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Ich mag den Freund meiner besten Freundin nicht - was nun?

Eigentlich freut man sich ja, wenn gute Freunde in einer glücklichen Beziehung sind. Was aber, wenn man den Partner oder die Partnerin an der Seite eines lieben Menschen nicht leiden kann? Das Lexikon des guten Lebens weiß Rat.
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Er war laut und plump und seine Witze gingen meistens unter die Gürtellinie. Er war ein Mensch, mit dem ich unter normalen Umständen nicht mehr als drei Sätze gewechselt hätte. Leider war er der neue Freund einer engen Freundin. Sah ich sie, sah ich ihn und musste mit ihm auskommen.

Die beiden hatten sich beim Weggehen kennengelernt, schon eine Woche später waren sie ein Paar. Ihren Erzählungen zufolge war er der Mann für sie. Bevor ich ihn das erste Mal traf, hatte ich mir dementsprechend schon ein Bild von ihm gemacht: Eine Mischung aus ihren letzten drei Bekanntschaften. Also gutaussehend, intelligent und witzig, nur eben ohne die Macken, die bei den anderen letztlich zur Trennung geführt hatten. Nur: Er war genau der Typ Mann, den ich schrecklich fand. Den wir schrecklich fanden: Ein typischer Fitnessstudiogänger, braun gebrannt und schleimig. Wo zum Teufel war nur ihr Geschmack geblieben?

"Ist er nicht toll?", fragte sie, als er zur Toilette ging. Ich konnte keine Ironie in ihren Worten entdecken. "Mal nicht so ein arroganter und eingebildeter Künstlertyp, der sich selbst am Ende doch am wichtigsten ist." Ich nickte und hoffte, dass der Abend schnell vorüber gehen würde. Warum war ich so feige?

"Richtig gehandelt", sagt mir dagegen Dr. Wolfgang Krüger, Psychotherapeut und Autor des Buches Wie man Freunde fürs Leben gewinnt: "In den ersten Wochen wird sie ohnehin keine Kritik hören wollen, schließlich ist sie glücklich." Das müsse man respektieren und deshalb sollte man die Beziehung auch nicht kommentieren. Weder positiv, noch negativ, denn ersteres wäre unehrlich, letzteres unhöflich. Gab es also keine andere Lösung, als meine Freundin in ihr offensichtliches Unglück rennen zu lassen?

Ein paar Tricks gäbe es da schon, sagt Wolfgang Krüger: "Man sollte viele Fragen stellen und aufmerksam zuhören. Warum liebst du diesen Mann? Welche Eigenschaften schätzt du an ihm? Kennst du schon seine Familie? Was macht er beruflich? Wie lange haben bisher seine Partnerschaften gehalten? Weißt du, warum seine Beziehungen bisher gescheitert sind?" Seiner besten Freundin dürfe man solche Fragen stellen und Fragen können immerhin eine Menge bewirken. Entweder, man selbst begreift doch, wieso ihr dieser Mensch wichtig ist, oder sie merkt vielleicht selbst, dass er nicht so perfekt ist, wie sie dachte.  

"Es hat mich gefreut, dich endlich kennenzulernen", sagte besagter neuer Freund am Ende des Abends zu mir und lächelte mich freundlich an. Meine Freundin sah sehr glücklich aus, wie sie da stand und seine Hand hielt. In diesem Moment musste ich fast zugeben, dass die beiden irgendwie ein nettes Paar abgaben. "Ich habe mich auch gefreut", sagte ich. Eine kleine Notlüge hat noch niemandem geschadet.

Marie-Charlotte Maas, 28, findet, dass Fehlgriffe in Sachen Männern durchaus etwas für sich haben. Immerhin gewinnen sie rückblickend oft an Komik und mit ein bisschen Abstand kann man wunderbar über den eigenen schlechten Geschmack lästern.

Fünf Tipps, wenn man den Partner der Freundin/des Freundes nicht mag:

1. Nicht alles Schwarz-Weiß betrachten: Die meisten Menschen haben beim näheren Hinsehen durchaus Aspekte, die liebenswert sind. Wichtig ist nur, dass für die Freundin/den Freund diese positiven Seiten überwiegen.

2. Hast du den Eindruck, dass der Partner deiner Freundin/deinem Freund schadet, zum Beispiel gewalttätig ist, eine schwere Suchtproblematik hat oder das Selbstbewusstsein durch Machtgehabe ruiniert, solltest du eingreifen und etwas sagen.

3. Versuche dich in deine Freundin/deinen Freund hineinzuversetzen: Warum verliebt sie/er sich in diesen Typen/diese Frau? Wie waren ihre/seine früheren Partnerschaften? Unsere Partnerschaftswahl ist immer von unserem Selbstbewusstsein abhängig. Es kann eine Möglichkeit sein, den besten Freund/die beste Freundin viel zu loben, damit er/sie in der Liebeswahl anspruchsvoller wird.

4. Dass man ihn/sie nicht leiden kann, sollte man weder sagen noch zeigen, denn im Zweifelsfall treffen Streitereien ja immer die Person, die zwischen den Parteien steht.

5. Es ist erlaubt zu sagen, dass man den besten Freund/die beste Freundin auch mal wieder ohne den Partner treffen möchte. Das ist generell wichtig für eine Freundschaft, denn nur unter vier Augen kann man wirklich seine Geheimnisse mitteilen und Gefühle ausdrücken. Auch eine Einladung muss nicht immer für beide gelten. Nur bei wichtigen Feiern wie Geburtstag und Silvester sollte man den Partner ebenfalls einladen.

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