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Alm frischen Seele auf

Wer sein Leben mal aufs Nötigste reduzieren will, arbeitet einen Sommer in den Bergen – wie die 23jährige Steffi
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Sommers treiben viele Bergbauern ihre Rinder auf eine Alm oder Alp, wie sie in der Schweiz genannt wird. Von Mai bis September werden die Tiere dort von einer Sennerin (oder einem Senn) versorgt. Immer mehr Menschen bewerben sich um diesen Job und verbringen einen Sommer in den Bergen. Eine von ihnen ist Stefanie Bauer, 23, aus Peißenberg. Sie ist gelernte Köchin und Konditorin und lebt seit April auf der Höllenbach Alm bei Bad Reichenhall, einer von mehr als 1 300 bayerischen Almen. Hier erzählt sie von ihrem Leben in den Bergen: „Zweimal die Woche stehe ich ein bißchen früher auf, so um vier, halb fünf Uhr. Um diese Zeit ist es noch kühler und das Buttermachen geht leichter von der Hand. Dann gehe ich in den Stall hinter dem Haus und später muss ich sehen, was noch zum Herrichten ist, ob ich vielleicht noch einen Kuchen backen muss. Das hängt halt vom Wetter ab. Die Höllenbach Alm ist die ganze Woche bewirtschaftet und zwischen zehn und 18 Uhr bekommen die Wanderer bei mir zum Beispiel Brotzeiten, Kuchen oder Getränke. Mit einem Klick auf das Bild startest du die Bildergalerie zu Stefanies Leben auf der Höllenbach Alm:

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Als ich im April zum ersten Mal hier hoch kam, habe ich gemeinsam mit der Seniorbäuerin das Haus gelüftet und geputzt und für den Sommer hergerichtet. Wichtiger war aber noch das Kennenlernen der Tiere. Zurzeit sind 28 Jungrinder und fünf Milchkühe hier oben und die müssen mir hinterherlaufen, wenn wir von einer Weide auf eine andere ziehen. Das war erst ein bißchen kompliziert und abends habe ich immer eine Stunde länger gebraucht, um die Viecher in den Stall zu bringen. Wenn ich heute nach ihnen rufe, ist es leichter: Es gibt immer eine Kuh, die mich ein bißchen lieber mag als die neben dran. Und wenn die anfängt, mir nachzulaufen, kommen die anderen schon hinterher. Mittlerweile merke ich auch, wenn es einer Kuh nicht gut geht. Man sieht es daran, dass sie nicht richtig frisst oder dass die Herde unruhiger wirkt als sonst. Ich sage dann unten am Hof Bescheid und der Bauer kümmert sich. Nur einmal hat es einen kranken Ochsen gehabt und den habe ich selbst spritzen müssen. Mein Puls war auf 180, so aufgeregt war ich. Aber hilft ja nichts. Abgesehen von den Rindern ist noch mein Hund hier oben, zwei Geißen – meine ökologischen Rasenmäher – die Schweine Lucki und Karri und noch zwei Hasen. Aber mit denen gibt es eigentlich wenig Arbeit. Die sind halt da. Die Milch der Kühe verarbeite ich gleich hier oben. Aus einem Teil mache ich Quark, aus einem Teil mache ich Trinkmilch für zum Beispiel Bananenmilch und der Rest wird durch die Zentrifuge gelassen und zu Butter gemacht. Richtig fremd ist mir die Arbeit hier nicht, weil ich auf einem Bauernhof aufgewachsen bin. Ich bin naturverbunden und hatte mir schon lange einen Almsommer vorgenommen – weil ich den Kontakt zur Natur so vermisst habe. In der Stadt sind alle dauernd irgendwie im Stress und das hört auch im Urlaub nicht auf. Wir merken das hier vor der Hütte: Viele Besucher aus der Stadt scheinen so unter Druck zu stehen, die können sich nicht normal hinsetzen und gemütlich Brotzeit machen und sich unterhalten. Alles muss schnellschnell gehen. Mir kommt es vor, als könnten die nichts mehr wirklich genießen. Aber wenn ich mich hier vor unser Haus setze, dann pressiert es mir doch nicht, oder? Ich glaube, in der Stadt verlernt man, was es heißt, die Seele baumeln zu lassen. Nächstes Jahr bin ich wieder hier auf der Alm und später möchte ich mich irgendwann mal selbständig machen und vielleicht ja auch einen kleinen Berggasthof übernehmen. Ach übrigens: Besonders viele Muskeln braucht man für den Job hier nicht. Es gibt viele Sennerinnen, die sind zierlich und schaffen es genauso. Man sollte nur nicht besonders zimperlich sein. Und ewig lange Fingernägel sind, glaube ich, auch eher hinderlich bei der Arbeit." ** Du willst selbst auf einer Alm arbeiten? Für Fragen zu Jobs auf Almen in Oberbayern ist der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern eine erste Anlaufstelle. Wenn du nach Österreich willst, siehst du dich am besten auf der Website der österreichischen Almwirtschaft um und nimmst zu den Machern Kontakt auf. Sehr professionell handhaben die Schweizer die Vermittlung von Sennerinnen und Sennern: Auf der Website der Älplerinnen und Älpler werden offene Alpstellen in der Schweiz annonciert. onloads[onloads.length] = makeImageLightbox; var myLightbox = null; function makeImageLightbox() { myLightbox = new JetztImageLightbox(); } Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild Bild

Text: holly-pickett - Fotos: Holly Pickett

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