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Warum ein 80-jähriger US-Amtsrichter im Internet gefeiert wird

Foto: Screenshot Youtube/Caught in Providemce

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Es sind Szenen wie diese, die den 80-jährigen US-Amtsrichter Frank Caprio gerade zu einem der sympathischsten Menschen im Internet machen:  

Eine Frau, die jahrelang ihre Strafzettel nicht bezahlt hat, steht vor Caprio. Sie muss mehrere hundert Dollar Strafe zahlen. Unter Tränen erzählt sie ihre Geschichte. Ihr Sohn wurde umgebracht vor einem Jahr. Sie erhält seit kurzem weniger Sozialhilfe, weil ihr Sohn Schulden hatte, die sie nun bezahlen muss. Und sie sei kurz davor, ihre Wohnung zu verlieren. Ob das alles stimmt, ist in dem Video nicht zu überprüfen. Die Frau ist aber offensichtlich in einer ziemlich miesen Situation. Caprio sagt: „Ich denke, wir können alle mit ihnen mitfühlen und das Trauma verstehen, dass sie erlitten haben.“ Vor diesem Hintergrund reduziert er die Strafe kurzer Hand  auf 50 Dollar und fragt, wann sie das zahlen könne. Sie sagt, sie hat es bei sich und bedankt sich bei Caprio. Caprio fragt nach, wie viel ihr dann noch Geld bleibt. Die Frau sagt, sie hätte dann noch fünf Dollar. Und der Richter erwidert ohne Zögern „Ich werde sie nicht mit fünf Dollar gehen lassen.“ Dann hebt er die Geldstrafe komplett auf, und wünscht ihr, dass bald alles wieder etwas besser werde für sie. 

Millionen Klicks haben die Videos, die den Richter in der Gerichtsshow „Caught in Providence“ eines Regionalsenders zeigen und die auf Facebook gerade viral gehen. Frank Caprio verhandelt nicht die großen Kriminalfälle, sondern die kleinen Sachen. Strafzettel eben, nicht bezahlte Mahnungen, kleinere Diebstahlsdelikte. Doch genau bei solchen Dingen geht es für Menschen, die nicht mit einem üppigen Bankkonto gesegnet sind, oft um alles.

Er lässt Kinder nach vorne zu sich kommen und fragt sie auf eine sehr nette Opa-Art, ob sie ihm helfen können, ein gerechtes Urteil für ihre Eltern zu finden. Und nimmt ihnen und den Eltern damit sehr viel Angst. Er verzichtet bei Schülern darauf, kleinere Vergehen zu ahnden, wenn sie ihm versprechen, auf die Uni zu gehen. Frank Caprio, ein Sohn italienischer Einwanderer, zeigt Mitgefühl mit den Angeklagten. Er bezieht auf sehr empathische und oft humorvolle Art und Weise die Geschichten und Biographien der Menschen mit ein, bevor er ein Urteil über sie fällt. Wie die Washington Post schreibt, habe er das von seinem Vater gelernt. Einem Milchmann, der die Rechnungen von armen Kunden übernahm, obwohl die Familie Caprio selbst nicht viel besaß. 

Die Kollegen von Refinery29.com haben ein Video zusammengeschnitten, in dem man sehr gut sehen kann, wie Frank Caprio auf Menschen wirkt:

 

Wir könnten hier jetzt spekulieren, warum ausgerechnet ein 80-jähriger Richter eines Amtsgerichts irgendwo in Nordamerika auf einmal Menschen vor ihren Smartphones und Laptops weltweit berührt. Die beste Erklärung für den enormen Erfolg liefert Richter Frank Caprio dankenswerterweise selbst. Er glaube, dass die Videos deshalb viral gehen, weil die Menschen ihren Glauben an die Regierung verloren und sich daran gewöhnt hätten, dass Institutionen sie mit harter Hand anfassen, ohne dabei auf ihre persönlichen Umstände einzugehen. „Ich denke, ich sollte darauf Rücksicht nehmen, ob jemand krank ist, die Mutter gestorben ist  oder sie (die Angeklagten, Anm. d. Red.) Kinder haben, die Hunger leiden.“

 

 

pwe

 

 

Mehr good vibes? Hier lang: 

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