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Die Best-Ager

19 - 26 - 30 - Welches Alter ist das beste? Drei Autoren schreiben, weshalb jetzt eigentlich die schönste Zeit ist.
jetzt-redaktion

19: Eva Schulz lobt das 19 sein! 19 sein ist super. 19 werden nicht so. Es gibt Geburtstage, die sind von vornherein etwas Besonderes: Der 16. zum Beispiel, weil man dann Alkohol trinken darf, oder der 18., weil man den Führerschein kriegt. Der 19. dagegen ist einer, den man selbst erst besonders machen muss. Dieser Geburtstag ist oft zugleich der Start eines neuen Lebensabschnitts. Man ist dann gerade mit der Ausbildung fertig oder hat endlich das Abi in der Tasche, und die Welt liegt auf einmal vor einem wie ein großes All you can eat-Buffet. Man kann direkt mit dem Hauptgang anfangen und sich bei den Studienfächern oder den Jobs bedienen – oder man beginnt mit ein paar Vorspeisen. Die Einen ziehen dann los und befriedigen ihr Fernweh, indem sie Chinesisch lernen, eine Schule in Afrika bauen oder sich in Indien selbst finden. Die Anderen suchen sich einen 400-Euro-Job und gehen ein Jahr lang jeden Abend feiern. Man kann mit 19 auch im Knast sitzen, wie mein ehemaliger Mitschüler, der Totalverweigerer. Oder ausgesorgt haben, wie die „Harry Potter“-Darsteller. Aber das Beste ist, dass - ganz egal, was von alldem man auch tut - es dem Körper überhaupt nichts anhaben kann. Meine physische Verfassung ist optimal. Ich bin raus aus der Phase, in der mir um Mitternacht die Augen zufielen, und noch nicht drin in dem Alter, in dem man joggen gehen muss, um fit zu bleiben. Und auch sonst eignet sich kein Alter so gut für diese „Dazwischenzeit“, die heute fast schon obligatorisch ist. Man ist völlig frei, keinem Lehrer oder Chef gegenüber verpflichtet und kann sich, wenn nötig, ganz neu erfinden. Genau das macht das 19. Lebensjahr auch zu einem der spannendsten, denn das Ergebnis ist selten kalkulierbar: Ich knabbere gerade an meiner zweiten Vorspeise, und ich kann noch überhaupt nicht einschätzen, was sie mit mir macht. Bin ich danach schon satt, oder will ich vielleicht einen ganz anderen Hauptgang als anfangs geplant? Im Moment (und nur der zählt ja mit 19) weiß ich jedenfalls, dass es mir verdammt gut schmeckt. Alter, das rückblickend am schlimmsten war: 14. Weil alle mich mögen sollten, obwohl ich - das weiß ich jetzt - sie gar nicht mochte. Altersklasse, die mir am meisten auf die Nerven geht: 5. Sorry, aber: Letztes Jahr wart ihr noch süß, und jetzt fragt ihr zehn Mal hintereinander „warum?“. Alter, auf das ich mich freue: 52. Ich stelle mir vor, dass man dann zur Ruhe kommt, weil die Kinder aus dem Haus sind und man einen festen Job hat und einfach alles läuft. Damit birgt die 52 auch die Option auf eine zweite 19: Man kann alles umschmeißen und noch mal ganz von vorn anfangen - dann gibts endlich Nachtisch! eva-schulz Auf der nächsten Seite: Warum 26 das beste Alter ist


