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"Ich habe richtig Lust, für die SPD zu kämpfen"

Bedeutet die Niederlage bei der Landtagswahl in NRW das Ende des Schulz-Hypes? Nachgefragt bei drei jungen SPDlern.
Von Max Sprick
  • spd jetzt
    Fotos: REUTERS, HANNIBAL HANSCHKE; Tobias Pietsch, Björn Bernat

Die SPD hat die Landtagswahl in NRW deutlich verloren. Nicht wenige Beobachter schlussfolgern daraus eine Prognose für den Bundestagswahlkampf, in den die Sozialdemokraten Martin Schulz als ihren Kanzlerkandidaten geschickt haben. Als die Partei das verkündetete, entfachte sie einen Hype, von dem nach der NRW-Wahl nur die Erinnerung übrig scheint – oder?

Johanna Uekermann (Vorsitzende der Jusos)

Das Ergebnis der Landtagswahl in NRW ist super enttäuschend. Ich war ja selbst bis zuletzt auf den Straßen im Wahlkampf unterwegs, man hat gesehen, dass Jusos und die ganze Partei bis zum Schluss gekämpft haben - jetzt, am Tag danach, eine umfassende Analyse zu liefern, warum die SPD trotzdem abgewählt wurde, ist schwierig. Offenbar haben landespolitische Themen die entscheidende Rolle gespielt. Ich denke aber auch, es war die falsche Strategie, bundespolitischen Themen so wenig Beachtung zu schenken. Martin Schulz war nicht präsent genug. Wir müssen präzisere Antworten auf die Fragen der Wähler liefern, die wissen wollen, was wir mit sozialer Gerechtigkeit meinen. Vier Monate bleiben uns dafür und ich denke, das ist genug Zeit.

 

Ich denke auch, dass es Sinn macht, aus dieser Wahl zu lernen. Aber wir dürfen uns von dem enttäuschenden Ergebnis nicht kirre machen lassen. Im Wahlkampf gibt es nun mal Höhen und Tiefen. Dass dieses Tief nun ein Ende des „Schulz-Hypes“ bedeutet, denke ich nicht. Ich war sowieso nie ein Fan von diesem Wort. Umfragen sind Umfragen, sie gehen mal hoch, sie gehen mal runter. Martin Schulz ist weiterhin der richtige Kandidat für die Bundestagswahl.

Bei den ganz jungen Wählern zwischen 18 und 24 Jahren ist die SPD in NRW mit 26 Prozent der Stimmen die stärkste Kraft. Genau wie bei den Erstwählern. Zumindest das ist etwas Erfreuliches.

Henning Tillmann (Gründer von Schulztools.org)

Ich habe richtig Lust, in den kommenden vier Monaten für die SPD zu kämpfen. Wir müssen als Partei Mut beweisen, Zukunftskonzepte aufzeigen und vor allem das Thema Europa wieder mehr auf die Karte setzen. Ein Erfolg in NRW hätte Rückenwind für den Bundestagswahlkampf gebracht. Dass der nun ausbleibt, sehe ich aber als nicht so tragisch an. Ehrlich gesagt hat mich das Ergebnis der NRW-Wahl nicht so sehr überrascht. Es hatte sich ja schon angedeutet, dass der Ausgang eng wird. Und während der politische Gegner einen starken Wahlkampf gemacht hat, hat die SPD fast ausschließlich auf landespolitische Themen gesetzt und wenige konkrete Zukunftsideen präsentiert. Die SPD ist die Europa-Partei, das muss jedem Wähler klar sein. Und dafür gibt es keinen besseren Experten als Martin Schulz, den langjährigen Präsidenten des EU-Parlaments.

 

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass er durch seine Art und seine Themen der beste Mann für unsere Ziele ist und ein guter Kanzler wäre.  Vor zwei Monaten hat jeder vom „Schulz-Hype“ und vom „Schulz-Zug“ gesprochen, er war ja quasi schon im Kanzleramt – und soll jetzt, nach der verlorenen Wahl in NRW, wieder außen vor sein? Daran glaube ich nicht. Und es mag zwar wie eine Fußballer-Phrase klingen, gilt aber doch auch für den politischen Wahlkampf: Die spannendsten Spiele sind die, die in den letzten Minuten entschieden werden.

Johannes Klasen (frisch in die SPD eingetretener Student)

Ich bin vor etwas mehr als einem Monat in die SPD eingetreten, weil mir das Thema soziale Gerechtigkeit sehr am Herzen liegt. Neben meinem Studium habe ich jahrelang in der Pflege gearbeitet und finde, dass keine andere Partei dieses Thema ausreichend behandelt. Das Ergebnis der Landtagswahl in NRW ändert daran nichts – Nordrhein-Westfalen ist Nordrhein-Westfalen, Bund ist Bund, so einfach das auch klingen mag. Die Verbindung vom Landes-Wahlkampf zu dem im Bund wird ja gerade gerne bemüht, ich glaube aber nicht, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt. Das Ergebnis in NRW war nicht glorreich, das muss man auch nicht beschönigen. Was den Hype um Schulz angeht, klar, den habe ich mitbekommen. Ich bin aber grundsätzlich kein großer Freund von Hypes. Er ist definitiv der richtige Mann für den Bundestagswahlkampf. Gerade weil er für soziale Gerechtigkeit eintritt und neue Themen setzt, halte ich sehr viel von Schulz. Daran ändert eine Landtagswahl vier Monate vor der Bundestagstagswahl nichts.

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