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Jungs, was denkt ihr über Modemädchen?

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen. Diesmal: Fashion Victims.
veronique-schneider
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Die Mädchenfrage:
Fast jedes Mädchen zählt zu seinem Freundinnenkreis eine Dame, die modisch überaus interessiert ist: Mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit hat sie sich in den vergangenen Tagen stundenlang durch die Looks geklickt, die auf der Fashion Week in Paris für den nächsten Sommer vorgestellt wurden. Sie liest ausländische Modezeitschriften und schwärmt von dem Stil irgendeiner schwedischen Bloggerin oder einer Vogue-Redakteurin. Manchmal sagt sie auch Sätze wie „Statement Necklaces sind aber langsam schon echt ein wenig Last Season!“ Kurzum: Mode ist für sie sehr viel mehr als Klamotten überstreifen und schauen, dass sich die Farben nicht beißen. Ihre Begeisterung wird deshalb, eh klar, auch in ihrer eigenen modischen Erscheinung deutlich: Ihr Stil unterliegt saisonalen Schwankungen und dabei ist meist auch irgendsoein dem Massengeschmack nicht zu erklärendes Trendteil wie Platform-Schuhe mit dieser durchgehenden Plateausohle am Start. Beizeiten neigt sie dazu, sich ordentlich aufzurüschen, all ihre ausgefallenen Klamotten müssen schließlich auch mal ausgeführt werden.      

Auch wenn wir ihre Leidenschaft vielleicht nicht teilen: Wir finden dieses Modemädchen trotzdem voll ok und würden ihr niemals automatisch unterstellen, ein hirnloses, oberflächliches Wesen zu sein. Mode ist halt ihr Hobby und das finden wir nicht seltsamer, besser oder schlechter als sich fürs Kochen oder französisches Kunstkino zu begeistern.  

Unfairerweise ändert sich unsere Meinung zu Modemenschen augenblicklich, wenn sie eurem Geschlecht angehören. Wir können uns nicht helfen, aber ein Junge, der modische Spirenzchen mitmacht (bunte Socken unter Krempelhose! Hüte tragen!), einen Inspirationsordner mit Outfitbildern auf seinem Desktop liegen hat oder Männermodemagazine liest: Den finden wir furchtbar gockelig und damit absolut unsexy.    

Was dieses gnadenlose Urteil noch ungerechter macht: Wenn ihr maßvoll modisch interessiert seid, finden wir das extrem begrüßenswert. Gut gekleidet gefallt ihr uns ja nämlich noch ein Stückchen besser: Wenn ihr wisst, was euch steht und was nicht, wenn ihr, wenn es der Anlass erfordert, im Anzug nicht ausseht, als hättet ihr noch mal das Exemplar von der Konfirmation hervorgekramt, wenn ihr einfach auf eine unangestrengte Weise gut angezogen seid: Ja, das ist schon sehr, sehr attraktiv.  

Jungs, bevor ihr uns wegen dieser Unfairness gegenüber männlichen Fashionistas zurecht rügt: Ist es bei euch umgekehrt womöglich genauso? Dass ihr zwar gerne stilvolle Mädchen anschaut, übermäßiges Modemögen aber genauso wenig schätzt wie wir? Oder dürfen wir Mädchen das einfach, uns modemäßig austoben, weil es so eine weiblich konnotierte Angelegenheit ist? Sagt uns doch mal, was ihr von Modemädchen haltet!   



