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Kirchenaustritt mit einem Gläschen Sekt

Statt Jesu Kreuzigung zu gedenken, feiern sie lieber das "Hasenfest": Kirchenkritiker wie David aus der Giordano-Bruno-Stiftung protestieren gegen das Tanzverbot am Karfreitag.
nadja-schlueter
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Am Gründonnerstag und Karfreitag wird bundesweit mit Veranstaltungen gegen die „stillen Feiertage“ der Kirche protestiert, an denen Tanzen und Protestieren verboten ist. Im Rahmen des sogenannten „Hasenfestes“ wird es in vielen Städten gemeinsame Kirchenaustritte geben. Auch in München treffen sich am Donnerstag Nachmittag am Kreisverwaltungsreferat in der Poccistraße Menschen, die austreten wollen. David Farago, 30, engagiert sich ehrenamtlich in der kirchenkritischen Giordano-Bruno-Stiftung und im Bund für Geistesfreiheit. Er hilft bei den Hasenfest-Aktionen mit und war auch schon im vergangenen Jahr dabei.

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jetzt.de: David, was machst du an den Ostertagen?
David Farago: An den Ostertagen mache ich nichts. Aber an Gründonnerstag und Karfreitag engagiere ich mich in München und Augsburg bei Aktionen, die darauf hinweisen, dass ganz wenige Religiöse der gesamten deutschen Bevölkerung an christlichen Feiertagen das Tanzen und das Demonstrieren verbieten dürfen.
 
Wie läuft der geplante gemeinsame Kirchenaustritt in München ab?
Wir haben am Kreisverwaltungsreferat ein Zelt mit Infomaterial zur Kirchensteuer, dem Kirchenaustritt und wie man sich engagieren kann. Und die, die austreten wollen, können das in einem feierlichen Rahmen tun. Es gibt ein Gläschen Sekt zum Anstoßen und ein kleines Präsent, in Augsburg bekommt man einen kleinen Schokohasen. Wir haben auch Sponsoren gefunde. Den ersten, die kommen, kann die Kirchenaustrittsgebühr erstattet werden.
 
Vergangenes Jahr warst du auch schon dabei. Wie war die Reaktion auf dem Amt und in der Öffentlichkeit?
Wir waren eine kleine Gruppe, sechs Leute sind ausgetreten. Wegen der vielen Werbung vorher haben die im Amt ihr Personal aufgestockt, weil sie dachten, wir rennen ihnen die Bude ein. Das war nicht der Fall, aber für uns war es ganz lustig, dass sie Angst gekriegt haben. Es gab auch einen Polizeieinsatz mit vier Beamten, und manche Passanten regten sich auf und erstatteten per Telefon Anzeige. Wir rechnen auch diesmal mit Stress. Das Ganze ist aber keine bierernste Veranstaltung, wir wollen ein bisschen Lebensfreude und Spaß vermitteln.
 
Sechs Leute sind ja nicht viele. Mit wie vielen Teilnehmern rechnet ihr diesmal?
Mit wesentlich mehr. In München treten aber sowieso jeden Tag 30 bis 40 Leute aus, die sind auch letztes Jahr während der Aktion ins Amt gegangen. Die Mehrzahl macht das still und heimlich nach Feierabend.

Aber es ist doch okay, still und heimlich auszutreten.
Der Hintergrund ist, mit seiner Stimme ein Statement abzugeben. Viele, die ausgetreten sind, bekennen das nicht öffentlich. Durch unsere Aktion gibt es die Möglichkeit, öffentlich auszutreten und zu sagen, warum man es tut und dass es keine Schande ist. Du bist kein schlechter Mensch, wenn du nicht an Gott glaubst.
 
Aber man ist auch kein schlechter Mensch, wenn man an Gott glaubt.
Es gibt viele, die austreten und unsere Aktion gut finden und trotzdem ihren Glauben haben. Gegen Glauben haben wir nichts! Aber Glauben ist Privatsache und sollte das wieder werden. Solange wir als Nicht-Gläubige die Kirche durch Steuern mitfinanzieren müssen und solange die Kirche sich abseits unseres Rechtssystems bewegen darf, gehen wir auf die Straße.
 
Das Motto des Hasenfests lautet „Ich lass dich beten, lass du mich tanzen“. Müsste es nicht „Ich lass dich beten, lass du mich arbeiten“ heißen?
Das kriegen wir ziemlich oft vorgeworfen: Geht doch arbeiten, wenn ihr diese Feiertage nicht wollt! Die Realität sieht aber anders aus. Ich kann da nicht arbeiten gehen, weil die Firma geschlossen ist. Ich hätte kein Problem damit, wenn ich arbeiten müsste und nur die Religiösen sich da freinehmen. Dann würde nicht von wenigen Gläubigen bestimmt, dass man nicht arbeiten darf.
 
Was ist mit denen, die weiterhin Mitglied der Kirche sein und sie nutzen wollen?
Ich habe nichts dagegen, wenn jemand ein Gotteshaus baut und selbst finanziert. Aber wir sind ein säkularer Staat. Zumindest die staatlich eingezogene Kirchensteuer gehört abgeschafft, sodass die Kirche sich selbst um ihre Mitgliedsbeiträge kümmern muss, wie es in vielen andern Ländern schon der Fall ist. Dann wird man nämlich ganz schnell sehen, wer noch dabeibleibt.


Text: nadja-schlueter - Bild: Aktionsbündnis Hasenfest

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