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Meine Straße: Schellingstraße

Niemand kennt eine Straße so gut wie die Menschen, die in ihr leben. Deshalb bitten wir regelmäßig junge Münchner, uns ihre Straße zu zeigen. Die schönsten Ecken, die besten Läden, die schrulligsten Typen, die nettesten Anekdoten. Heute: Josefine, 24, Studentin
mercedes-lauenstein

"Die Schellingstraße ist für mich die beste Straße der Stadt, ich würde nie woanders hinziehen wollen. Die Uni, die Museen, der Englische Garten, das Stadtzentrum, alles ist nebenan. Und es gibt hier alle Verkehrsmittel. Die Busse bringen einen bis zum Arabellapark, die Tram bringt einen bis ans Sendlinger Tor, die U-Bahn sofort zum Hauptbahnhof und zur Messe. Aber eigentlich muss man hier gar nicht weg, man kann einen ganzen Tag in dieser Straße verbringen, ohne sich zu langweilen. Und als wäre das alles nicht schon genug, liegt die Schellingstraße auch noch perfekt genau entlang der Ost-West Sonnenachse – morgens geht die Sonne direkt hinter der Ludwigskirche auf und geht ganz genau auf der anderen Seite wieder unter. Toll ist das!

Ganz neu in der Schellingstraße ist das Lost Weekend in der alten Unibibliothek Heinrich. Und obwohl ich es gut finde, dass es in der Ecke zusätzlich zum Cadu endlich mal einen moderneren Kaffeeladen gibt, der dazu noch ganz gute Bücher hat, weiß ich noch nicht so richtig, wie ich es finden soll. Einerseits sieht es aus wie ein Co-Working-Space, andererseits fehlen dafür dann aber die Steckdosen. Kaffee und Snacks sind ziemlich teuer und es gibt anscheinend keine normale Milch, sondern nur Sojamilch. Das finde ich so albern, dass ich den Laden eigentlich schon aus Prinzip boykottieren will.

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Ich mag eigentlich auch keine Bibliotheken, aber ich liebe das Historicum an der Ecke Amalienstraße. Es ist fast komplett verglast und man guckt in den ruhigen Innenhof der Uni. Da kann ich stundenlang sitzen, ohne mich zu langweilen oder nervös zu werden.
Richtig tolle Pizza gibt es bei Lo Studente an der Ecke Türkenstraße. Die Inhaber und Kellner sind alle Italiener, an den Wänden hängen Familienfotos und ständig läuft irgendein Fußballspiel.
Bei dem Franzosen Dompierre kaufe ich manchmal mein Brot, und mit Vorliebe auch die Eclairs, die sind nämlich die besten der Stadt. Auch der Kaffee ist hier großartig.

Vom Okra-Döner bin ich neuerdings auch total überzeugt. Der Gemüsedöner von denen ist nämlich nicht, wie sonst fast überall, eigentlich ein Eisbergsalatdöner, sondern mit richtig viel und echt gutem, gegrilltem Gemüse gefüllt. Und gleich nebenan gibt’s dann sehr gutes Eis – bei Gelati In. Das Eis ist meiner Meinung nach deutlich besser als das dieser hippen, neuen Eisdielen, die es jetzt überall gibt. Und dazu noch viel günstiger. Außerdem gibt es hier noch richtige Eisbecher und italienische Limos. Im Schellingsalon bin ich selten, auch wenn das ja ein Klassiker unter den Münchner Gasthäusern ist. Aber ich spiele halt nicht gern Billard oder Tischtennis – und dafür gehen die meisten ja dort hin. Am Kiosk drinnen kann man sich aber abends, wenn die Läden schon zu haben, noch super Spezi, Bier oder Grundnahrungsmittel wie Eier, Milch und Sahne holen.

Im Papierladen gibt es die schönsten Schreib- und Papierwaren überhaupt. Deshalb gehe ich da regelmäßig rein, wie andere in Galerien: einfach nur, um zu schauen. Außerdem liebe ich den Second-Hand-Laden Marietta Spitzbarth, Ecke Arcisstraße. Da ist es total herzlich und es gibt eine super Auswahl an alten und mitunter ziemlich extravaganten Markensachen. Außerdem stehen immer Gummibärchen auf dem Tresen, und in einem Körbchen schläft ein kleiner Mops.

Die Ecke Luisenstraße, an der ich wohne, ist ein bisschen verflucht. Im Moment ist in dem Laden an der Ecke wieder das italienische Restaurant La Perla drin. Die waren vor vielen Jahren schon einmal da, bevor erst ein russisches Restaurant den Laden mietete, dann ein griechisches, dann ein indisches. Alle gingen innerhalb kürzester Zeit pleite. Bei La Perla scheint es jetzt wohl zu funktionieren, aber ich bin gespannt, wie lange das hält. Dasselbe Trauerspiel gibt es auch in der Bäckerei unter meiner Wohnung: Da ist jetzt schon der dritte Bäcker in Folge drin und alle kommen auf die gleiche, wenig einladende Weise daher.

An der Ecke Augustenstraße hole ich mir seit zwei Jahren jeden Sonntagabend beim vietnamesischen Imbiss Hanoi etwas zu essen. Zum „Tatort“-gucken mit einer Freundin. Gericht Nummer 44, Bun Bo. Die kennen mich dort schon sehr gut, nett sind sie aber leider trotzdem nicht zu mir. Dafür ist halt das Essen top. Und im englischen Buchladen schräg gegenüber stöbere ich auch gern rum. Genauso wie in den Antiquitätenläden, in denen es Möbel und Dirndl gibt. Nur der eine Besitzer ist etwas verschroben: Neulich kam ich in den Laden und er hat mich eine „Hure“ geschimpft, die sich von ihrem reichen Mann Sachen kaufen lässt. Dabei habe ich nicht mal einen Mann."





Text: mercedes-lauenstein - Foto: Juri Gottschall

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