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Die Jungsantwort:
Okay, Modemädchen. Ich glaube, da unterscheiden wir zwei Sorten. Der eine Typ ist die, über die man schreiben würde: „Nach dem Aufstehen blätterte sie gelangweilt in Modemagazinen.“ Also eine Gucci-Tante, die Gucci nicht mit Sinn und Verstand liebt, sondern eben vor allem, weil es so schön dick draufsteht. Das sind Frauen, die sich für Mode interessieren, weil es zu ihrem Frauenbild gehört, sich für Mode zu interessieren, die tatsächlich aber keine wirkliche Geschmackssicherheit aufweisen, sondern sich akkurat an die Regeln halten und darauf vertrauen, dass Prada und Co. dann ihre Wirkung schon entfalten - was sie ja auch meistens tun. Diese Frauen sehen toll aus, vielleicht, und deswegen haben sie bestimmt auch unsere Aufmerksamkeit. Problematisch wird es, wenn wir feststellen, dass sie die Sorgfalt, die sie in ihr Erscheinungsbild legen, in sonst keinem anderen Lebensbereich geltend machen. Die nicht auch Filme, Kunstgeschichte und Design zumindest annähernd interessant finden, eben weil Gucci dazu nichts direkt anzubieten hat. Die nicht annähernd so elegant daher reden wie sie aussehen. Würden wir tatsächlich Partner eines solchen Modepüppchens, wäre da zudem auch immer die kleine Sorge, wir wären nicht aus ganzheitlichen Gründen von ihr erwählt worden, sondern weil leicht abgerissene Typen eben gerade in sind oder sich gut mit ihrem aktuellen Look ergänzen und wir ergo nichts anderes sind, als ein Accessoire.

Natürlich ist die Modetussi auch nicht abgeneigt, ihren männlichen Anhang modisch zu „erziehen“, weil es nämlich zu ihrem Männerbild gehört, dass Männer sich nicht für Mode interessieren. Dann geht sie mit Schatzi also Samstags zu Peekenburg&Clopp hin und kauft einen Boss-Anzug und Schlangenlederimitat-Schuhe und fertig ist das große Elend. Von Männermode versteht die Dame nämlich auch eher wenig, weil eben über den Tellerrand sehen für sie zu anstrengend ist. Also Fazit zu Typ 1: Schauen wir mal gerne an, schnattern wir gerne mal mit, ist aber auf Dauer eher nicht unsere Erfüllung, ausgenommen natürlich Fußballer oder eben solche Männer, die finden, Frauen sollten sich für Mode und Shopping interessieren und Männer für Fußball und Autos.

Typ 2 des Modemädchens ist so die Mischung aus Carrie Bradshaw, Holly Golightly und der kleinen Modebloggerin vom vierten Stock. Mädchen also, die einerseits versessen sind auf Mode, seit zwei Jahren auf irgendwas von Bottega Veneta sparen und für eine Birkin-Bag alles geben würden. Die sich aber trotzdem in der ersten Reihe bei einer Modeschau unwohl fühlen und die Mode eher zwischen SecondHand-Boutiquen, befreundeten Schneiderinnen und gelegentlichen Ausflügen in die Welt der Luxuslabels zelebrieren, wenn es da eben ein Teil gibt, in das sie verknallt sind. Ihr Stil ist denn auch so ein Konglomerat, immer zwischen Perfektion und Improvistation, an manchen Tagen zu flippig, an anderen nur seltsam und manchmal auch nur ein graues Sweatshirt und lange Ringelstrümpfe, aber niemals langweilig und niemals einfach nur irgendwas angezogen. Ihr merkt schon: Das sind die Mädchen, in die wir uns sehr gut verlieben können, weil ihre Modemanie auch immer ein bisschen verschroben ist und eben nicht perfekt. Für leicht verschrobene Herzblutgeschichten haben Männer seit jeher Verständnis. Ihr intuitives Stilempfinden macht diese Frauen zu unterhaltsamen Begleiterinnen im Alltag und natürlich lieben Sie dann meistens auch die richtigen Filme, Kunst, Musik etc, das gehört ja auch irgendwie zur Mode dazu. Sicherlich ist auch dieser Typus nicht immer ganz einfach, namentlich die ausgeflippten Tage, aber die lassen sich immerhin sehr schön an der Klamotte ablesen.

Diese Mädchen zerren uns auch nicht zur Renovierung in die Umkleidekabinen von gelackten Herrenausstattern, sondern leihen uns nur mal ein Halstuch oder weisen uns darauf hin, dass dieses Jacket aus der Altkleidertüte des Vaters doch auf jeden Fall aufhebenswert wäre. Nach dem Sex ziehen sie übrigens mit Vorliebe unsere Hemden an und hüpfen damit ein bisschen durch die Wohnung, was allerliebst ist. Allerdings sehen wir dann das Hemd so etwa acht Wochen lang nicht mehr und, wenn es wieder auftaucht, hat es andere Knöpfe. Aber das ist okay.

max-scharnigg

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