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Beim RBB brodelt's dank Broder

Bei Radio Fritz wurde kurzfristig die Sendung KenFM aus dem Programm genommen. Moderator Ken Jebsen hat angeblich eine antisemitische Nachricht verfasst - und Henryk M. Broder hat sie veröffentlicht.
charlotte-haunhorst

Eins haben der Berliner Moderator Ken Jebsen und der Publizist Henryk M. Broder zumindest gemeinsam – beide sind umstritten. Jebsen polarisiert in seinem typischen rasanten Sprechtempo seit 10 Jahren auf Radio Fritz in seiner Sendung KenFM, unter anderem bezweifelte er dort die offizielle Version der Terroranschläge vom 11. September. Broder ist ebenfalls als Provokateur par excellence bekannt, manche erinnern sich vielleicht noch an seinen Auftritt als http://www.youtube.com/watch?v=POMiLSd3UbU Damit hören die Gemeinsamkeiten allerdings auch auf, denn nun veröffentlichte Broder in dem Blog "die Achse des Guten" vor der letzten Sonntagssendung eine angebliche Mail Jebsens an einen Härer.

Darin schreibt der angebliche Ken Jebsen unter anderem:

 

"(...) sie brauchen mir keine holocaus informationen zukommen lassen. ich habe mehr als sie. ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat. der neffe freuds. bernays. in seinem buch propaganda schrieb er wie man solche kampagnen durchführt. goebbels hat das gelesen und umgesetzt.(...)"

 

Abgesehen von der äußerst zweifelhaften Rechtschreibung ist der Inhalt dieser Mail pikant. Manche wittern darin eine Holocaustleugnung, was in Deutschland ein Straftatbestand wäre. Andere meinen eine verunglückte Abhandlung des Moderators über die Nazipropaganda im Dritten Reich zu erkennen. Historisch zweifelhaft sind manche Passagen der Mail zumindest. Gleichzeig schrieb Broder in dem Blog, der betroffene Hörer habe sich mit seiner Beschwerde auch an den RBB, die Sendeanstalt von Radio Fritz, gewendet, sei hier allerdings auf taube Ohren gestoßen. Zudem schrieb Broder über Jebsen:

"Ihn Dummschwätzer oder Schwadronierer zu nennen, wäre schon ein Kompliment, er ist einfach balla", des Weiteren leide Jebsen unter Logorrhoe (umgs. "Sprechdurchfall").

Grund genug für den RBB, am Sonntagnachmittag dann doch spontan zu reagieren. Kurz vor Sendebeginn wurde beschlossen, KenFM kommentarlos durch ein vierständiges Musikprogramm zu ersetzen. Der abgesetzte Moderator postete daraufhin auf Facebook:

 

DIESE SENDUNG WURDE VOR WENIGEN MINUTEN AUFGRUND POLITISCHER DISKREPANZEN VON OBEN ABGESCHALTET. GRUND: WIR SIND ZU POLITISCH!!

 

Eine Aussage, die für Zündstoff in der Fangemeinde sorgte. Insbesondere, dass die Sendung nach der öffentlichkeitswirksamen Beschwerde eines bekannten Publizisten unterbrochen wurde, erzürnte viele. Der Vorwurf der Zensur steht im Raum. Kurz darauf wollten manche Nutzer entdeckt haben, dass Ken Jebsen auch von der Mitarbeiterseite von Radio Fritz entfernt worden sei. Dieser hatte bereits in einem Youtube-Statement betont, kein Antisemit zu sein. Gleichzeitig wies er darauf hin, Broder habe sich auch beim Programmmanagement des RBB mit dem Vorwurf des Antisemitismus beschwert. Zur Urheberschaft und zum Inhalt der Mail äußerte er sich allerdings nicht.

 

Und wie reagierte der RBB? Der schwieg sich zunächst aus. Am Montag erfolgte dann das erste Statement von Stefan Warbeck, Programmchef von Radio Fritz. Er schreibt darin, man wolle Schaden vom Sender und vom Moderator abwenden und müsse sich deshalb erst einmal zusammen setzen, um die Vorwürfe zu besprechen. Auch ein Anruf bei der Pressestelle schaffte keine Klarheit über den wirklichen Vorfallshergang. "Allerdings ist Ken Jebsen bisher nicht vom RBB entlassen oder die Sendung eingestellt worden", sagte ein Sprecher. Die Betonung liegt auf "bisher".

 
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