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"Ich entschuldige mich im Namen meines Landes"

Lily Allen hat für eine Dokumentation die Flüchtlingslager von Calais besucht.
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    Bild: Screenshot/ BBC News

Zu Beginn der Doku haben wir noch eine aufgedrehte Lilly Allen vor uns. Auf die Frage, warum sie die Flüchtlingslager von Calais besuchen will, von denen aus täglich Menschen unter Lebensgefahr versuchen nach Großbritannien zu kommen, antwortet die britische Künsterlin mit einem Scherz: "Na, um sie alle zu retten!"

Wie es mit den Menschen vor Ort tatsächlich weitergeht, ist derzeit vollkommen unklar: Frankreichs Präsident Francois Hollande hat angekündigt, den Dschungel von Calais, in dem derzeit etwa 7000 Menschen in improvisierten Hütten leben, in den kommenden Wochen zu räumen. 

 

In der knapp zehnminütigen Dokumentation wird besonders auf die Rolle von Allens Heimatland eingegangen: Laut der Nichtregierungsorganisation "Help Refugees UK" befinden sich 1022 unbegleitete Minderjährige im "Dschungel" von Calais. Viele von ihnen haben einen Anspruch auf eine legale Einreise nach Großbritannien, entweder durch Familienzusammenführung oder aufgrund einer im April beschlossenen Gesetzesänderung, dem sogenannten "Dubs Amendement", benannt nach dessen Initiator Alf Dubs.

 

Dem Roten Kreuz zufolge wird die Aufnahme minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge aber durch Probleme in der britischen Verwaltung blockiert – und den Jugendlichen in Calais rennt angesichts der geplanten Räumung die Zeit davon, worauf Lily Allen mit ihrer Anwesenheit aufmerksam machen will.

Im Gespräch mit einem afghanischen Flüchtling ist deutlich spürbar, wie sehr Allen die offenbar hoffnungslose Lebensrealität des Jugendlichen trifft. Nachdem der Junge ihr erzählt hat, dass er schon mehrfach erfolglos den Weg über die LKW-Ladeflächen versucht hat und dabei von Polizisten verprügelt wurde, fast Allen zusammen: "Es scheint so, als hätte es drei Momente in deinem Leben gegeben, in denen dich die Engländer in Gefahr gebracht haben: Wir haben erst dein Land bombardiert, dich dann den Händen der Taliban überlassen und nun musst du dein Leben riskieren, um in unser Land zu kommen. Ich entschuldige mich dafür im Namen meines Landes. Es tut mir leid, dass du das durchmachen musstest." Dann bricht sie in Tränen aus.

 

qli

 

Mehr zum Leben im "Dschungel" von Calais:

 

 
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