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Darf Schramm nun ran?

Schickt die Piratenpartei Georg Schramm ins Rennen gegen Joachim Gauck?
lena-niethammer

Er träumte bereits 2010 davon, Spuren zu hinterlassen. Doch fehlte ihm bei der letzten Wahl noch eine Winzigkeit, um Bundespräsident zu werden. Ein einziges Mitglied hätte sich bereit erklären müssen, ihn, den Kabarettisten Georg Schramm, als Kandidaten zu nominieren. Alles andere hätte dann nach eigenen Angaben eine furiose Rede geregelt. Nun ist wieder einmal ein Bundespräsident zurückgetreten, wieder einmal muss innerhalb von 30 Tagen ein Ersatz gefunden werden und für Georg Schramm besteht dieses Mal tatsächlich Hoffnung. Und diese Hoffnung heißt Piratenpartei.

http://www.youtube.com/watch?v=chBjNF9aBN8

Es ist der 8. Juni 2010, neun Tage zuvor schmiss Horst Köhler sein Amt hin, nun sagt auch Georg Schramm Tschüß, zumindest der Fernsehbühne. Doch nicht ohne ein fulminates Ende. In der Sendung "Neues aus der Anstalt"kündigte er an: "Wenn ich draußen bin, kandidiere ich als Bundespräsident!" Doch ein Bundespräsident für alle so wie Gauck, nein, das wolle er nicht sein. Erst einmal müssen ausgewählte Gestalten Deutschlands zwangsemigriert werden. Hans Olaf Henkel, ehemaliger Vorsitzender des Bundesverbandes der deutschen Industrie oder auch "Pausenclown der freien Marktwirtschaft", sei zum Beispiel so ein Exemplar. Oder Reinhold Würth, Gründer des Schrauben-Handelsunternehmens "Würth". Wäre Deutschland dann erstmal von diesen Menschen befreit, stünde ein Treffen mit der Oberschicht des Landes auf dem Plan. Schramm hoffe dafür auf einen warmen Sommerabend, sodass er mit der Oberschicht im Park des Schlosses Bellevue sitzen könne und sie dort endlich einmal fragen, ob es ihnen sind peinlich wäre, eine Schönwetter-Elite zu sein, die nicht einmal beim kleinsten Sturm Verantwortung übernimmt.

Doch es fand sich niemand der bereit gewesen wäre, Schramm zu nominieren. Die Aufregung um diese mögliche Kandidatur flachte langsam wieder ab, doch ganz vergessen würde sie nicht. Die Piratenpartei behielt den eigentlich als Spaß gemeinten Vorschlag im Hinterkopf und holte ihn in den letzten für Wulff so wackligen Monaten wieder hervor. Der 4. Januar diesen Jahres hätte Schramms großer Tag werden können. Damals stimmten die Piraten darüber ab, ob er ein geeigneter Bundespräsidentenkandidat wäre. Sie verfügen über zwei Plätze in der Bundesversammlung und es braucht nur ein einziges Mitglied für die Nominierung einer Kandidatur. In ihrem Antrag hieß es: "Georg Schramm verfügt über die nötige Macht der Sprache, um ein Amt, das vom Wort lebt, auszufüllen, und hat bereits vielfach sein kritisches Denken zu politischen Prozessen gestellt."

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Zwar wurde der Antrag mit 52 Prozent der Stimmen abgelehnt und die Partei einigte sich darauf, Wulffs Rücktritt abzuwarten, statt "ungefragte Personen" vorzuschlagen, doch zeigte die Abstimmung auch, dass der Vorschlag Schramm als Kandidaten zu nominieren, für sie keinesfalls ein Witz war. Und die 48 Prozent, die dafür stimmten, gaben auch nicht nach. Kurz darauf auf der sogenannten "Schuh-Demo" vorm Schloss Bellevue, auf der die Protestler ihre Schuhe als Zeichen von Hohn und Verachtung in die Luft hielten, waren überall Plakate mit Schramms Namen zu sehen. Heute war es dann soweit. Einmal kurz blickte Christian Wulff noch prüfend zur Presse, dann sagte er die entscheidenden Worte. „Ich trete deshalb heute vom Amt des Bundespräsidenten zurück um den Weg zügig für die Nachfolge freizumachen.“ 

Ob Georg Schramm eine Chance bekommt, tatsächlich für diese zu kandidieren, liegt in der Hand der Piraten. Doch es sei noch ordentlich verfrüht, jetzt irgendwen in Spiel zu bringen, sagte heute Christopher Lauer, innenpolitischer Sprecher der Piraten im Abgeordnetenhaus Berlin. „Es muss ein überparteilicher Konsens her und die Piraten wollen daran mitarbeiten. Jetzt da jemanden vorzuschlagen, ist einfach Quatsch.“ Andererseits kündigte Merkel an, lediglich auf SPD und Grüne zugehen zu wollen. Die Piraten erwähnte sie nicht. So darf Schramm weiter darauf hoffen, vielleicht in einem Monat Bundespräsident NICHT aller Deutschen zu werden oder zumindest mit einer Rede den Wahlkampf aufzumischen.

Anmerkung der Redaktion: Übers Wochenende hat sich bei der Piratenpartei einiges getan. Noch am Freitag, am Tag von Wulffs Rücktritt, wurde der Weg für eine neue Abstimmung frei gemacht. Seit gestern und bis Dienstagmittag können die Piraten nun entscheiden, ob sie Georg Schramm als Kandidaten nominieren wollen. Schramm wurde in der Zwischenzeit von Emails und Anrufen überschüttet, die ihn zu einer Kandidatur überreden versuchten, wollte sich aber noch nicht konkret äußern. Auch die Piratenpartei scheint, schon Kontakt zu ihm aufgenommen zu haben, so twitterte Christopher Lauer gestern:



Und sogar eine eigene Seite[/link] haben seine Unterstützer schon für den Kabarettisten eingerichtet.



Text: lena-niethammer - Foto: dpa

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