Partner von

WG gegen GV

Wie schlimm geht es wirklich zu auf dem Münchner Mietmarkt? Wer das wissen will, muss junge Frauen nur mal fragen, welche Angebote sie auf Wohnungssuche bekommen haben.
julian-schmitzberger

Dass es teuer ist, in München zu wohnen, weiß man inzwischen. Dass es schwer ist, überhaupt eine Wohnung zu bekommen, auch. Aber in den vergangenen Wochen haben sich die Geschichten wieder besonders gehäuft: Freundinnen auf Wohnungssuche erzählten von zweideutigen oder offen anzüglichen Angeboten von Vermietern – Zimmer gegen Sex oder Ähnliches. Wir wollten wissen, ob das Einzelschicksale sind. Also haben wir junge Menschen angeschrieben, die auf Internetportalen Wohnungen oder WG-Zimmer suchen, und bei ihnen nachgefragt. Viele leiteten uns daraufhin Mails, Skype-Konferenzen oder Anzeigen weiter. Hier sind einige davon. Wir haben sie anonymisiert, sonst aber nicht verändert – auch nicht die Rechtschreibung. Bei den Anzeigen ist die Dunkelziffer übrigens hoch. Eine Sprecherin von wg-gesucht.de schrieb auf unsere Nachfrage: "Unseriöse Anzeigen sind nur kurz online, da unsere Nutzer sehr aufmerksam sind und unser Qualitätssicherungsteam die Anzeigen zusätzlich scannt."

  • 1017905


Frag mal besser nicht nach Anekdoten: Wohnungssuche in München - Abbildung ähnlich.
   

"Wenn du Sex genauso magst"


Ein Angebot per Mail:
"Hi (. . .),
Ich bin (. . . ), 25, und hätte noch ein Zimmer frei. Das Zimmer ist Ca. 13qm groß und in einer 3-zi-Wohnung in bogenhausen. S-Bahn und geschäfte des täglichen Bedarfs sind fußläufin g in nur wenigen Gehminuten erreichbar. Falls du Sex genauso magst wie ich, bin ich mir sicher, dass wir uns über die Miete schoeinig werden würden. Falls du dies jedoch als moralisch verwerflich empfindest, so verzeih die Störung. Bei Interesse können wir gerne vorab Bilder austauschen :).
LG (. . .)"
 
Eine sehr ähnliche Mail, vermutlich vom selben Absender, wurde uns noch von einem weiteren Nutzer geschickt.
   

"Er machte Geräusche"

Protokolle von zwei Geschichten, die eine Studentin Anfang 20 erzählt hat:
"Ich hatte eine Suchanzeige mit Foto aufgegeben. Daraufhin rief ein Typ an, der mich zuerst fragte, welches Zimmer ich haben wolle, er habe zwei: ein kleineres für 200 Euro und ein größeres für 400 Euro. Ich könne aber das teurere haben und den billigeren Preis zahlen. Er habe da mit seiner letzten Mitbewohnerin einen Special-Deal gehabt. Den würde er auch gerne mit mir machen. Er würde immer kochen, einkaufen und die Hausarbeit übernehmen. Ich sagte, dass ich da ja auch mithelfen könne. Darauf ging er nicht ein. Als ich fragte, was ich für den Special-Deal machen müsse, sagte er nichts. Doch er machte Geräusche am Telefon. Es klang, als ob er masturbiert."
"Auf mein Wohnungsgesuch mit Foto meldete sich ein Typ, der mich für 500 Euro in einer wunderschönen und riesigen WG-Wohnung in bester Lage direkt an der Isar wohnen lassen wollte. Der Preis war viel zu günstig – absolut suspekt. Meine Eltern waren deswegen gleich dagegen. Der Typ aber wollte mich: Er machte mir per WhatsApp Komplimente, sagte zum Beispiel, dass ich süß sei und dass er niemand Braves wolle. Aber so würde ich ja nicht aussehen."
 

Sexy, solo, offen für Neues

Eine Anzeige auf WG-Gesucht:
"hi,
wir sind drei junge informatiker und ein e-techniker. wir hängen zwar die meiste zeit beim programmieren sind aber ansonsten 4 fesche ansehliche junge männer. wir haben ein schönes helles ca. 15qm großes zimmer frei. wir suchen eine studentin, die uns ein leben außerhalb von bits und byts zeigt. schreib uns eine aussagekräftige mail, warum gerade du die richtige für unsere wG bist und schicke ein foto mit!
anforderungsprofil:
* gut aussehend
* sexy
* am besten solo
* offen für neues
* nett sympatisch
* dominant
bitt nur ernst gemeint zuschriften.
wir freuen uns auf dich!
(. . .)"
 

Gesucht: devote Mitbewohnerin

Eine Anzeige auf WG-Gesucht:
"Vielleicht etwas außergewöhnlich, aber dennoch: deine Vorgängerin ist gerade aus beruflichen Gründen wieder in ihre alte Heimat zurück. Deshalb biete ich einer devoten (gerne auch unerfahren) Mitbewohnerin o.g. Zimmer an. wenn Dich das anspricht und interessant klingt, dann meld Dich! Alles Weitere per Mail! Die Wohnung ist voll ausgestattet, das Zimmer ist unmöbliert."
 

