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St. Pauli pinkelt zurück!

Wo viel getrunken wird, wird viel gepinkelt. Deshalb sind die Hauswände in St. Pauli häufig gelb und nass. Jetzt wehren sich Anwohner und Immobilienbesitzer und pinkeln zurück.
simon-hurtz

Jedes Jahr ziehen über 20 Millionen Touristen durch den Hamburger Stadtteil St. Pauli und feiern. Den Kneipenbesitzern gefällt das, den Hausbesitzern eher weniger. Denn feiernde Menschen sind meist trinkende Menschen, und trinkende Menschen werden über kurz oder lang zu pinkelnden Menschen. Die Kombination aus steigendem Alkoholpegel und steigendem Harndrang hinterlässt häufig unappetitliche gelbe Spuren an der nächstgelegenen Hauswand.

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Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel. 

Damit soll jetzt Schluss sein, zumindest wenn es nach Julia Staron geht. Als Quartiersmanagerin der Reeperbahn setzt sie sich für die Interessen der Grundeigentümer und Gewerbetreibenden im Stadtteil ein und hat in den letzten Wochen die die Aktion "St. Pauli pinkelt zurück!" betreut.

 

Ein spezieller Lack (weitere eindrückliche Anwendungsbeispiele) verwandelt Hauswände in Fallen für die Wildpinkler. Wer an eine der imprägnierten Wande uriniert, sollte sich vorsorglich Gummistiefel anziehen – denn die wasserabweisende Beschichtung lässt den Urin zurückspritzen. Wir haben Julia Staron angerufen und gefragt, ob St. Pauli schon trockengelegt ist.           

jetzt.de: Vom Medienecho abgesehen – gab es schon erste Erfolge? Suchen sich die Wildpinkler jetzt Bäume statt Wände?

Julia Staron: Noch nicht, die Aktion startet ja gerade erst. Bisher haben wir nur zwei Wände für den Film besprüht. In den nächsten Tagen wollen wir uns die übelsten Stellen vornehmen und dort nachrüsten. Auch die "Wir pinkeln zurük!"-Warnschilder, die im Video zu sehen sind, hängen momentan noch nicht an den Wänden.

 

Wer pinkelt denn am rücksichtslosesten? Touristen?

Ich möchte den Touristen nicht allein die Schuld in die Schuhe schieben. Was man aber definitiv sagen kann: je alkoholisierter, desto schlimmer. Gefühlt sind es eher jüngere als ältere, aber das ist nur mein persönlicher Eindruck.

 

Also ist das Problem mit den angepinkelten Hauswänden in den letzten Jahren größer geworden?

Ja. Früher, als es noch mehr Kneipen und Bars gab, war es weniger problematisch; da hatte man ja immer eine Toilette vor Ort. Aber seitdem immer mehr Kioske aufmachen und sich die Leute draußen betrinken, hat die Zahl der Wildpinkler deutlich zugenommen.

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Julia Staron, Quartiersmanagerin und Wildpinklerbekämpferin auf der Reeperbahn 

Soll ganz St. Pauli flächendeckend imprägniert werden?

Wir selbst werden nur eine Handvoll der meistfrequentierten Wände behandeln. Aber gleichzeitig stimmen wir uns mit Gewerbetreibenden und Hauseigentümern ab, die ja auch ein Interesse daran haben, ihre Wände urinfrei zu halten. Nachfrage ist auf jeden Fall vorhanden.

 

Mal angenommen, mir gehört ein Haus an der Reeperbahn: Was muss ich tun, wenn ich diesen Lack ausprobieren will?

Am einfachsten ist es, wenn Sie sich direkt an uns wenden. Wir verhandeln gerade Sonderkonditionen mit dem Hersteller. Der Lack wurde ursprünglich für den Bootsbau entwickelt und ist relativ teuer: Wer sechs Quadratmeter Hauswand schützen will, zahlt normalerweise rund 500 Euro.

 

Haben Sie den Lack selbst entdeckt und sofort daran gedacht, ihn gegen Wildpinkler einzusetzen?

Nein, eine Werbeagentur ist auf uns zugekommen und hat angeboten, das Promo-Video zu produzieren. Wir fanden das eine prima Idee und haben mitgemacht.

 

Anmerkung: Bei der Werbeagentur war am Dienstag kein zuständiger Mitarbeiter zu erreichen. Wir wissen deshalb nicht, ob die Agentur im Auftrag des Lack-Herstellers gearbeitet oder die Aktion selbst initiiert hat.

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Nehmt euch in Acht, Wildpinkler! 

Ich habe bis jetzt nur positive Reaktionen gelesen. Hat sich denn schon jemand bei Ihnen beschwert?

So nach dem Motto: Auch Wildpinkler haben Rechte? Na da soll mir einer kommen und sich beschweren! Ich glaube, das traut sich niemand, der würde sich dann ja sofort selbst outen. Dann kann er auch gleich 50 Euro abdrücken, so viel kostet das nämlich. Nur schreckt das Bußgeld halt niemanden ab – im Gegensatz zu unseren Wänden. Hoffentlich.

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