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Wie geht Promovieren?

Viele wollen nach dem Studium gerne noch eine Doktorarbeit schreiben. Aber wann lohnt sich das eigentlich, wie finanziert man eine Promotion und wie organisiert man die Arbeit?
nadja-schlueter

Nach meinem Lehramtsstudium in Deutsch und Englisch und meiner Examensarbeit hatte ich große Lust, wissenschaftlich an einem Thema zu arbeiten, das ich ganz zu meinem eigenen machen kann. Meine Betreuerin hat mich gefragt, ob ich promovieren will. Ich habe zugesagt und mit ihr ein Thema erarbeitet. Danach war die größte Frage: Wie finanziere ich mich. Ich habe keine Qualifikationsstelle und auch mit einem Stipendium hat es leider nicht geklappt. Ich arbeite hauptsächlich als wissenschaftliche Hilfskraft und musste schon finanziell schwierige Zeiten überbrücken und oft sehr geduldig sein.

"Am Wichtigsten ist es, dass jemand aus Begeisterung am wissenschaftlichen Arbeiten promoviert und es als persönliche Bereicherung empfindet", sagt Dr. Dominik Fugger, der Doktoranden der Geisteswissenschaften an der Uni Erfurt betreut. "Aus reinen Karrieregründen zu promovieren ist schwierig, weil die Rechnung oft nicht aufgeht und man die Arbeit unterschätzt. Und Promotionen aus Mangel an Alternativen gehen in 95 Prozent der Fälle schief." Neben diesen mentalen Voraussetzungen spielen natürlich auch harte Faktoren wie eine nötige Qualifikationsnote eine Rolle. Mit welchem Notendurchschnitt man promovieren darf, ist in der fakultätsbezogenen Promotionsordnung der jeweiligen Universität festgelegt.

Für die Finanzierung einer Promotion gibt es drei Möglichkeiten: Erwerbsarbeit, die parallel zur Promotion läuft; die Förderung durch ein Stipendium oder Promotionsprogramm; oder eine Qualifikationsstelle an der Universität. "Für Stipendien und Promotionsprogramme muss man sich mit einem Thema bewerben und ein Exposé einreichen. Die personenbezogenen Zuwendungen liegen in der Regel bei etwas über 1000 Euro monatlich", erklärt Dr. Fugger. Stipendien vergeben zum Beispiel die Studienstiftung des deutschen Volkes, das Cusanuswerk und die parteinahen Stiftungen. Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert Promotionen. Dort ist die Vergabe allerdings an eine universitäre Institution und nicht an Einzelpersonen gebunden. Bei einer Qualifikationsstelle an der Uni ist man als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt, meist mit einer fünfzig-Prozent-Stelle. Ein Drittel der Arbeitszeit ist dann für die eigene Forschung gedacht, zwei Drittel belaufen sich auf Mitarbeit in Forschung und Lehre.

Fachliche Beratung hole ich mir hauptsächlich von meiner Doktormutter, aber ich tausche mich auch mit Gleichgesinnten aus. Wir haben schon Doktorandenkolloquien veranstaltet, auf denen man seine Dissertation vorstellen und darüber diskutieren konnte. Generell ist es aber oft gar nicht so leicht, gute Beratung zu finden. Und dann wird auch nebenbei noch viel gefordert: Wer an der Uni arbeiten will, muss im Wissenschaftsbetrieb präsent sein, also Tagungen besuchen und Vorträge halten und das auch finanzieren können.

Dass gute Promotionsberatung oft nicht leicht zu finden ist, bestätigt auch Dominik Fugger. "Man kann schauen, ob es an der eigenen Uni ein entsprechendes Angebot gibt und sollte darüber hinaus nicht scheuen, Rat von fachlich einschlägigen Hochschullehrern zu suchen, denen man vertraut. Wenn die Promotion auf einen Beruf außerhalb der Wissenschaft hinausläuft, sollte man mit den Fachleuten aus dem entsprechenden Berufsfeld sprechen", rät er. Was die wissenschaftliche Umtriebigkeit neben der Promotion angeht, empfiehlt er vor allem eines: Zurückhaltung. "Man sollte es nicht übertreiben. Man kann schon mal zu der besonders interessanten Tagung in Helsinki fliegen, weil es da genau um das eigene Thema geht, aber viele Doktoranden machen zu viel. Das richtige Maß zu finden zwischen Einsiedelei und Dauerpräsenz im Tagungszirkus ist gerade am Anfang nicht einfach." Wenn es, aus welchen Gründen auch immer, doch zu Verzögerungen kommt, ist das nicht ganz so schlimm: An sich hat man für eine Promotion unbegrenzt Zeit. Aber es gibt natürlich limitierende Faktoren, sagt Fugger: "Zum einen die Biographie, denn ich muss mich fragen, wann mir die Promotion wie viel bringt. Und zum anderen die Finanzierung. Stipendien laufen bis zu drei Jahren, Universitätsstellen bis zu sechs."