Kleine Brüste und Interesse an einer Dauerbeziehung 

Eine Anzeige auf quoka.de:
"München-Hadern: 4 Zimmer, Wohnfläche 90 qm, Eine wirklich sehr nette und gepflegte Mitbewohnerin für eine 4 Zimmer Wohnung gesucht! Du solltest eine sehr devote, gerne sehr zierliche Frau, mit kleinen Brüsten sein und ca. 25-45 Jahre jung sein und an einer Dauerbeziehung Interesse haben!"
 

Einmal die Woche anpinkeln

Protokoll der Erzählung einer jungen Frau:
"Als ich unterwegs war, erhielt ich einen Anruf von einer unbekannten Nummer. Ein Mann, schätzungsweise 30 bis 40 Jahre, hat mir ein WG-Zimmer anbieten wollen: 20 Quadratmeter, Altbau, beste Lage, er sei unter der Woche meistens beruflich unterwegs, drei Minuten zur nächsten U-Bahn-Station, Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Reichweite.
  Übereuphorisch wegen des unglaublich guten Angebots fragte ich: ‚Das klingt ja perfekt! Wie hoch ist die Miete?‘ Dann kam mit einer unfassbaren Selbstverständlichkeit von ihm: ‚Du wohnst umsonst. Du musst mich nur einmal die Woche anpinkeln.‘ Mit so etwas habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Ich habe aus allen Inseraten meine Rufnummer entfernt und hoffe weiterhin auf seriöse Angebote – und dass ich bald eine Wohnung finde."
 

"Wir sind in München"

Eine Anzeige bei zwischenmiete.de mit anschließendem Mailverkehr:
"Vermiete an Studentin, auch Sprachstudentin, oder Praktikantin möbliertes Zimmer. Nichraucherin! Verlängerung möglich!!! Keine Männer oder Paare!!"
 
"Lieber (. . .),
ich habe großes Interesse an dem Zimmer, das Du vermietest. Ist das Zimmer schon vergeben? Da ich derzeit noch nicht in München bin, ist es möglich, dass Du mir Bilder schickst? Oder wir uns per Skype hören? Ich studiere Sprachwissenschaft und in dem Zeitraum werde ich ein Praktikum in München machen. Ich bin sehr umgänglich und Nichtraucherin.
Danke und viele liebe Grüße,
(. . .)
Antwort:
"Alter, Nationalität, laut Inserat. Ohne persönliche Besprechungs- und Besichtigungstermin keine Chance, wir sind in München! Vielleicht hast du von dem angestrengten Wohnungsmarkt in München schon was vernommem.
Viele Grüße
(. . .)"
"Lieber (. . .),
bin 25, welche Nationalität wäre für dich denn ein Problem? ;)
Ja, habe den anstrengenden Wohnungsmarkt in München vernommen, kann natürlich vorbeikommen!
Viele Grüße
(. . .)"
Darauf kam keine Antwort mehr. Das Angebot wurde aber noch oft aktualisiert.
 

Skypen und cremen

Protokoll einer Erzählung:
"Ein junger Mann – Student, 26 – hatte mich angeschrieben, ob ich nicht an seiner WG interessiert wäre. Er und noch ein Mädel würden darin wohnen – am Max-Weber-Platz. Die Miete von 450 Euro war okay. Wir haben zuerst ein Skype-Date ausgemacht um Genaueres zu besprechen. Als wir skypten, kam der junge Mann gerade aus der Dusche und meinte, er ziehe jetzt nur schnell ein T-Shirt drüber. Im Laufe des Gesprächs wollte er mir ein paar Fotos von sich schicken, da er in letzter Zeit oft im Fitnessstudio war. Außerdem, meinte er, ginge sein Mikro nicht – wir haben einander also gesehen und geschrieben, aber nicht gesprochen. Nach einer gewissen Zeit ist er kurz in die Küche, um sich einen Tee zu machen – untenrum komplett nackt. Das hab ich erst gesehen, als er aufgestanden ist. Und er kam auch kurz darauf genauso nackt wieder zurück. Diesmal hatte ich vollen Blick auf seinen Schritt. Es laufe alles sehr frei in der WG, sagte er. Kurz darauf hab ich das Gespräch beendet und ihm mitgeteilt, dass ich nicht mehr interessiert sei."
 
Ähnliche Geschichten erreichten uns ein paar Mal. Meistens cremte der Mann sich irgendwann vor laufender Kamera ein. Immer war das Mikro angeblich defekt. Einmal passierte dies:

"Ein Typ bat mich um ein Skype-Gespräch, damit er einen ersten Eindruck bekommen könne. Er schickte mir Bilder von der Wohnung und skypte circa zehn Minuten mit mir. Eigentlich machte er einen sehr netten Eindruck. Nach den zehn Minuten stand er allerdings plötzlich auf, war unten herum unbekleidet und befriedigte sich vor der Kamera selbst."

Text: julian-schmitzberger - und anne-kratzer, Foto: dpa, Illustration: katharina-bitzl

Zur Startseite

Die besten Geschichten von jetzt -

täglichen Newsletter bestellen

oder auf WhatsApp abonnieren