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Was nützen Onlinetools wie der Wahl-O-Mat?

Und vor allem: Wissen wir danach, wo wir am Wahltag unser Kreuz machen oder verwirren sie uns noch mehr?
Von Berit Dießelkämper
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    Foto: Lucas1989 / photocase / Collage: Daniela Rudolf

In vier Wochen ist Bundestagswahl. Für mich ist es erst die zweite. Vielleicht wähle ich so wie beim letzten Mal. Vielleicht wähle ich in diesem Jahr eine Partei, die ich noch nie gewählt habe – aus taktischen Gründen. Fest steht: Ich bin noch unentschlossen, wie so viele andere auch. Einige treffen ihre Entscheidung erst unmittelbar in der Wahlkabine aufgrund von Sympathien, aufgrund ihres Umfelds oder aus einer Laune heraus. Andere bevorzugen vorab die intensive Lektüre der Parteiprogramme. Das ist lobenswert und eine gute Methode, eine fundierte und gewissenhafte Entscheidung zu treffen. Aber eben auch verdammt umständlich.

 

Parteiprogramme sind meist sehr lang und schwammig formuliert. Zum Glück gibt es sehr fleißige Menschen, die die Wahlprogramme lesen, aufbereiten und in kreative Tools verwandeln, sodass nach einigen Fragen eine Partei ausgeworfen wird, die den eigenen Vorstellungen von Politik am nächsten kommt.    

Der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ist wohl das bekannteste dieser Tools. Er gleicht die Meinung des Nutzers zu verschiedenen Thesen mit den jeweiligen Positionen der Parteien ab. Sein Einfluss ist enorm: Im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 benutzten insgesamt 13,3 Millionen Menschen den Wahl-O-Mat. Das sind rund 20 Prozent aller Wahlberechtigten in Deutschland. Mit großer Macht kommt große Verantwortung und so betont die bpb immer wieder, das Ergebnis des Wahl-O-Mat sei keineswegs eine Wahlempfehlung, sondern nur ein „Appetitanreger” für mehr politische Informationen.

 

Die Monopolstellung des Wahl-O-Mat ist allerdings passé. Inzwischen gibt es weitere Tools, die den Wähler bei seiner Entscheidung unterstützen sollen. Nur: Was taugen sie?

 

DeinWal.de

Das Onlinetool DeinWal.de bewertet Parteien nicht nach ihren Absichtserklärungen oder blumigen Wahlversprechen, sondern danach, wie sie sich in der vergangenen Legislaturperiode bei Abstimmungen im Bundestag verhalten haben. Dabei wurden die Abstimmungen aus den vergangenen vier Jahren in zwölf Themengebiete unterteilt. Der Nutzer stimmt mit Ja, mit Nein oder enthält sich. Die eigene Entscheidung wird dann mit denen der Parteien verglichen. Das Ergebnis gibt an, welche Partei am häufigsten so abgestimmt hat, wie man auch abgestimmt hätte.

 

Zwar ist reichlich Infomaterial verlinkt und einige Fragen werden auch einleitend erklärt, aber die Sprache ist sehr technisch, wie die der Berufspolitiker. Die Begrifflichkeiten sind nicht immer einleuchtend, die Thematik hochkomplex, man braucht ziemlich viel Hintergrundwissen. Außerdem wird ausschließlich auf Parteien Bezug genommen, die in der vergangenen Wahlperiode im Bundestag vertreten waren. Das ist logisch, weil auch nur sie an Abstimmungen teilgenommen haben – aber auch problematisch. Sowohl die FDP als auch die AfD sind bei DeinWal.de ausgenommen, obwohl beide reelle Chancen haben, im September erneut beziehungsweise erstmals in den Bundestag einzuziehen. Eine vorwärtsgerichtete Wahlentscheidung aufgrund von zurückliegenden Abstimmungen zu treffen, scheint zudem wenig sinnvoll  – auch die Haltungen der Parteien können sich ändern!

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      Screenshot: DeinWal.de
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      Screenshot: DeinWal.de
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      Screenshot: DeinWal.de

Der Wahlswiper

 

Der Wahlswiper im Dating-App-Format verspricht, „tinderleicht” die richtige Partei zu finden. Die große Liebe wird es dort wahrscheinlich auch nicht, aber immerhin muss die Wahlentscheidung voraussichtlich für die nächsten vier Jahre halten. Die Frage zu verschiedenen Politikbereichen –Außen-, Sicherheits- oder Europapolitik – können mit einem Wischen nach rechts bejaht, mit einem Wischen nach links verneint werden. Die Option, die Frage zu ignorieren, gibt es auch. Die Ergebnisse können mit den Antworten von insgesamt 24 Parteien abgeglichen werden.

 

Für weitere Informationen haben die Parteien ihre Entscheidung begründet. Die Parteiprogramme können über einen Link aufgerufen werden. Zu jeder Frage gibt es ein kurzes Erklärvideo, das versucht, die Hintergründe zu beleuchten und die entgegengesetzten Positionen darzustellen. Auch hier setzen die Fragen viel voraus und stopfen überaus komplexe Themen in einen einzigen Satz. 

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      Screenshot: Movact
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      Screenshot: Movact
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      Screenshot: Movact

Der Musik-O-Mat

 

Und zuletzt ein Tool, das niemandem vorenthalten werden soll: der Musik-O-Mat von Deezer. Die Parteien haben Fragen wie „Jetzt mal ehrlich, welchen Song hörst du nur heimlich?” oder „Welcher Song beschreibt dich am besten?” beantwortet. Der Musik-O-Mat berechnet dann, welche Partei am besten zum eigenen Musikgeschmack passt. Die Qualität dieser Hilfestellung ist bitte unbedingt anzuzweifeln! Der Musikgeschmack einer Partei verrät noch lange nichts über ihre politische Kompetenz!

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      Screenshot: Deezer
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      Screenshot: Deezer
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      Screenshot: Deezer

Grundsätzlich können diese Onlinetool zur politischen Orientierung sehr hilfreich sein. Grundwissen über politische Vorgänge können sie aber nicht ersetzen. Sie können auch nicht die Konsequenzen der Antworten auf die Lebensbereiche der Wähler aufzuzeigen. Außerdem wird es immer eine Diskrepanz geben zwischen den unverbindlichen Antworten der Parteien an die App-Entwickler, dem, was im Wahlprogramm steht und dem, was davon wiederum nach der Wahl umgesetzt wird. Auch wenn diese Tools einen guten Überblick geben: Entscheiden muss man immer noch selbst.

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