Um als Doktorand effektiv zu arbeiten, muss man sich vor allem gut organisieren und disziplinieren. Fugger rät, sich an die Arbeitsweisen zu halten, die sich schon im Studium bewährt haben, "auch gegen den Rat anderer!" Zudem müsse man lernen, in einem konkurrenten Umfeld zu bestehen - eine gesunde innere Distanz zu jedem Konkurrenzgehabe sei hilfreich. Überhaupt sei die psychische Leistung am Ende nicht kleiner als die intellektuelle: "Als Mensch ist man eigentlich den Blick des Jägers gewohnt: Man geht in den Wald, sieht den Hirsch und erlegt ihn sofort. Bei einer Promotion weiß man lange nicht, worauf es hinausläuft und sieht das Ergebnis vielleicht erst nach fünf Jahren. Das ist das Anstrengendste daran." Um dabei zu bleiben brauche es vor allem Offenheit, Neugierde und die Fähigkeit, sich immer wieder von neuen Aspekten, die einem während der Arbeit begegnen, überraschen zu lassen.

Ich arbeite jetzt seit etwa drei Jahren an meiner Doktorarbeit. 130 Seiten stehen schon - am Ende werden es wohl 200 bis 250. Ich werde oft gefragt, ob ich es bereue, zu promovieren. Wenn ich noch mal anfangen könnte, würde ich vielleicht ein paar Sachen anders machen, aber insgesamt muss ich sagen: Ich würde es jederzeit wieder tun, denn ich habe großen Spaß daran. Und ich würde auch jedem, der darüber nachdenkt, raten, es zu machen. Es ist sehr interessant und man lernt eine Menge. Man sollte sich nur darüber im Klaren sein, worauf man sich einlässt. Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Nadja Schlüter hat für diesen Beitrag Nina, 29, protokolliert, die gerade ihre Doktorarbeit in Mediävistik zum Thema "Wille, Zufall und Notwendigkeit im höfischen Roman" schreibt - am liebsten am Küchentisch. Wenn die Arbeit mal nervt, schaut sie einfach Serien an und kennt sich darum damit ähnlich gut aus wie mit ihrem Promotionsthema.
Fünf Tipps, die dir bei einer Promotion helfen:

1. Überlege dir gut, warum du promovieren willst. Wenn du es aus Karrieregründen oder aus Mangel an Alternativen machst, besteht die Gefahr, dass du schnell die Lust daran verlierst. Eine Promotion macht eine Menge Arbeit und erfordert viel Geduld. Wenn du allerdings Feuer und Flamme für die Wissenschaft und ein Thema bist, dann ist eine Doktorarbeit genau das Richtige für dich.

2. Suche dir eine/n Betreuer/in, dem/der du vertraust. Doktoranden und ihre Doktorväter/-mütter arbeiten eng zusammen, ein gutes Verhältnis ist wichtig für eine effektive Arbeit und bringt die nötige Unterstützung mit sich.

3. Informiere dich frühzeitig und gründlich über die Finanzierungsmöglichkeiten. Du kannst dich über Jobs neben der Promotion finanzieren, vielleicht findest du aber auch eine Qualifikationsstelle, bei der du an der Uni als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt bist und in der Zeit für deine eigene Forschung eingeplant ist. Außerdem gibt es Stipendien für Doktoranden, zum Beispiel von der Studienstiftung des Deutschen Volkes, dem Cusanuswerk oder parteinahen Stiftungen wie z.B. der Friedrich-Ebert-Stiftung. Oft stellen die Unis selbst eine Übersicht zusammen, wo man sich für ein Stipendium bewerben kann. Einfach nachfragen oder online recherchieren.

4. Um effektiv an deiner Promotion zu arbeiten, musst du dich gut organisieren und disziplinieren. Höre dabei auf dich selbst; die Arbeitsweisen, die du während des Studiums angewendet hast, sind oft die besten. Lass dich nicht verunsichern, wenn andere ganz anders an ihre Doktorarbeit herangehen.

5. Du solltest Dich nicht nervös machen lassen. Sei dir bewusst, dass es auch Kollegen geben wird, die Wissenschaft unter Konkurrenzgesichtspunkten betreiben. Dazu solltest du eine gesunde Distanz haben, die frei macht für den fachlichen Austausch mit anderen Wissenschaftlern. Aber Vorsicht: Netzwerkaktivitäten, Tagungen und Vorträge können auch zur Ersatzhandlung für das anstrengende Schreiben an der Doktorarbeit werden. 

Text: nadja-schlueter - Cover: dpa

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