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Jungs, wollt ihr wirklich mit uns Pornos schauen?

Oder ist das nur so ein schwachsinniger Tipp aus Frauenzeitschriften?
Von Charlotte Haunhorst und Friedemann Karig
  • maedchenfrage porno jetzt
    onemorenametoremember / photocase.de

Die Mädchenfrage:

 

Liebe Jungs,

 

Wir wissen natürlich: Beziehungstipps aus Zeitschriften sind nicht immer treffsicher. „Überrasche sie mit etwas Selbstgekochtem“ ist zum Beispiel nur eine gute Idee, wenn das Rezept-Repertoire die Maggi-Fünf-Minuten-Terrine übersteigt. Oder „Lassen Sie ihre Freundin sich auf Ihren Schoß legen und streicheln Sie sie, während Sie Fußball schauen" kommt nur gut an, wenn die Freundin nicht zufällig gerade ein Hansa-Rostock-Ultra ist, der überhaupt keine Lust hat, apathisch auf dem Sofa zu liegen.  

 

Einer der Tipps, die dort immer wieder aufgeführt werden, interessiert uns dann allerdings doch genauer. Dieser Tipp beginnt meistens mit „In jeder Beziehung lässt irgendwann die Lust nach“ und endet mit…. Pornos. Die einschlägigen Ratgeber sind sich da sehr einig: Anstatt es heimlich und alleine zu machen, solle man besser gemeinsam Sexfilme schauen und so die „Beziehung anheizen.“ Argumente, die daraufhin standardmäßig folgen: Pornos regen die Fantasie an, ermöglichen es, bisher geheime Wünsche indirekt anzusprechen und sowieso, Zeit zusammen sei ja immer besser als Zeit alleine.  

Natürlich soll jeder in seiner Beziehung tun, was er möchte, aber eine Blitzumfrage in meinem Umfeld hat dann doch ergeben: Das mit dem gemeinsamen Pornokonsum finden viele Frauen doch eher heikel. Nicht, weil Frauen Pornos generell doof finden, das ist ja sogar wissenschaftlich mittlerweile widerlegt. Sondern eher, weil die Darstellung von angeblichem Standard-Sex dort bei vielen Frauen einige Fragen aufwirft. Wenn man bei Google „gemeinsam Pornos schauen“ eingibt, stößt man zumindest auf zahlreiche Foren, die eher ab- als antörnen. Eine Frau schreibt zum Beispiel verzweifelt, dass sie jetzt überlegen würde sich die Haare zu färben, da sie so erst herausgefunden habe, dass ihr Freund auf dunkelhaarige und -häutige Frauen steht, dabei sei sie selbst blond und blass. Eine andere schreibt, seit sie wisse, zu was für „entwürdigenden“ Posen ihr Freund sich sonst einen runterholt, liefe überhaupt nichts mehr. Und sowieso: Manches sollte man doch bitte lieber für sich behalten, denn gemeinsam einen Bildschirm anzustarren, sei eben doch gar nicht mal so sexy. Natürlich sind diese Foren nicht repräsentativ sondern problemorientiert, glückliche Pärchen-Porno-Gucker äußern sich da eher selten. Aber trotzdem fällt auf: Meistens äußern sich Frauen zu dem Thema, ihr Jungs bleibt eher still. 

 

Deshalb unsere Frage: Wie ist das bei euch? Macht euch die Vorstellung, mit uns gemeinsam Sexfilme zu schauen, wirklich an, oder ist das ein ähnlich guter Ratschlag wie ein öffentlicher Heiratsantrag in einem vollbesetzen Kinosaal? Und wenn ihr das gut findet – wie soll das aussehen? Sollen wir den Film vorschlagen oder würdet ihr da lieber mit einem Best-of eurer Lieblingsfilme vorpreschen? Oder gibt es da vielleicht auch Dinge, die ihr lieber für euch behalten würdet, so als letzter Rest Privatsphäre? Und: Was erwartet ihr danach? Dass wir eure Filme eins zu eins nachspielen? Oder wäre das dann doch ein bisschen zu viel?

 

Jungs, erzählt uns doch mal: Wollt ihr wirklich mit uns Pornos schauen?

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    Illustration: Katharina Bitzl

 Die Jungsantwort

Liebste Mädchen,

 

vielen Dank für diese Frage. Und: Ja, wir wollen. Hier könnte dieser Text mit einem Link zu Pornos jenseits von Erniedrigung und plastischer Chirurgie enden. Die gibt es nämlich. Wollt Ihr mal sehen?

 

Aber natürlich muss man, wie so oft, auch sagen: Es kommt drauf an. Und zwar auf zwei wichtige Faktoren: Auf unseren Sex. Und auf die Pornos. Und dazu muss ich ein wenig ausholen. Dafür schreibe ich auch kein Mal „abspritzen“. Deal?

 

Also, Faktor Sex: Wie kinky ist der? Wie gut kennen wir uns? Haben wir schon ein paar andere, etwas versautere Sachen zusammen durchgezogen? Sind wir noch in der „ich starre dich minutenlang an weil du bist so rein und schön“ Phase? Oder eher in der „einmal die Woche im Durchschnitt genau 10,9 Minuten danach gemeinsames Zähneputzen“-Phase? Erst wenn wir ein Fundament haben, gehen Pornos. Womöglich sind sie sogar doppelt sinnvoll, weil wir uns vielleicht schon ein bisschen zu gut kennen, und somit die fast allen eingepflanzte Lust auf Abwechslung zusammen ein bisschen kitzeln können.

