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"Design allein kann die Welt nicht verändern."

Laura Straßer hat sich auf Porzellangestaltung spezialisiert und kennt die Ausbildung auch schon von der anderen Seite
max-scharnigg
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jetzt.de: Laura, vor zwei Jahren hatten wir schon mal Kontakt, weil mir dein Entwurf für die 14%-Porzellanleuchte aufgefallen war. Damals war kein Hersteller in Sicht, wie ging es damit weiter?
Laura Straßer: Ich hatte letztes Jahr Glück, nicht nur was die Leuchte anging. Sie ist jetzt in Vorbereitung und wird im Frühjahr bei einer jungen dänischen Leuchtenfirma erscheinen. Die haben den Entwurf im Netz gesehen und angerufen.
 
Was hast du dabei jetzt noch zu tun?
Ich habe eigentlich das meiste an die Firma übergeben, die kümmern sich um die Produktion – übrigens in Deutschland, da konnte ich Kontakt zu Porzellanherstellern vermitteln. Ich bekomme die Prototypen und schaue, ob sie in Qualität und Form meinen Vorstellungen entsprechen.  

Was ist noch passiert?
Ich konnte eine Geschirrserie für eine Firma in Hongkong entwerfen und hatte Gelegenheit, mir vor Ort die Produktion anzusehen. Das ist wirklich erstaunlich, auf welchem Niveau und mit welcher Sorgfalt dort gearbeitet wird. Die Investitionsfreude der Firma hat mich sehr beeindruckt – anfangs gab es Probleme, weil der Brennofen dort nicht geeignet war, da wurde kurzerhand gesagt: In einem halben Jahr haben wir einen neuen. Hierzulande wäre das keine so leichtfertige Investition. Aber dort weiß man, dass der Markt noch wächst.
 
Du hast der Wirtschaft Ideen gegeben, was bekommst du dafür?
Ich habe bei Vertragsabschluss etwas bekommen, für die erbrachte Designleistung und bin bei den Verkäufen nochmals beteiligt. Es ist aber auch üblich, dass eine Firma die Vermarktungsrechte kauft und der Designer Urheber bleibt, aber an der Verwertung nicht mehr finanziell beteiligt ist.


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Zu ihrer Lampe 14% wurde die Weimarer Designerin Laura Straßer (31) durch eine Eigenschaft des Porzellans inspiriert: Es schrumpft beim Brand etwa um 14 Prozent. Jeder Schirm ist Abguss des größeren Schirms und Vorlage für den kleineren.

Wie hast du als Mitarbeiterin der Uni Weimar den Designnachwuchs erlebt?
Sehr idealistisch, manchmal vielleicht zu idealistisch. Es ist kein Beruf, bei dem einem nach dem Studium die Bude eingerannt wird. Und leider kann Design allein nicht die Welt verändern. Als Designer ist man häufig ein Rädchen im Wirtschaftskreislauf. Einige meiner Studenten waren Globalisierungskritiker, dabei ist das eine ambivalente Position, wenn man Designer werden will und für internationale Firmen arbeiten muss. Ich denke aber, dass die Studenten sich viel mehr Fragen stellen und bewusst sind, in welcher Welt wir leben.

Du hast dich für Porzellan als Werkstoff entschieden. Warum?
Ich mag vor allem den Modellbau, der dazu gehört, dabei arbeitet man erst mit Gips das ist haptisch schon sehr schön. Zum anderen finde ich spannend, welche Rolle Ess- und Tischkultur in einer Gesellschaft spielt und wie man diese gestalten kann. Menschen essen gerne, das verbindet uns auf der ganzen Welt miteinander.
   
Woran arbeitest du gerade?
Ich bin als Stipendiatin auf Schloss Solitude und möchte etwas von meinem Aufenthalt hier lassen, deswegen werde ich was mit dem Geschirr machen, ein neues Dekor. Darüber hinaus arbeite ich auch an einem neuen Service. Übrigens, als Porzellandesigner wünscht man sich mehr Ehestreits in Deutschland.
 
Warum das?
Es gibt eine Statistik, nach der jede Familie in ihrem Leben maximal 1,6 neue Services kauft und daran haben allein Ikea und andere billigere Anbieter, soweit ich weiß, einen Anteil von 35 Prozent. Da bleibt natürlich nicht sehr viel. Wenn mehr Teller im Streit zerdeppert würden, gäbe es eine höhere Nachfrage.


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