26: Sebastian Sittner lobt das 26 sein Eigentlich muss ich gar nicht lange erklären, warum man sich mit Mitte 20 im allerbesten Alter befindet. Denn die Wissenschaft steht da ganz klar hinter mir. Demnach hat der Mittzwanziger den Höhepunkt seiner geistigen Schaffenskraft erreicht. Sagen die Alters-Forscher. Ich befinde mich also auf dem Höhepunkt meiner Alterungskarriere. Pessimisten mögen jetzt sagen, dass es mit mir ab sofort nur noch bergab geht. Doch ich bleibe jetzt erstmal stehen und genieße für möglichst lange Zeit die Aussicht. Am Gipfel meiner geistigen sowie körperlichen Substanz. Den Abstieg kann ich ja offiziell immer noch bis zur ersten Ü30-Party hinauszögern. Im Rückblick wollte ich ja schon zu Schulzeiten dieser Altersgruppe angehören. Das hübscheste Mädchen der Klasse war mit einem 25er-Typen zusammen. Wir Endzeit-Teenies hatten dieser Übermacht an Studierenden nichts entgegenzusetzen. Der Hass aufs eigene Alter konnte dann nur durch das Erhalten des Führerscheins reduziert werden. In dieser Altersphase steht man auch zwischen den Fronten: dem Erwachsenwerden und dem Erwachsensein. Eine ideale Ausgangslage für letzte unbeschwerte, verantwortungslose Lebensjahre. Die Orientierungsphase ist ja schon lange vorbei. Der Karriereweg sollte schon eingeschlagen oder absehbar sein. Man muss es eigentlich nur noch laufen lassen. Bis zum Elternwerden und dem ersten großen Job ist es ja noch ein paar Jahre hin. Ein 25-Jähriger blickt also mit Furcht auf die 30 und versucht, die letzten Jahre in Freiheit zu genießen. Denn die nächste Chance sich wieder auszuleben, ist beim Mann erst wieder die Midlife-Crisis. Alter, auf das ich mich freue: Mir wird bisher nur Positives von der „Dinkies-Zeit“ berichtet. Theoretisch wäre das dann die Zeit zwischen 30 und 35. Dinkies bedeutet: Double Income – no kiddies. Es ist die letzte Möglichkeit noch einmal einen Sportwagen zu kaufen, ohne an Kindersitze oder Kofferraumvolumen denken zu müssen. Wenn dann noch geschickt die Ü30-Partys umkurvt werden, ist das ein Alter, mit dem man leben kann. Alter, das rückblickend am schlimmste war: 14. Da gab es auch beim Coolsten von der Schule kein Entkommen. Nahezu jeder Junge hatte in diesem Alter dieses Nerd-Image. Stimmbruch, Pickelgesicht, schlechte Frisur. Die totale Hormonkatastrophe. Altersklasse, die mir am meisten auf die Nerven geht: 14. Ein Lebensabschnitt der dauerhaften Mutation. Aus reinem Hass an meine eigene Phase in diesem Alter, gehen mir diese 14-jährigen grundsätzlich mal auf die Nerven. sebastian-sittner Auf der nächsten Seite: Warum es kein besseres Alter als 30 gibt
30: Philipp Mattheis lobt das 30sein Man hat mich vor diesem Alter gewarnt. Man sagte mir: Du wirst jeden zweiten Satz mit „Bei mir war das ja so…“ beginnen. Dein Bauchansatz wird zu einer Wampe werden, deine Geheimratsecken zu Einflugschneisen der Öde heranwachsen, deine montäglichen Augenringe sich in permanente Tränensäcke verwandeln, deine Blick trübe und dein Gemüt träge werden. In diesem Alter wird dir schlagartig klar werden, was du in deinem Leben erreicht hast: nämlich nichts als Mittelmaß. Du wirst froh sein müssen, wenn du am 30. Geburtstag eine Freundin hast, auch, wenn sie dick ist und nervt. Eine bessere nämlich wirst du von nun an nicht mehr kriegen. Die nun folgenden zehn Jahre kannst du damit verbringen, dich für eine Eigentumswohnung und zwei Kinder abzurackern. Jugend, Begeisterung, Neugier, Leben? Verabschiede dich schon einmal davon und geh ab jetzt einmal jährlich zur ärztlichen Vorsorgeuntersuchung. Es war dann gar nicht so schlimm. Es ist eigentlich überhaupt nicht schlimm. Mit 30 hat man tatsächlich eine gewisse Souveränität, die einem als 14-, 18-, und 25-Jähriger abgeht. Weil man viele Dinge schon einmal gemacht hat, die vor zehn Jahren entweder zu Angstschweißausbrüchen oder hibbliger Erregung mit Sabber in den Mundwinkeln geführt hätten: einen Fisch ausnehmen, um zwei Uhr nachts in Neu-Delhi ein Hotelzimmer suchen, an der Börse viel Geld verlieren, betrügen, betrogen werden, verlassen, verlassen werden, alleine ausgehen und eine wunderbare Nacht verbringen, vor Gericht stehen, einen Mietvertrag unterschreiben, aus Versehen in einem Bordell übernachten, beim BILD-Zeitungsklau erwischt werden (letzte Woche passiert), eine Leiche sehen, eine Glatze rasieren, eine Frau küssen, die eigentlich ein Mann ist, vor tausend Leuten einen Vortrag halten, nach einer durchzechten Nacht im Krankenhaus aufwachen, einen Schweinsbraten machen, gegen eine Laterne laufen, bei der Weinernte in Frankreich mithelfen, eine Steuererklärung selbst machen oder mit einem geliehenen Auto einen Unfall bauen. Heute wird man selbst als 40-Jähriger in Ruhe gelassen, wenn man das Leben eines 20-Jährigen führen möchte. Niemand fragt mich, ob ich schon eine Eigentumswohnung habe, wann ich endlich Vater werde. Aber auch niemand runzelt die Stirn, wenn ich einen Abend nur GTA-IV auf der XBOX spiele. Zu der großen Freiheit der Mittzwanziger sind nur etwas Erfahrung und ein monatliches Gehalt dazugekommen. Besser kann es eigentlich nicht sein. Ich muss nur regelmäßig Sport machen und darauf achten, die Sätze nicht mit „Bei mir war das damals so…“ einzuleiten. Alter, auf das ich mich freue: 80, mit lauter kleinen Enkeln, die sagen: Opa erzähl, wie das Internet früher war! Alter, das rückblickend am schlimmsten war: 17 – ohne Führerschein auf dem Land. Altersklasse, die mir am meisten auf die Nerven geht: 18-, 19-Jährige Abiturienten, deren altersbedingte Hybris und tatsächliches Wissen über die Probleme der Verfassung von Weimar aus ihnen unerträgliche G’scheidhaferl werden lässt. (Zumindest war ich selbst damals so.) philipp-mattheis Welches Alter willst/musst du loben? Tue es jetzt! Sofort! In den Kommentaren!

Text: jetzt-redaktion - Foto: Judith Urban

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