 

Faktor Pornos: Die sind wie Menschen. Es gibt sehr verschiedene. Kurz geschaut: 70 verschiedene Kategorien bei Youporn, von „Amateur“ bis „Young/Old". Millionen Filme insgesamt. Jeder ist anders. In Tonalität, Qualität und vor allem Kompatibilität zur unserer Beziehung. Der Gefängnis-Gangbang mit Bukkake (googeln auf eigene Gefahr) wird die meisten von uns nicht weiterbringen. Künstlerische Filme von Erika Lust (gerne googeln) oder das Homevideo des süßen Hipsterpärchens aus Barcelona, das vögelt bis das Bett kracht, vielleicht eher schon. Ich behaupte: Es gibt einen Film für jeden.

 

Und alle sind sie, das ist ihr Sinn und Zweck, unrealistisch. Die gestellten „Amateur“-Pornos wie auch die Filme, die „echte“ Paare zum Spaß gemacht und hoffentlich freiwillig online gestellt haben. Die Kamera als Beobachter verändert jede Situation.

 

Das muss nicht schlecht sein. In unserem Authentizitätswahn vergessen wir, welchen Zweck erzählte Geschichten erfüllen. Denn nichts anderes sind Pornos, selbst wenn sie ein bis zwei Ebenen tiefer ansetzen. Als Film gewordene Fantasien müssen sie inszeniert sein. Bei Pornos wird das oft kritisiert, oft zu recht, weil die Inszenierung frauenfeindlich, menschenfeindlich oder schlichtweg erotikfeindlich ist.

 

Erotik, das sind wir uns vermutlich einig, entsteht ja nicht durch rein-raus, durch die Größe von Brüsten oder der Tiefe von Deepthroating. Das alles kann mehr oder weniger wichtiger Trigger von Erregung sein, je nach Neigung. Aber der Sinn von Pornos ist nie die reine Fleischbeschau, das anatomisch-technische. Sondern immer das, was das alles in unseren Köpfen und weiter unter auslöst.

 

Kommen wir nach diesem bisschen Theorie endlich zu eurer Frage: Wollen wir das mit euch? Oder besser: Bringt uns das beiden was? Denn das wäre der einzige Zweck des gemeinsamen Pornos schauen: Gemeinsame Erregung. Gemeinsame Neugierde auf verschiedene Varianten von Sex. Was machen andere? Wieso machen sie das? Und haben wir da Lust drauf?

 

Ich denke also an die Pornos, die ich gut finde. Es sind keine gewalttätigen, keine saudumm gestellten, keine wie auch immer extremen Szenen. Meistens geht es um zwei attraktive Menschen, ob bezahlt oder nicht, die – zumindest für mich halbwegs glaubhaft – Lust aufeinander haben. Die Frau wird ebenso „bedient“ wie der Mann, meistens bildet sein Orgasmus den Abschluss, geheiratet wird nicht. Aber das ist mir relativ egal. Dass sie hinterher vielleicht schnell duschen und sich nie mehr wiedersehen, auch.

 

Wer glaubt, dass alle Pornodarsteller das immer nur für das Geld machen, ist auch nicht schlauer als die, die glauben, das Stöhnen wäre immer echt. Wer „9 to 5 in Porn“ oder „Hot Girls Wanted“ gesehen hat, weiß: Wie in jedem Job gibt es Künstler, Profis und leider auch viel zu viele Ausgebeutete. Zu akzeptieren, dass man das eine vom anderen nicht immer unterscheiden kann, und deshalb vorsichtig mit Vorurteilen zu sein, gehört beim Pornoschauen dazu. Und wer von uns weiß bei jedem anderen Produkt ganz sicher, dass alle Beteiligten fair behandelt wurden?

 

Nehmen wir also an, ich sehe mündigen Erwachsenen bei einer der schönsten Sachen der Welt zu. Würde ich so einen Film mit einer Frau schauen wollen? Wenn wir vorher darüber reden und sie ein Veto hat, falls ihr was gegen den Strich geht? Wenn wir uns nicht mit denen vergleichen, sondern wissen, dass Regieanweisungen und Zeitlupen in unserem Bett nichts zu suchen haben?

 

Meine Antwort bleibt: Ja. Und ich glaube, dass ich für die Mehrheit spreche. Wir wollen Pornos mit euch schauen. Wobei das Wort „Porno“ schon die falschen Assoziationen weckt, weil man automatisch einen Anabolika-kranken Stier mit riesigen Adern auf dem Penis vor sich sieht, der eine Silikon-Barbie auf der Ledercouch (abwaschbar) eines stundenweise gemieteten Ami-Schuppens verräumt, in vier bis sechs Stellungen, Cumshot, Ende. 

 

Streichen wir bitte das kaputte Wort „Porno“ also aus dieser Antwort, und sagen: Ja, wir wollen mit euch zusammen anderen Menschen beim Sex zuschauen. Menschen, die im Idealfall so ähnlich aussehen wie wir. Die etwas machen, was wir nachmachen oder kurz erwägen, dann aber doch lieber vergessen wollen. Wir können uns dabei anfassen oder nicht. Darüber reden oder nicht. 

 

Ich finde es spannend, einer Frau meine Film gewordenen Fantasien zu zeigen. Am spannendsten fände ich tatsächlich aber, was euch gefällt. Was ihr erregend findet und warum. Und zwar bitte ganz ehrlich. Es ist riskant, aber aufregend, was das mit mir macht, wenn beispielsweise beim gemeinsamen Pornoschauen rauskommt, dass Größe zumindest optisch doch zählt. Wenn ihr euch für Schwulenpornos oder Sadomaso interessiert, nur so beim Zuschauen wenigstens. Was ich dabei wiederum über mich lerne. Und euch vielleicht danach besser verstehe, warum die Vergleiche mit aufgespritzten Porno-Hasen nerven.

 

Film ab.

 

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