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Mädchen, was denkt ihr über Viagra für Frauen?

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Die Jungsfrage:

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Sie ist der Traum der männlich bestimmten Boulevard-Medien. Eine kleine Pille, die in Frauenhirnen das hervorzaubert, was in Männerhirnen ja eh ständig vorhanden ist: Das Verlangen nach Sex. Jetzt! Sofort! Auf geht’s! Die Autoren, die über „Viagra für Frauen“ schreiben, mischen aus den Begriffen Libido, Wirkstoff und sexuelle Lust einen sprudelnden Cocktail, den die Leser gierig herunterstürzen. Kein langes Quatschen, kein Vorspiel, sondern eine kleine Pille und direkt geht’s los. So jedenfalls die Vorstellung, die in ausnahmslos allen Texten herauszulesen war, die sich bisher mit dem Thema befasst haben. Und ich gebe es zu: Ein wenig verstehe ich das sogar... Doch darum soll es jetzt gar nicht gehen. Mir geht es um etwas anderes. Dass Männer eine Pille nehmen, um ihre erektile Dysfunktion zu kurieren, erscheint uns fürs eigene Leben weiter weg als der Mond, aber genau wie dessen Schein uns freundlich durch die Nacht begleitet, freut uns diese Aussicht auf ältere Tage. Männer können auch, wenn sie nicht mehr können. Wie aber wirkt diese Form des Arzneimittel-Sex auf euch? Könnt ihr die „auf Knopfdruck wild“-Phantasien der Berichte verstehen? Habt ihr womöglich schon mal drüber nachgedacht, ein solches Produkt zu verwenden? Oder ist es – wie so oft in diesem Themengebiet – bei euch einfach alles ganz anders als bei uns und wir verstehen das „jetzt nicht“. Gerade dann ist die heutige Frage umso wichtiger: Mädchen, wie sieht es aus mit euch und der ominösen Lustpille?


Die Mädchenantwort

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Ich glaube, die Antwort auf diese Frage wird jetzt sehr theoretisch ausfallen, Jungs! Denn wie ihr schon andeutet, ist der Gedanke daran, ein Medikament gegen sexuelle Unlust anzuwenden, in unserem Alter so absurd wie der Gedanke, eines Tages nicht mehr zu existieren. Ich habe nicht eine einzige Freundin, die noch nie einen Orgasmus hatte oder etwa regelmäßig Kopfschmerzen vortäuscht, wenn es um die heimeligen Bettaktivitäten geht. Im Gegenteil sind unsere sexuellen Betätigungen oft Dreh- und Angelpunkt stundenlanger Gespräche - wer hat was schon so alles ausprobiert und wie hat das so funktioniert? Von sexueller Unlustigkeit kann da gar keine Rede sein. Aber selbst wenn ich an mein eigenes Altwerden denke - die Motivation eines Tages auf eine sogenannte „Lustpille“ zurückgreifen zu wollen, erschließt sich mir nicht. Vielleicht liegt das aber auch an der Tatsache, dass "Lustpille" ein selten dämlicher Begriff für dieses neue Medikament ist. Denn Voraussetzung für das Interesse daran wäre immerhin, dass er uns Lust auf etwas macht, auf das wir gar keine Lust mehr haben. Ergibt irgendwie keinen Sinn, richtig?! Aber ist das denn auch wirklich so? Hat man im Alter als Frau keine Lust mehr auf Sex? Ich tausche mich selten mit meiner Mutter oder anderen Frauen in ihrem Alter über ihre sexuellen Wollüste aus, und da bin ich eigentlich auch ganz froh drüber. Aber genau deshalb kann ich natürlich nicht vollständig ermessen, wie das wirklich mit der Lust ist, später im Leben. Allein die Tatsache jedoch, dass meine Großmutter an ihrer diamantenen Hochzeit Spitzenunterwäsche drunter trägt, ist mir Beweis genug dafür, dass die Lust nie ganz verschwindet. Auch wenn meine Großmutter aufgrund biologischer Gesetze, nämlich der von schrumpfenden Fortpflanzungsinstinkten, sicherlich schon lange über den Punkt hinaus ist, an dem sie sich im Stundentakt das Hirn aus dem Leib vögeln will. Problematisch wäre in dem Fall der lebensherbstlichen Sexlust also nicht die mangelnde Geilheit, sondern die mangelnde Funktion der in die Jahre gekommenen Werkzeuge - um es mal ganz platt auszudrücken. Und da verstehe ich ausnahmsweise, dass euch Jungs die Existenz der Viagra-Pille ein Gefühl von Sicherheit verschafft. Immerhin habt ihr mit einer ordentlichen Erektion zum richtigen Zeitpunkt viel mehr zu bemühen als wir. Im schlimmsten Fall würde uns da nämlich schon ein Finger voll Gleitgel wieder zum vollen Genuss verhelfen. Weil es bei uns in dieser Hinsicht also so schön einfach ist, können wir die manipulativen Sperenzchen der Pharmaindustrie für alle Ewigkeit getrost ignorieren. Und Frauen, die dennoch glauben sollten ein Medikament zur Stimulation ihres Sexlebens zu benötigen, sollten vielleicht zu allererst einmal ihre Partnerschaft neu überdenken. Sie sollten erwägen, mit ihrem Partner über sexuelle Fantasien und Wünsche zu sprechen, um dem eingerosteten Verhältnis neuen Fahrtwind zu geben. Denn die weibliche Lustlosigkeit ist meiner Meinung nach weniger ein Fall biologischer Dysfunktionen der Frau im Allgemeinen, als vielmehr ein Zeichen schwerwiegender kommunikativer Dysfunktion der eigenen Beziehung. Und gegen die hilft auch die tollste Pille nicht. martina-holzapfl

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