keinen Raum für so etwas übrig. Oder dass es ja schon einen Gemeinschaftsraum gebe, wo man dann aber keine Computer aufbauen darf. Außerdem brauchen wir viele Freiwillige für unser Projekt. Das Problem ist ja nicht nur der Internet-Zugang.  

Sondern?
Während des gesamten Asylverfahrens werden die Flüchtlinge isoliert. Wir wollen nicht nur Internetzugang gewährleisten, sondern einen Ort schaffen, an dem man sich austauschen kann. Deshalb auch die Idee mit den Computerräumen, in denen man sich treffen und voneinander lernen kann. Wir organisieren Computerkurse und zeigen, wie man sich eine Wohnung sucht. Für viele Flüchtlinge ist es der einzige Ort, wo die Zersplitterung in die verschiedenen Gruppen im Heim aufgehoben wird.  

Inwiefern Zersplitterung?
Oft verbringen Syrer nur Zeit mit Syrern und Libyer Zeit mit Libyern. In unseren Räumen können sie sich kennenlernen. Wir sehen, dass bei diesen Begegnungen viel Wissen ausgetauscht wird. Das Internet erlaubt den Flüchtlingen, über ihre Situation in den Heimen zu berichten. Umgekehrt bringt die Anwesenheit der Freiwilligen in den Heimen die Heimleiter dazu, sich besser zu verhalten, weil sie wissen, dass jemand von außen sieht, in welchem Zustand ihr Heim ist. Die Flüchtlinge sollen in der Gesellschaft mitreden können. Damit die Gesellschaft auch von ihnen lernen kann.

Chu Eben

Text: pia-rauschenberger - Illustration: Katharina Bitzl; Foto: privat

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