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Eine Fake-CDU-Politikerin fordert den Verzicht auf Waffenexporte

Und sogar Medien wie die New York Times fallen auf die Aktion des Peng!-Kollektivs rein.
Aus der jetzt-Redaktion

Brigitte Ebersbach, Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Schwenke, ist ihr Anliegen sehr ernst. Sie sei überzeugte CDU-Politikerin, Mutter von zwei Kindern und gläubige Christin. Ein bisschen steif steht sie vor der Kamera, aber ihre Botschaft an die Kanzlerin ist deutlich: Es braucht eine „CDU mit Gefühl“. In einem Video auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite ruft die Pensionistin ihre Partei auf, sich wieder auf die christlichen Grundsätze zu besinnen und die Waffenexporte zurückzuschrauben. Gleich neben dem Video ein Link zu einer passenden Petition. Mit der Aktion hat es Brigitte Ebersbachs beschaulicher Ortsverband heute sogar auf die Internet-Seiten der New York Times, Fox News, Washington Post und vieler andere internationale Medien geschafft - meist über eine Meldung der Presseagentur AP.

 

Der Clou daran: Es gibt keinen CDU Ortsverband Schwenke - und es gibt keine Vorsitzende Brigitte Ebersbach. Zwar besticht die Seite durch mitleiderregende Bilder und große Schlagworte in gewohntem CDU-Layout, doch tauchen weder der Verband noch die Vorsitzende im offiziellen Verzeichnis der CDU auf. 

Vielmehr handelt es sich hier um eine Aktion der Aktivisten-Gruppe "Peng!-Collective". Das belegt eine E-Mail, die über den Newsletter-Verteiler der Gruppe verschickt wurde und die der  jetzt-Redaktion vorliegt. 

 

Die Gruppe aus Aktivisten, Hackerinnen und Künstlern sabotiert in regelmäßigen Abständen die Öffentlichkeitsarbeit der Reichen und Regierenden. So entschuldigten sie sich vergangenes Jahr im Namen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales mit der Aktion „Deutschland sagt sorry“ in einer aufwendigen Kampagne für HartzIV und enterten 2015 eine großangelegte Bundeswehr-Kampagne mit ihren eigenen Slogans. Die Kommunikations-Guerilla hat auch hier wieder zugeschlagen. 

 

Die Aktivisten haben mit der Aktion einen wunden Punkt in der Kampagnenpolitik der CDU getroffen. Denn die internationalen Reaktionen zeigen, dass viele dieser grauhaarigen Frau und ihren vier erdachten Partei-Genossen in dem Video am liebsten einfach alles glauben wollen.

 

Ihre Argumentation ist ja auch durchaus schlüssig. „Deutschland ist weltweit der drittgrößte Waffenexporteur. Damit ist unser Land an dem Teufelskreis von Tod und Gewalt beteiligt“, so Brigitte Ebersbach (oder wer auch immer sie wirklich ist). In Krisenregionen wie Mali, dem Sudan oder Syrien fänden sich insbesondere deutsche Kleinwaffen in den Händen von Kindersoldaten und Terrormilizen. Das passe nicht zusammen mit Menschen, die an den Grenzen im Sommer 2015 Merkel-Poster mit Danke-Aufschriften in die Kameras hielten und einer Partei, die sich auf christliche Grundwerte wie Nächstenliebe und ein friedliches Zusammenleben beruft. 

 

„Für eine CDU mit Gefühl“ ist nicht nur ein richtig guter Fake, sondern auch eine richtig gute Forderung. Denn während Peng! mit ihren Aktionen immer wieder erfolgreich aus dem Nichts auftauchen, setzt die CDU alle Jahre wieder auf Wahlkampagnen, in denen ihre christlichen Werte betont werden. Die Aktivisten entpuppen mit ihrem Fake irgendwie nur einen weiteren Fake.

 

Mehr über Peng!-Kollektiv:

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